136

Aas Martern der Muhthiere.

Von Oskar Kr esse.

(Schluß.)

Allmählig, nach fünf bis zehn Minuten der fürchterlichen Qualen, ermattet das Opfer. Das Blut rinnt nur noch tropfenweise, und endlich ist das Thier stumm. Man glaube aber ja nicht, daß es nun verendet ist, nein, es hat noch fein volles Bewußtsein, nur vermag e» dasselbe, durch die Blut« entziehung entkräftet, nicht zu äußern. Ist es doch vorge­kommen, daß sich ein Schwein, nachdem es auf die geschilderte Weise mißhandelt worden war, und alle seine Peiniger, in der Meinung, es sei tobt, weggegangen waren, plötzlich erhob, den Weg durch das offenstehende Thor nach der Dorfstraße fand und auf dieser seinen Verfolgern zu entrinnen suchte, bi» e» endlich erschöpft zusammenbrach und unter lautem Jubel zurückgeschleift wurde. Da» Bewußtsein schwindet eben erst nach der Blutentziehung ganz allmählich, so lange das Thier aber Bewußtsein hat, empfindet es auch Schmerzen! Wie groß dieselben aber bei vorher beschriebener Schlacht« Methode sein müffen, davon kann man sich kaum eine Vor« stellung machen. Bedenkt man nun noch, daß diese Methode die bei weitem verbreitetste im Deutschen Reich ist, ja daß nur in sehr wenigen Landbezirken und größeren Städten die vorherige Betäubung angewandt wird, so kann man sich der Einsicht nicht verschließen, daß es hohe Zeit ist, dagegen gesetzlich einzuschreiten, besonders da die Entziehung des Blutes bei vollem Bewußtsein jedes augenfälligen Nutzens bar ist, denn man gewinnt dieselbe Blutmenge auch nach vorheriger Betäubung.

Es ist dies eben ein Zeichen, daß das Thier im Deutschen Reiche schutzlos ist. Aus diesem Grunde wird man es mit Freuden begrüßen, daß derVerband der deutschen Thier« fchutzoereine" wiederholt eine Petition an den Reichstag richtete des Inhalts, daß beim Schlachten von Thieren die vorherige Betäubung gesetzlich verordnet werde, wie sie ja bei Pferd und R nd zum größten Theile schon überall in Anwendung ist. Diese Petition wird hoffentlich einmal vor dem Plenum de» Reichstages zur Verhandlung gelangen, und wenn, wie es zu hoffen ist, ein Gesetz im Sinne derselben zur Annahme gelangt, so werden mit einem Schlage 90 pCt. aller Thierquätereien im Deutschen Reich beseitigt- Und es wird hohe Zeit dazu, denn fast alle andern civilisierten Staaten find uns in dieser Beziehung weit voraus. In der Schweiz z. B. im Kanton St. Gallen wird Derjenige, welcherThiere nicht in vorschriftsmäßiger Weise (d. h. unter vorheriger Betäubung) tödtet, mit Geldstrafe bi« zu 150 FrS. oder mit Gefängniß bis zu einem Monat bestraft. Die Strafen können auch verbunden werden-" Im Kanton Genf ist es verboten, die Schlachtthiere durch Blutentzichung zu tövten ohne vor­herige Betäubung. Sie dürfen nur rasch und unter An­wendung aller jener Vorkehrungen getödtet werden, durch welche längere Leiden der Thiere vermieden werden." In dem Lande, in welchem die Schweineschlächterei im größten Maßstabe be­trieben wird, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika, ist auch die Thierschutzgesetzgebung am vorzüglichsten. Trotz­dem unter den allgemeinen Bestimmungen dieser Gesetze die Thierguälerei beim Schlachten schon mit fällt, ist dieselbe doch stets noch besonders erwähnt. Grausames Tödten der Th'ere wird in einzelnen Staaten mit Strafen bis zu 1000 Dollars Geldbuße und bis zu zwölf Monaten Zwangs- arbeit geahndet. Gleich gute Gesetze haben Oesterreich, Italien, Dänemark, England u- s. w-

Was ist dagegen Artikel 360 Nr- 13 unseres Reichs­strafgesetzbuches.Mit Geldstrafe bis zu 150 Mark oder mit Haft wird bestraft, wer öffentlich oder in Aergerniß er­regender Weife Thiere quält oder roh mißhandelt." .

Es kann also jeder Thiere quälen, soviel er Lust hat, wenn er dies nur nicht in öffentlicher oder Aergerniß er­regender Weise thut! Durch die Zusätzeboshaft" undroh" läßt dieser Paragraph an Unklarheit kaum noch etwas zu

wünschen übrig, denn der Richter wird in jede« Falle z» berücksichtigen haben, ob der Angeklagte die Thiere au» Bor. Hastigkeit, au» Roheit oder au» anderen Gründen gequält hat. In erster Linie aber fehlen Bestimmungen, welche die Quälerei der Thiere während der Schlachtung durch unzweck­mäßige Schlachtmethoden verbieten und unter Strafe stellen, ferner solche, die auf den Transport der Thiere auf Eisen­bahnen u. s. w. Bezug haben-

Möge hierin bald Wandel geschaffen werden, möge auch das Deutsche Reich die Forderung der Humanität erfüllen, daß den Thieren, welche wir unfern Bedürsniffen opfern, das Recht gegeben werde, eines schnellen Tode» zu sterben, damit sie ferner nicht ihr Leben unter langen, marteroollen Leiden für uns aushauchen I

Literarisches.

Aürst Otto vo« Bismarck. Festschrift zu seinem achtzigsten Geburtstage von F. Bornhak, Berlin W. Verlag von F. Fontane und Co. Preis 30 Pfg. Diese Festschrift gibt in knapper Form den Lebensgang Bismarcks. Die Darstellung ist von echt patriotischem Geiste durchweht. Für Schulen und Vereine, aber auch für Haus und Familie ist das Büchelchen, dem weiteste Verbreitung schon durch den billigen Preis gesichert ist, wie geschaffen.

-i- *

*

BiSmarck*. Festspiel zum achtzigsten Geburtstagsseste Seiner Durchlaucht des Fürsten v. Bismarck von Karl Wiegand. Commissioni- Verlag von Kreyß & Kunath <Fr. Tittel Nachf.), Dresden-Ältst. Preis 50 Pfg. An Festdichtungen der verschiedensten Arten zum be­vorstehenden 80. Geburtstage des Altreichskanzlers wird es nicht mangeln, dahingegen füllt dies Festspiel eine recht sühlbar gewesene Lücke mi. Besonders erwähnt sei, daß die Ausführung des Festspiels keine besondere scenischen oder technischen Schwierigkeiten bietet, es dürfte sich alio auch zur Aufführung durch Vereine und Gesellschaften gelegentlich der von diesen zu veranstaltenden Bismarck-Feiern sehr gut eignen.

Die neue Monatsschrift:Di« pratttsch« Küche,* herausge­geben von Johanna von Sydow (Verlag von Max Pasch, Berlin), hat sich zur Aufgabe gestellt, den durch ihren Titel bezeichneten Th-il der Hauswirthschaft in erster Linie zu pflegen, aber auch im übrige« alle Dinge, welche das Haus angehen, in systematischer Anordnung |« besprechen, bei allen die practische Seite in den Vordergrund (teilen) Neben der Belehrung findet auch die Unterhaltung ihr Recht. & vorragende Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bürgen für die Gediega heit des Inhalts. Der sicher Aufsehen erregende Artikel in Heft 1: Verlorene Kräfte von Johanna von Sydow, characterisirt das Ziel bet neuen Zeitschrift: gegenüber zu weit gehenden Bestrebungen auf dem Gebiete der weiblichen Erwerbsthätigkett und gegenüber verkehrten Richtungen der weiblichen Erziehung, das Panier des Hauses, der na­türlichen Wirkungsstätte der Frau, hochzuhalten. Wir können die Practische Küche," welche keine Concurrenz für die bestehenden Haus- frauen-Zeitungen sein soll, allen Hausfrauen auf das Angelegentlichste empfehlen. Der Preis des durch seine Ausstattung auch für. jeden Salontisch geeigneten Heftes ist monatlich 50 Pfennig. Jährlich er­scheinen 12 Hefte.

* *

Als einUniversum" im wahrsten Sinne des Wortes stellt sich auch das neueste 11. Heft der im XL Jahrgang erscheinenden be­liebten Zeitschrift (Verlag des Universum, Dresden) den Blicken bei Beschauers und Lesers dar. Neben einer -iülle von interessanten litera­rischen Beiträgen aus der Feder erster Schriftsteller enthält jedes Heft eine überaus große Anzahl vorzüglich ausgeführter Illustrationen: Umstände, welche die vornehme Zeitschrift zu einem Familienblatte allerersten Ranges stempeln. Von den Vollbildern und Kunstbeilagen nennen wir das reizende Faschingsbild: Kennst du mich? von Max Ehrler, das Doppelblatt: Abenddämmerung von Andersen-Lundby und Feuer im Nachbardorf von F. Kallmorgen. Der Preis des Heftes be­trägt trotz des überreich Gebotenen nur 50 Pfg.

Strandung und Bergung. Der Untergang zahlreicher SchG während des vergangenen Winters hat die Aufmerksamkeit in erhöhten Grade auf das Thema von der'Strandung und Bergung" gerietet und die FamilienzeitschriftFür All« W«»t* (Berlin W. 57, Deutsche Verlagshaus Bong & Co., Preis des Vierzehntagsheftes 4u Pfg) beeilt sich, dem Bedürfniß, auf das Thema einzugehen, nachzukommen Aus der Feder der Frau Helene Pichler bringtFür Alle Welt" eine« vortrefflich sachgemäßen Artikel, der zugleich vorzüglich illustrirt ist um den intereffanten Stoff in meisterlicher Kürze fast vollständig erschöpft' Nicht minder anziehend für weiteste Kreise und leider! nicht windet aktuell ist der ArtikelHeiserkeit" von Dr Fr. Ranzow. Auch d- starken Mannes" (Abs, 6er kürzlich gestorben ist) wird in einem Art« gedacht. Spannend im besten Sinne des Wortes sind die Roma« IDas Jungfernstift" von Wilhelm Berger,Enoe ego Erst kom ' ich!" von Ernst von Wolzogen undEine Todsünde" von I. Conway.

Redaktion: «. Echeyda. Druck und Verlag der Brühl'sche« Uuiverßtäts-Buch- und Ettindrnckerei (Pietsch & «cheybch in Gieß««.