1895
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HnterWMgsblatt. zum Gießener Anzeiger (General Anzeiger).
Ihr Vermächtniß.
Komm von Maximilian Moegrlt«.
(Sortsetzmig.)
In ihrem Gärtchen standen der Lehrer Hoffmann und seine Frau an den Zaun gelehnt und sahen hinüber über ihr Stückchen Roggenfeld nach dem fernen Westen, wo eben der untergehende Sonnenball die Wipfel der finsteren Tannen von Birkheim in schönster Pracht beleuchtete. Der ganze westliche Horizont glich einem Feuermeer, das nach der Höhe zu purpurne Farben ausstrahlte. Von den Wiesen, die sich von der tiefe bis zum Walde heraufzogen, duftete das in Haufen stehende Heu, dazu die milde Luft und die feierliche Stille in der Natur gaben das Bild eines schönen Sommerabends. Vom Wiesengrunde erhob sich ein Storch und flog in langsamem, gleichmäßigem Flügeltacte nach der Scheune des alten Försters.
„Sieh' nur das schöne Abendroth, Eduard," sagte Frau Lehrer Hoffmann recht zufrieden zu ihrem Manne, „wir werden morgen einen schönen Tag haben."
„Nun, wir wollen es hoffen, es wäre auch jammerschade, wenn uns das Fest wieder zu Waffer werden sollte. Das ganze Dorf freut sich so sehr darauf, denn, Weibchen, was haben wir auch weiter in unserer stillen Landschaft, als dieses Fest, von dem man doch monatelang vorher schon spricht und an dem sich Jung und Alt ergötzt — und dann den Erntekranz I"
Zehntes Capitel.
Zur bestimmten Stunde trafen sich die Freunde im Gasthof zum Deutschen Hause und waren alsbald auf dem Wege nach Birkheim.
„Was wird uns der heutige Tag bringen, Arthur? Denn ein Vergnügen drängt ja hier das andere, es ist eine wahre Lust," sagte der Ingenieur vergnügt.
„Nun, wir werden ja sehen, Karl; ich für mein Theil liebe die Volksfeste im Allgemeinen und diese Kinderfeste im Besonderen. Das Wetter scheint es ja auch gut zu meinen mit der lieben Jugend."
„Ach ja, ja, ja," sagte Hellmuth lächelnd und wischte fich die Stirn.
Die Sonne brannte auf die Kiefernschonungen und diese verbreiteten ihr stärkendes Ozon. Kein Lüftchen regte sich; still, fast wie ausgestorben, lag der Wald. Nur hin und wieder bohrte der Specht seinen Schnabel knarrend in den Stamm, hier und dort schlug auch ein Finkenhahn an, andere leichtbeschwingte kleine Sänger hüpften still von Ast zu Ast, als suchten sie ein schattiges Plätzchen. Die Natur hielt ihren Mittagsschlaf.
„Ist es noch weit zu dem alten Förster," sagte Hellmuth nach einer Weile, indem er mit seinem Hute sich Kühlung zufächelte.
„In zehn Minuten sind wir dort, wir gehen den directen Weg."
Von der Ostseite gesehen, liegt Forsthaus Birkheim auf einer Anhöhe. Rings um dasselbe ist Wald bis auf einen schmalen Streifen, durch den ein Fahrweg führt und auch das fünfzehn Minuten entfernte Dorf zu sehen ist. Zwei hohe, ziemlich gleichmäßig gewachsene Birken stehen am Eingänge des freundlichen Forsthauses, das von einem ähnlichen Zaune umgeben ist wie der Pflanzgarten, den wir schon gesehen.
Im Garten begrüßten die Freunde des Försters Frau, ein altes Mütterchen, und ihren Schwiegersohn, den Gendarm Müller, der nichts Besseres zu thun hatte, als reife Kirschen in seinen Helm zu sammeln.
„Ich werde meinen Alten sogleich rufen, Herr Baumeister," sagte das graue Mütterchen und schickte stch an, nach dem Hofe zu gehen.
„O bitte, Frau Förster, lassen Sie mich hingehen, es ist mir ein besonderes Vergnügen." Und Heyd ging über den Hof nach dem Wagenschuppen, von wo aus er den Alten schon tüchtig schimpfen hörte.
„Gott bewahre, er schimpft sich allein was vor," dachte der Baumeister und sah den alten Knurrbaß die fehlenden Zinken schneiden für ein halbes Dutzend Rechen, die neben ihm lagen.
„Guten Tag, Herr Förster," rief ihm Heyd auf einige Schritte zu.
„Ah — herzlich willkommen, Herr Baumeister," entgeg»


