Ausgabe 
19.1.1895
 
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Gemeinnütziges. Literarisches

Et« sehr einfaches Milte», um sich vor Winter- rslte zu schützen, besteht nach den neuesten Erfahrungen darin, tief zu athmen. Dr. Sangree, ein englicher Arzt von Bedeutung, spricht dafür, nachdem derselbe den Versuch an sich selbst zu verschiedentlichen Malen und stets mit dem gleichen guten und raschem Erfolge durchgemacht hat. Selbst bei strengster Wtnterkälte, als sein Körper halb erstarrt war, bewährte sich das Athmen aus voller Brust vollständig; schon nach wenigen Zügen bemächtigte sich seiner ei« angenehmes Gefühl der Wärme in allen Gliedern und nach längerer Fortsetzung dieses Versahrens hatte jener Arzt die Empfindung, vor einem gut brennenden Kaminfeuer zu fitzen, anstatt sim eisigen Sturme auf der Landstraße zu wandeln. Jeder pro» Lire es daher zu seinem Nutzen.

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Zur Ueberwinterung der Fuchste. Die Fuchsie ist ein holzartiges Gewächs und kommt am besten durch den Winter, wenn sie diesen im Ruhestände verbringen kann. In warmen Räumen wird dieser Zustand nicht erreicht, sie treibt hier unaufhörlich weiter, doch nur schwächliche Triebe und Blätter und kann so fürs nächste Jahr unmöglich einen schönen Blüthenflor bringen. Damit sie im Winter nicht weiter treibe, sind trockene und kühle, doch frostsichere Räume nöthig; für ältere, verholzte Pflanzen ist ein trockener Keller ganz gut geeignet, für jüngere, noch krautartige ist ein un- geheiztes Zimmer wiederum besser. Zur strengen Winters­zeit, wo ein Eindringen des Frostes in das Zimmer zu ge­wärtigen ist, sind sie auf einige Zeit im Keller oder einem sonstigen geschütztem Raume unterzubringen. Ein anderer wichtiger Factor, die Fuchste am vorzeitigen Austreiben zu behindern, besteht noch in dem Trockenhalten der Erde. Man kann diese bis zu einem hohen Grade trocken werden lassen und braucht nur btjber äußersten Roth zu gießen.

Apfelsinen- und Citronenschale läßt sich Monate lang aufbewahren, wenn man sie dünn ab­geschält, in eine Flasche mit Weingeist thut, die man wohl verschließt. Man kann die Schalen auch fein hacken, mit Zucker vermischen und zugekorkt verwahren. Ganze Cttronen kauft man am besten im April, wo sie am billigsten sind, in größerer Menge. Man legt sie zwischen reinen, trockenen Gand oder reine Sägespäne.

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Um gelb geworde«es*Rohrgeflecht wieder blendend weiß zu bringen, wasche man dasselbe vorerst tüchtig mit Seifenwaffer, dem man etwas Spiritus zusetzt, ab, bestreut «s alsdann, so lange es noch feucht ist, mit Schwefelpuloer, welches man auf dem Geflecht so lange läßt, bis es trocken geworden ist. Dann bürstet man den Schwefel mit einer starken Bürste völlig ab.

Rostflecke auf polierte« Stahlwaaren zu e«t- feruen. Um dies zu erreichen, werden die rostigen Stellen einige Tage mit Baumöl erweicht, dann mit Schmirgel oder Tripel, unter Zuziehung von Del, mittelst eines harten Holzes abgerieben; dann das Del und alle Unreinlichkeiten abgewischt, die Flecken noch einmal mit Schmirgel und Wein­essig gerieben, zuletzt mit feinem Blutstein und einem Leder überpoltert.

Paprika-Schnitzel. In 40 Gramm heißem Fett röstet man eine kleine geschnittene Zwiebel und brät darin di« Schnitzel auf beiden Seiten 6 bis 8 Minuten. Dann seiht man das Fett ab, fügt je drei Eßlöffel Rahm und Wasser, eine Messerspitze Paprika sowie 5 Gramm Liebigs Fleischertract bei und läßt das Ganze auskochen. Beim An­richten gießt man die Sauce über die Schnitzel.

Der AusdruckSchwein haben" für vom Glück begünstigt fein, erklärt die kürzlich erschienene Neujahrsnummer der »Modarütt» ÄmtH" (Verlag von Rich. Bong, Berlin, ä Heft 60 P,g.) in Wort und Bild. Im Mittelaller bezeichnete man die vier AS des Kaiten- sptels alS ebenso» tele Säue, und wenn nun in dem kürzlich erschienenen Heft A. Schwarz dieModerne Glücksgöttin" als ein schönes Weib darstellt, das eine Anzahl munterer Schweinchen am Leitfeil fühlt, so knüpft er damit an eine alte in ihrem Ursprünge nicht mehr ver­standene Redensart an. Die vortragSoolle Neujahrsstimmung findet auch sonst in dec uns vorliegenden Nummer eigenartigen Ausdruck- Hans Bohrdt schildert auf Grund eigener Erfahrungen in Wort und Bild die Begehung der Jahreswende in unserer Marine, und General von Dincklage unter seinem Schriftstellernamen Hans Nagel von Brawe das Neujahrsdiner der Generale bei Dressel in Berlin.

Unsere deutschen Familienblätter überbieten sich gegenseitig an Reichhaltigkeit und Vielseitigkeit. So tritt z. B. das Daheim, welches mit der am 1. Jan. erschienenen Nr. 14 ein neues Quartal beginnt, außer mit seinem Hauptblatt mit nicht weniger als fünf Beiblättern vor seine Leser:Aus der Zeit für die Zeit", Frauendaheim",Hausgarten",Hausmusik" undKinderdaheim". Eine Neuerung sind die Preisausschreiben in einzelnen dieser, wesentlich den practischen Bebmsnissen des Hauses gewidmeten Bei­lagen. Zu dem reichen bildlichen Schmuck der Nummer steuerten Meister wie Defregger, Kröner, Simm und Maison bei; allgemein interessiren dürfte die Photographie des jüngsten erfolgreichen Durchquerers Afrikas, des Grafen Götzen, welche den Reisenden auf einem im Herzen des schwarzen Erdtheils erlegten Rhinoceros darstellt. ________________

Hauptmann Rochus Schmidt, der langjährige Freund und Mitkämpfer Major v. Wißmanns, wird, wie wir vernehmen, demnächst im Verlage des Vereins der Bücherfreunde zu Berlin ein zwei Bände umfassendes Werk erscheinen lassen, das die Gestaltung, Entwickelung und Ausnutzung von Deutschlands Colonien be­handelt. Der erste B»nd, welcher Amang nächsten Jahres erscheint, soll die deutschen Besitzungen in Ostafrika umfassen, der zweite, zu Ostern 1895 erscheinende Band die westafrikanischen Colonien und Besitzungen in der Südsee. Beide Bände werden reich illustrirt; der erste Band enthält ca. 150 Originalphotographien nebst Zeich­nungen von Hellgrewe. Für die Darstellung der ostasrikanischen Verhältnisse stehen dem Verfasser bekanntlich reiche eigene Erfahrungen zur Seite; im Uebrigen stützen sich seine Ausführungen auf die sorgfältigste Benutzung der vorhandenen Literatur. Er hat dabei in erster Linie den Zweck im Auge, in populärer Form eine er­schöpfende Aufklärung über Deutschlands Colonien zu geben. Seine Geschichte des ostafrikanischen Aufstandes", die seiner Zeit mit vielem Beifall ausgenommen wurde, bietet die Gewähr dafür, daß er etwas Vorzügliches liefern wird.

Amerikanische Schneepflüge. In Amerika geht Alle» ins Groß-. Auw der Artikel, Den Oie vortreffliche Familienzeitschrift »Für Alle Wett"' (Berlin W., Deutsches Verlagshaus BongLCo., P.ets des Bierzetzntagshefkes 40 Pf.) über amerikanische Schneepflüge bringt, ist ein Beweis dafür. Bei unS ist ein Schneefall von solcher Massenhaftigkeit wie in Amerika unbekannt; aber dem Unwetter selbst entsprechen auch die Vorkehrungen, die zur Fernhaltung etwaiger Verkehrsstörungen getroffen werden, und besonders ist es die von Leslie in Canada construirte mächtige Schneeschaufelmaschine, welche unser Staunen erregt. An der Spitze dieses von Dampf getriebenen Fahrzeugs sind scharfe Messer angebracht, die den Schnee schneiden, ein Schaufelrad faßt die losgelösten Massen und wirft sie in weiten Bogen 30 bis 100 Meter seitwärts fort. Außerdem ist bei der Maschine dicht über den Schienen ein Eisbrecher ange­bracht, der den Bahnkörper von den untersten, etwa sestgefrorenen Massen freilegt. Eine solche Schneeschausel-Maschine, die, um ihr mehr Wucht zu verleihen, von hinten noch durch Locomotiven ge­trieben wird, vermag im steinharten Schnee von 1,5 Meter Höhe in der Stunde etwa 1 Kilometer vorwärts zu kommen, während sie bei gewöhnlichem weichem Schnee von 3 bis 3,5 Meter Höhe in der Stunde ein Bahngeleise auf der Strecke von 3 bis 5 Kilometer frei machen kann. Der Leslie'sche Schneeschaufler ist zweifelsohne der vollendeste Schneeflug, den wir bis jetzt kennen. Das Bild in Für Alle Welt" zeigt den Koloß in voller Thätigkeit. Furchtbar find die Schneewehen, die sich in dem Engpaß angehäuft haben, und drei Locomotiven trieben den Schaufler vorwärts. Da keucht es dröhnend in der finsteren Gebirgsschlucht, hoch fliegen die Schnee­garben empor, und wie gewaltig^ruch die Naturereignisse sein wögen, der feste menschliche Wille weicht nicht, siegreich bricht er fich freie Bahn- Das Heft mit dem Schneepflugs ist das neueste (13.) der Zeitschrift. Romane, Artikel, Farben- und Schwarzbilder man weiß nicht, was mehr Anerkennung verdient. Wir können nur immer wieder empfehlend auf diese Zeitschrift Hinweisen.

Nedaction: A. Tcheyda. Druck und Beklag d»r Brühl'schm Druckern (Fr. Lht. Pietsch) in Gießen.