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ich heute so schreiben.
Eine sage ich Dir," fuhr ich daher fort, „wenn Du Gertraud durch die Freundschaft für Dich in irgend welches Unheil stürzest, ziehe ich meine Hand gänzlich von Dir zuruck und Du magst dann zusehen, wie Du ohne mich werter kommst. Ich warne Dich hiermit ernstlich. Ueberlege wohl, was Du thust oder sei darauf gefaßt, Deinen letzten Freund
Sie sah mir voll Wuth und Haß in's Gesicht. Weny, ein Wunsch zu tödten vermöchte, würde ich dann noch leben? Ich bezweifle es.,
Aber sie war die Maus unter der Tatze der Löwen und mußte still halten.
„Beruhige Dich, Arthur," sagte sie daher höhnisch. - Ma« könnte ich Deinem Protsgs — vielleicht Deiner zukünf. tigen Schwägerin - zu Leide thun?"
Und mit diesem letzten giftigen Pfeil, den sie über die Schulter zurück nach mir abfchoß, verließ sie das Zimmer und ließ mich allein und in Frieden.
6. Kapitel.
Christas Erzählung.
Gertraud hatte den Bach überschritten, der mit jedem Tage höher anschwellen und uns immer weiter von einander entfernen sollte- „ „ , , „ ....
Eines Tages fand ich sie in Thränen und der Anblick erfüllte mich mit Schrecken, denn ich konnte mich kaum erinnern, sie jemals weinen gesehen zu haben. Sie hatte nie eine wirkliche Sorge kennen gelernt und war stets der verwöhnte Liebling von uns Allen gewesen- Was mochte ihr jetzt Thränen entlocken? , .
Vergebens bat und drang ich in sie, mir ihr Vertrauen zu schenken und den Grund ihres Kummers mitzutheilen; ich erhielt nur eine ausweichende Antwort.
„Es ist nichts," sagte sie, sich hastig Augen und Wangen trocknend, „ich habe nur Kopfschmerzen und fühle mich etwa« gedrückt. Sage Fanny nichts davon."
; Darauf gab sie mir einen Kuß und ich versprach, nichts ^Jn dieselbe Zeit ungefähr fielen zwei wichtige Ereignisse unseres etwas einförmigen Lebens. Gertraud und ich erhielten, an ein und demselben Tag einen Heirathsantrag.
Es war bei einer Landparthie, welche die Junggesellen | der ganzen Nachbarschaft veranstaltet hatten und bei der wir, mit zwei Ausnahmen, die einzigen unverheiratheten Damen waren. Magdalene Ausbach hatte, wie man uns sagte, me “SÄ »V *-*“ * Herren zu einem andern sagen, „vielleicht ist es bet rhr rm Oberstübchen" — dabei deutete er aus seine Strrn — „nicht ganz J^j3mCine auch," entgegnete der Andere.
„Ist angenehm für Ausbach." . ..
O, sie ist nicht gefährlich, nur aufgeregt und burschikos und bedarf einiger Aufsicht, deshalb läßt er sie nicht in Ge-
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’ Sie sah mich einen Augenblick erschrocken an
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* Doch mein Blut war in Wallung und ich entschlossen, die Gelegenheit zu ergreifen, um meinem Zorn Luft zu
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Als ich eben diefe Worts niedergefchrieben Hatte, trat ? Magdalene in's Zimmer und schloß die Thür hinter sich- Sie ! warf sich in den Lehnstuhl am Kamin und fing an zu pfeisem __ pfeifen gehört zu Magdalenens besonderen Talenten- Ich glaube, sie hat sich eben zu Bett legen wollen, als rhr der Gedanke kam, mir einen so ungewöhnlichen Besuch abzustatten- Jedenfalls hat sie das Chignon abgenommen, so daß ihr das kurze, lockige Haar lose um den Nacken fiel und in der einen Hand hielt sie die dicke, falsche Flechte, welche sie immer trägt.
Sie hörte auf zu pfeifen und fah mich scharf an.
„Arthur," begann sie darauf, „ich möchte Ohrringe tragen. Gertraud Leonhards goldene Muscheln gefallen mir I über alle Maßen. Denkst Du nicht, daß mir solche gut stehen würden?" i
„Nein," antwortete ich kurz. ,
"®ei nicht so brummig, Arthur. Gib mir eine Funf- Pfund-Note, damit ich mir ein Paar kaufen kann, wenn ich das nächste Mal in die Stadt komme, — bist auch ein guter Herl." , I
„Ich will nicht," gab ich so kurz und barsch wie möglich zurück^je einen verlangenden Blick nach meiner mit; Juchtenleder bezogenen Cassette, welche offen vor mir auf dem ; Tische stand, und lachte dann laut auf: „Ich sehe nicht ein, । warum ich keine Ohrringe tragen soll, wenn ich Lust dazu habe." „ ,
„Meinetwegen trage sie," entgegnete ich, „aber verlange nicht von mir, daß ich sie Dir kaufe."
Sie weiß recht gut, da ich den Geldbeutel habe, daß ich der Herr bin und sie gehorchen muß.
„Was für ein Geizhals Du bist, Arthur!" sagte sie höflich. „Wenn Dich indessen Christa um ein Paar Öljttht9e gebeten hätte, dann würde sie jedenfalls eine andere Antwort erhalten haben. Ich hasse das Mädchen von ganzem Herzen.
„Du sagst ihr damit ein sehr großes Kompliment, er- widerte ich, nur mit Mühe meine Ruhe noch bewahrend.
„Du bist heute mit ihr geritten. Du bist ein großer Verehrer von ihr, nicht wahr?" fuhr st- boshaft fort; und als ich aufsah, begegnete ich einem so abscheulichen, malitiösen 'Blick, daß ich wußte, ein Streit war hier unausbleiblich.
„Ob ich es bin oder nicht, kann für Dich nicht von der geringsten Bedeutung fein," erwiderte ich. «Doch nun Du das Gespräch einmal darauf gebracht hast, will ich Dir auch sagen, daß Du Deine Intimität mit Gertraud Leonhard etwa» zu weit treibst. Du bist keine paffende Gesellschaft für sie, das weißt Du."
„Warum nicht?" fragte sie gelassen.
„Soll ich Dich hier in diesem Holzgebäude, wo alle Wände Ohren haben, an unser fluchwürdiges Familiengeheim- niß erinnern?" gab ich auffahrend zurüch
Ich hatte meine Stimme nicht im Geringsten gedämpft, ich wollte ihr zeigen, daß sie völlig in meiner Macht war, mochte ich durch den Seidenfaden eines Verfprechens gefesselt
sellschast^gehm^i ßef(Qgen§löertber ist, da die Damen hier so spärlich vertreten sind," fügte der erste Sprecher hinzu. „Selbst eine Verrückte wäre mir lieber, als gar keine.
Gertraud stand neben mir und hatte das kurze Gespräch auch mit angehört. Ob sie an Magdalenens geistiger Gesundheit zweifelte oder nicht, aber ich bemerkte, daß ihr da» Blut einen Augenblick heiß zu Kopfe stieg und die Hand, welche sie auf meinen Arm legte, heftig zitterte.
Gertrauds sowohl als auch mein Verehrer waren Landeigner, deren Besitzung nur wenige Stunden von unserem Hause entfernt lag. Beide stammten von guter Familie und eriwroaen an. waren fein gebildete Männer. Der meine war der hübschere,
stch^blickend. „Die Wände | der ihre der klügere und Beide hatten das Unglück, sich einen Ä0Vt) Freittch "war die Art, in der wir dieselben austheilte», eine verschiedene. Ich wie» den Antrag rundweg ab, während Gertraud einer weiteren Hoffnung Raum ließ.
Ich hatte schon feit längerer Zeit gewußt, daß Max Lindau sich für mich interefflrte, aber mein deutliches Benehmen ihm gegenüber hatte ihn nicht zu überzeugen vermocht, daß diese» Interesse nicht auf Gegenseitigkeit beruht, er wollte ein festes entschiedenes „Nein" hören.
Gertraud aber erröthete und zögerte, indem sie Hugo Bergen abwies, und sprach nicht so entschieden, wie sie hätte thun sollen. Obgleich er daher seine Zurückweisung vor der Hand als solche hinnahm, so glaubte er sich doch berechtigt, seinen Antrag In einiger Zeit erneuern zu dürfen- Nach dem, was ich später durch die Rächstbetheiligten selbst erfuhr, kann


