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13. Regiment besorgt, den Entschluß gefaßt, rasch in's Schloß zurückzukehren. Dar Geräusch in der Kapelle überraschte ihn. Er näherte sich derselben und hatte, indem er sich zu einem Fenster hinaufschwang, die Gefahr bemerkt, in der die Frau seines Capitäns schwebte.
Da war ihm der Gedanke gekommen, seine Trommel zu benützen, um den Feind zu erschrecken.
„He, Madame Lefebvre, nicht wahr, ich weiß die Trommel Guillaumets zu benützen? Ich möchte trotz alledem einen famosen Trommler abgeben, wenn ich nicht so lang wäre," schloß der brave Junge seine Erzählung.
„Und wo hast Du meinen Mann gelassen?" fragte Catherine ängstlich.
„Zweihundert Meter von hier — bereit, mit seinen Leuten herbeizueilen, wenn ich das Signal gebe."
„Was für ein Signal?"
„Einen Schuß!"
„Warten wir; mir scheint, es kommt Jemand. Hörst Du nicht ein Geräusch, als wenn Pferde kämen?"
Das Stampfen von Schritten und das Klappern von Hufen bewiesen in der Thät die Ankunft einer zahlreichen Truppe mit Cavallerie.
„Soll ich schießen, Madame Lefebvre?" fragte La Bio» leite, indem er sein am Bandelier hängendes Gewehr loshakte.
Und er fügte hinzu, indem er auf die von den Oester» reichern liegen gelassenen Gewehre deutete: „Wir haben genug, um das Signal viermal zu geben."
„Nicht schießen !" rief sie rasch.
. „Warum denn nicht? Glauben Sie, daß die Kaiserlichen mir Angst machen? Ich sagte Ihnen ja, es ist Rächt und da fürchte ich nichts."
„Unglücklicher! Die Oesterreicher haben Verstärkungen. Du wirst Lefebvre und die Unfrigen in einen Hinterhalt locken! Wir Zwei werden uns schon herausziehen. Es ist besser, zu parlamentiren."
„Commandiren Sie, Madame Lefebvre, ichgleiste Ihnen Subordination."
Es wurde rauh an die Thür geklopft und sine Stimme schrie: „Oeffnet oder wir stoßen die Thür ein!"
Catherine hieß La Violetts die Querstange abnehmen. Die Thür wurde geöffnet, und Reiter und Soldaten erschienen. Ihre dunkle Masse zeichnete sich beim Blitzen der Säbel, Helme und Bajonette in der Nacht ab.
Catherine und La Violette hatten sich bis zum Altar geflüchtet.
Dort bemerkten sie eine schwarze, kauernde Gestalt. Es war der Priester, der nach beendigter Messe ganz leise Gebete vor sich hinmurmelte — vielleicht jene, welche man für die Sterbenden spricht-
Die Soldaten hatten die Kapelle überfluthet; man sah nichts, als Gewehre und Säbel.
Der Offizier, der Catherine hatte verhaften wollen, erschien wieder, beschämt, vor einer Frau davongelaufen zu sein und von dem Wunsche erfüllt, sich zu rächen-
Er wandte fich zu einem in einen gallonlrten Mantel gehüllten Offizier, der einen höheren Rang zu bekleiden schien.
„Herr Oberst," sagte er, „wir werden diesen Soldaten und diese Frau füstliren lassen."
„Die Frau auch?" fragte in kaltem Tone der als Oberst Angesprochene.
„Es sind zwei Spione!"
„Fragen Sie, wer sie sind, wie sie heißen, was sie hier wollten, nachher werden wir entscheiden," sagte der Oberst.
Catherine hatte zugehört.
„Ich verlange, daß man uns als Kriegsgefangene behandelt," sagte sie fest.
„Die Schlacht hat noch nicht begonnen," entgegnete der Offizier.
„Ja, durch uns, ich war die Avantgarde und das ist die erste Colonne," sagte ste, auf La Violette deutend. „Sie haben nicht das Recht, uns zu füstliren, well wir uns ergeben. Nehmen Sie sich in Acht! Wenn Sie diese Gemeinheit be-
Herr in schwierigen Umständen geschickt aufrecht zu erhalten wußte.
„Ich will auch in's französische Lager," murmelte er, „ich habe ja das Losungswort. Sie werden mich passiren lassen — vielleicht ist nicht. Alles für mich verloren. Wir wollen sehen, Frau Baronin."
Geräuschloß glitt er hinter den österreichischen Soldaten durch, die einer der Offiziere geholt hatte, gelangte zur Thür der Kapelle und stürzte hinaus.
Der Offizier, der Catherine verhaftet hatte, sagte nun in kurzem Tone: „Es muß ein Ende gemacht werden, Herr Baron. Haben Sie keine Bemerkung mehr zu machen, keine Frage an unsere Gefangene mehr zu stellen?"
„Nein, nein, führt ste fort, bewacht sie, füsilirt sie!" rief Jener aus. „Oder," fuhr er in komischer Verzweiflung fort, „fragt sie lieber aus, bringt aus ihr heraus, was mit Fräulein von Lavaline geschehen ist. Sie soll wenigstens sagen, was das mit dem Kinde bedeutet."
„Wir werden sie in einem der Säle des Schlosses einsperren," antwortete der Offizier ruhig. „Das Gefängniß macht mürbe. Morgen wird sie uns antworten."
„Morgen werden Soldaten der Republik hier sein und Keiner wird reden, denn Ihre Alls werdet tobt oder in die Lust gesprengt sein!" rief Catherine kühn.
„Führt sie hinaus I" sagte der Offizier kalt, sich zu seinen Leuten wendend, dann fügte er hinzu: „Stellt Eure Gewehre nieder und führt sie hinaus! Fesselt sie, wenn sie sich widersetzt!"
Die vier Soldaten lehnten ihre Gewehre gegen die Balustrade, welche das Chor abschloß, und traten schweren Schrittes vor, bereit, den Befehl auszusühren.
„Kommt nicht näher!" schrie Catherine. „Der Erste, der sich muckst, ist tobt I"
Und rasch ihre beiden Pistolen aus. dem Gürtel ziehend, legte sie auf die Soldaten an, die stehen blieben.
„Vorwärts! Vorwärts!" brüllte der Offizier. „Ihr'erschreckt am Ende gar vor einer Frau!"
Die vier Soldaten entschieden fich, den Befehl auszuführen, als plötzlich in der Stille der Nacht, ganz in der Nähe der Kapelle, lauter Trommelwirbel ertönte.
Die Trommel schlug den Sturmschritt.
„Die Franzosen! Die Franzosen!" rief der Baron entsetzt.
Die Panik war plötzlich und unwiderstehlich.
Die Soldaten, ihre Gewehre vergessend, flohen in großer Unordnung, ihnen nach die Offiziere, um sie einzuholen und die österreichischen Patrouillen zu erreichen, denn sie waren überzeugt, daß die» eine Ueberraschung der Avantgarde Du- mouriez sei.
Der Marquis und der Baron waren fortgeeilt, um sich im Schlosse einzuschließen.
Die Kapelle hatte sich geleert. Am Altar beendete der Priester gleichgiltig seine Messe.
Mittlerwelle trommelte der Tambour immer lauter und Catherine sah auf der Schwelle der Kapelle überrascht und freudig den langen, mageren La Violette erscheinen, der äus Leibeskräften auf die Esüshaut losschlug.
„Du hier?" sagte sie. „Was machst Du da? Wo ist da» Regiment?"
„Ei, im Lager!" rief La Violette, indem er zu trommeln ^ufhorte. „He, Madame Lefebvre, ich bin zurecht gekommen, "'chr wahr? Aber wären wir nicht besser daran, wenn wir die Thür zumachten?"
, _. rasch schlug er die beiden Thürflügel zu und befestigte sorgfältig den Querbalken.
, Dann erklärte er der erstaunten Catherine, daß er Blanche i geführt habe, daß sie jedoch unterwegs auf eine französische, von Lefebvre commandirte Patrouille gestoßen
@r hatte Fräulein von Lavaline zwei sicheren Männern anvertraut und diese mußte sich bereits in Sicherheit hinter der Linie Dumouriez bei ihrem kleinen Henrioi befinden.
Dann hatte er, um die brave Marketenderin vom


