Ausgabe 
19.10.1895
 
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»alkon. Bei i Plätschern iben Augen, wieder ver- ich ging e» )hl an, daß Elisabeths geahnt, sich swißheit ge- nit sie nicht : sich gegen­vorwarfen, dem Unheil tcht- Dabei ! flatterhaft

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ich von hier entfliehen darf. Lange schon hegte ich Furcht, der gestrige Abend hat mir traurige Gewißheit gebracht; ich weiß, wie sehr ich Ihnen, verehrte Frau, Unrecht gethan. Sie nehmen eine Last von mir, wenn Sie mir nicht mehr zürnen." *

Nein, von ganzem Herzen thun Sie mir leid, daß Ihnen schmerzliche Erfahrungen nicht erspart blieben; allein aller Kummer dient nur zu unserem Bellen, auch Sie werden dies empfinden. Vertrauen Sie auf Gott, er schickt nach Sturm und Regen wieder klares Sonnenlicht."

In der liebenswürdigsten Weise unterstützte die Frau Baronin Elisabeth bei ihren Reisevorberettungen. Tief be­schämt, daß sie ihren Werth so spät erkannt und voll inniger Dankbarkeit nahm diese von der verehrten Frau Abschied. Sie kehrte schweren Herzens, gedemüthigt und voll banger Sorgen, zurück zur Heimath, nachdem sie kurz vorher voll Stolz und übermüthiger Glückeszuversicht ihr den Rücken gekehrt.

*

Trotz der Winde-schnelle, mit welcher der Eilzug dem Norden zuflog, erschien es der Ungeduld der jungen Reisenden doch unendlich lange.

Die bange Frage, wie sie den Vater finden werde, die Sorge, wie ihre Zukunft sich wohl gestalte, dazu das peinliche Gefühl, daß sie der Mutter Unzufriedenheit verschuldet, daß vielleicht ein Riß bleibe, obgleich sie sich jetzt so unendlich danach sehnte, allen Kummer am treuen Mutterherzen aus- zuweinen; Alles dies quälte sie und raubte ihr die Ruhe.

Endlich spät am Abend fuhr der Eilzug in die weite Bahnhalle der Hauptstadt ein.

Es warteten, außer den Bahnbeamten, nur wenige, trotzdem konnte Elisabeth weder Jemand von den Ihrigen, noch von der Dienerschaft ausfindig machen. Sie mußte sich entschließen, ihr Handgepäck selbst zu ergreifen und auszusteigen. Im selben Augenblick eilte ein junger Herr schnell herzu, um ihr behilflich zu sein.

Willkommen, liebe Schwester," rief er aus,Du hast Dich beeilt, wir wagten kaum, heute schon auf Deine Ankunft hoffen zu dürfen."

Paul, verzeihe, ich erkannte Dich nicht sogleich in Ctvil. Wie geht es dem Vater?"

Gott sei es gedankt, etwas besser, Du Aermste hast Dich sicher furchtbar geängstigt."

Ja gewiß, aber laß uns eilen, heimzukommen. Wo ist der Diener, damit er meine Sachen zum Wagen bringt?"

Ich bin allein hier," entgegnete zögernd der Bruder.

Ohne den Wagen, ich soll ein Miethgeschirr benutzen?" frug Elisabeth, deren Hochmuth schnell auflebte, sobald sie von des Vaters besserem Befinden hörte.

Ich denke, wir gehen den kurzen Weg zu Fuß; ich werde das Gepäck morgen abholen lassen."

Stumm gingen sie fort. Endlich begann Paul zögernd: Es ist nicht allein de» Vater» Krankheit, Du wirst unsere Verhältnisse sehr verändert finden. Die Wahrheit ist Dir ja doch nicht vorzuenthalten. De» Vater» Krankheit, ein Schlag­anfall, ist die Folge großer Aufregungen. Ausgaben über seine Verhältnisse, eine große Anzahl von Rechnungen, welche zugleich einliefen, ohne daß ihm möglich war, zu bezahlen, ver­leiteten ihn, hoch zu spielen, er hoffte auf großen Gewinn und verlor, er fiel in die Hände der Wucherer."

Aber die Eltern besitzen Vermögen."

Die Mutter opferte Alles, es war nicht ausreichend. Er sah sich genöthigt, seinen Abschied zu nehmen, wollte er ihn nicht unerbeten bekommen."

Der Vater hat sehr unrecht an uns gehandelt."

Keinen Vorwurf, Elisabeth, gegen den armen Vater, er ist furchtbar schwer gestraft. Eine lange Reihe von Jahren in hervorragender Stellung, geliebt und geachtet von seinen Kameraden und Untergebenen und nun" Pauls Stimme zitterte, er mußte sich erst fassen, ehe er fortzufahren ver­mochte.Nun muß er froh sein, daß schwere» Leiden den

wahren Grund seiner Verabschiedung verbirgt. Nimm Dir ein Beispiel an unserer Mutter; mit Heldenmuth erträgt sie Aller, mit Hingebung und Treue pflegt sie den Leidenden, an sich selbst denkt sie nie und wie schwer sie geprüft wird."

Gewiß, Paul, ich will mich bemühen, ihr treu zur Seite zu stehen, fürchte ich doch, daß auch ich einen großen Theil der Schuld trage durch unüberlegte Ausgaben. Aber Du selbst, hast Du jetzt Urlaub? Warum trägst Du nicht Uniform?"

Paul mußte erst seine tiefe Erschütterung Niederkämpfen, ehe er zu antworten vermochte:Auch ich leide unter dem Unglück. Selbstverständlich sah ich mich genöthigt, ebenfalls um den Abschied zu bitten, nachdem ihn der Vater erhielt. Durch die Gnade des Landerherrn bekam ich vorderhand längeren Urlaub, doch fürchte ich, e» wird sich nichts ändern; ich muß einen anderen Beruf suchen; ich denke, es soll mir nicht allzu schwer werden, schon gingen mir unter der Hand Anerbietungen zu; aber mit bitterem Kummer scheide ich von einer Thätigkeit, an welcher mein Herz hängt."

Und Deine Braut?"

Marie bleibt mir treu, obgleich ihre Eltern infolge der trüben Verhältnisse ein Band lösen wollen, welche» innige Liebe geknüpft; sie wird in Geduld ausharren, bis bessere Tage, klarer Himmel uns beschieden sind."

Die Geschwister standen an der Thür ihre» Hauses.

Nicht wahr, liebe Schwester, Du bemühst Dich, Dich in da» Schicksal zu finden, welche» uns beschieden, und er- schwerst nicht durch nutzlose Klagen der Mutter schwere Lage. Jetzt ist es an uns, den Eltern unsere Dankbarkeit zu be- weisen für all' ihre Liebe. Fasse Muth, so wird Gott Dir beistehen, Du wirst erfahren, daß innige» Zusammenhalten mehr werth ist, als äußerer Glanz."

Elisabeth trocknete ihre Thränen, welche immer wieder dem Auge entrollten und stieg an des Bruders Arm die Stufen hinauf.

Eines noch," begann dieser,die großen vorderen Räume sind verschlossen, das feine, reiche Meublement zum Theil ver­kauft, da eine kleinere Wohnung gesucht werden muß, sobald des Vaters Zustand den Umzug gestattet. Wir bewohnen einstweilen dis kleineren Hinterzimmer; die Dienerschaft ist entlassen bis auf unsere alte Christine. Die treue Seele würde um keinen Preis von uns gehen."

Elisabeth schwieg und ihre Lippen zitterten. Wie von einem schweren Traum umfangen, tappte sie vorwärts; sie meinte nicht Wochen nur, sondern lange Jahre von der Hei- math entfernt gewesen zu sein, so vollständig erschien ihr Alles verwandelt. Da kamen Schritte rasch näher, zwei Arme streckten sich aus und zogen sie an sich, sie ruhte am Herzen der Mutter. Vergessen war, wie sie geschieden. Die Liebe der Mutter ist groß im Vergeben und Vergessen. Die Tochter hatte wollen um Verzeihung bitte», hatte versprechen wollen eine ganz Andere zu werden, aber kein Wort kam über ihre Lippen als:Meine liebe, liebe Mutter, ich bin wieder bei Dir, ich bin geborgen." Es genügte. Liebevoll sorgten Mutter und Bruder für die Heimgekehrte, sie nahmen ihr die Hüllen ab und wieder und wieder streichelte die Mutter ihr blondes Haar.

Der Vater schläft sanft, der Schlaf ist für ihn die beste Arznei, wie der Arzt versichert, verschiebe es deshalb bis morgen früh, ihn zu begrüßen," bat die Mutter und dann fuhr sie fort:Laß Dich vor allen Dingen einige Zeit bei uns behalten, erwärme und stärke Dich, Du siehst fthr an­gegriffen aus, mein armes Kind."

Die Mutter hatte nur zu recht, jetzt erst, nachdem die furchtbare Aufregung vorüber, fühlte Elisabeth die Abspannung

Welche Behaglichkeit herrschte in dem kleinen Zimmer die gemüthlichen Möbel aus der früheren Heimath waren wieder da, sogar der altmodische, aber noch hübsche Theetisch hell von der Lampe beschienen. Dazu summte der Theekessel sein altes Lied und der Ofen verbreitete eine wohlthuende Wärme. Rur der Mutter schmale«, bleicher Gesicht der Schmerzenszug verriethen, wie schwer sie gelitten. Elisabeth