Ausgabe 
19.11.1895
 
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1895.

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Auf japanischer Erde.

Novelle von W. H. Leinborg.

(Fortsetzung.)

Sie befinden sich da ganz offenbar im Jrrthum, Herr Norton," entgegnete Mr. Elmsley mit Nachdruck.Thomas Ellis, der auf der Ueberfahrt die Bekanntschaft meiner Nichte gemacht hatte, bewirbt sich seit Wochen um ihre Zuneigung und um ihre Hand." .

«Ich weiß es. Aber an Bord desselben Dampfers, den der angebliche Ellis in Bombay bestieg, hatte sich auch mein armer Freund befunden. Und es scheint, daß Fräulein Donaldsons Anmuth einen unauslöschlichen Eindruck auf ihn gemacht hat."

WDas mag fein. Doch es war für Ellis durchaus kein Grund, ihn als Nebenbuhler zu Haffen. Denn meine Nichte ist unzweifelhaft sehr weit davon entfernt, die Zuneigung dieses jungen Mannes zu erwidern."

Darüber, Herr Conful, vermöchte wohl nur Fräulein Donaldson selbst Auskunft zu geben. Und es ist für die Untersuchung vorläufig auch ohne Bedeutung. Nur weil Sie 1 eine Erklärung für die Feindschaft der beiden Männer zu i haben wünschten, habe ich diesen Gegenstand berührt. Und « ich wiederhole, daß der Mordanschlag dieser Nacht nicht der erste gewesen ist, den der Elende gegen seinen Rivalen unter» nahm."

Sie sprechen von dem Versuch einer Vergiftung und Sie wollten diese Beschuldigung wirklich aufrecht erhalten?"

Gewiß. Denn ich habe mit meinen eigenen Augen gesehen, daß Thomas Ellis, während er sich ohne Zweifel unbeobachtet glaubte, aus einem Fläschchen, das er bei sich führte, einige Tropfen einer wafferhellen Flüssigkeit in ein leeres Champagnerglas fallen ließ daß er unmittelbar nachher unter dem Vorwande einer Versöhnung Georg Stralen­dorf aufforderte, mit ihm zu trinken und ihm dabet dasselbe Glas reichte, das er in so teuflischer Weise vorbereitet hatte."

Nun und weiter? Es ist dem jungen Manne, wie es scheint, doch nicht schlecht bekommen?"

Nein, denn ich hinderte ihn daran, das Glas zu leeren,

indem ich es scheinbar unabsichtlich vom Tische stieß. Eine Katze leckte den ausgefloffenen Champagner auf und kaum eine halbe Stunde später fanden wir ste verendet im Garten des Clubhause«."

Herbert Elmsley wechselte die Farbe.

Das ist allerdings sonderbar. Aber wenn Sie Thomas Ellis schon damals für einen Verbrecher hielten, warum um des Himmels willen haben Sie denn nicht sofort eine Anzeige gegen ihn erstattet?"

Abraham Norton blickte vor sich nieder und eine tiefe Traurigkeit war auf seinem sonst so unbeweglichen Gesicht zu lesen.

Ich werde niemals aufhören, mir wegen dieser Unter» laffung Vorwürfe zu machen, denn ich fürchte, sie kostet dem armen Stralendorf das Leben. Ich ahnte ja nicht, daß der Schurke seinen Anschlag so bald wiederholen würde und ich glaubte für den Augenblick genug gethan zu haben, indem ich den Andern vor ihm warnte. Hätte ich ihn offen beschuldigt, so würde Ellis bei seiner Verschlagenheit vielleicht doch ein Mittel gefunden haben, den Kopf aus der Schlinge zu ziehen und seine Person abermals rechtzeitig in Sicherheit zu bringen. Das aber war es, was ich um jeden Preis verhindern wollte. Denn ich wollte nicht seit so und so viel Wochen daran ge­arbeitet haben, ihn zu überrumpeln, um doch schließlich sehen zu müffen, daß er mir entwischte."

Er wäre Ihnen also verdächtig gewesen, schon ehe sich dieser Vorfall ereignete?"

Er war mir verdächtig seit dem Augenblick, da er bei seiner Landung da» Zollamt im Hafen von Dokohama betrat. Als ich zum ersten Male sein Gesicht sah, wußte ich, daß mir dies Gesicht schon früher begegnet sein müsse und zwar unter Umständen, die mich gelehrt hatten, es zu verabscheuen. Aber ich zerbrach mir lange vergeblich den Kopf, um die rechte Fährte zu finden, bis mirs beim Tempel von Asakass mit einem Mal klar wurde, wen ich in diesem angeblichen Thomas Ellis vor habe."

dort?

Beim Tempel von Asakusa? Und weßhalb gerade

Ich sah ihn neben dem verwundeten Japaner knieen, dem er vielleicht das Leben gerettet hatte, und sah, daß er ihn verband, wie eben nur ein Arzt einen Verwundeten ver«