Ausgabe 
18.7.1895
 
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die

er*

Hafter Familie, aber ohne Vermögen, begegnet, das von Angers gekommen war, um ins Kloster zu treten.

Fräulein Herminie von Beaurepaire hatte ihr Gelübde nicht sofort abgelegt, denn sie fühlte stch zum Klosterleben nur mittelmäßig hingezogen. Sie hatte sich in das Opfer ergeben, um ihren Bruder in Stand zu sitzen, feinen Rang in der Welt beizubehalten und sich eine Compagnie zu kaufen.

Dem Baron von Lowendaal war es nicht schwer ge­worden, Herminie dem Kloster abwendig zu machen-

Nach Paris zurückgekehrt, wohin ihn die Sorge um sein großes Vermögen rief, hatte er dort die arme Herminie bald vollständig vergessen, und von Liebe zu Blanche er­griffen, empfand er nur noch Gleichgültigkeit für die junge Frau, welche ihn in dem traurigen Hause einer alten, sehr reichen und sehr sparsamen Tante in abwechselnder Angst und Hoffnung erwartete-

In dem Augenblick, als die Postchsise das Thor von Frankreich auf dem Wege von Chalos durchfuhr, fragte sich der Baron perplex, welche Erklärung er Derjenigen geben sollte, die sich noch immer als seine Frau betrachtete. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als kurzen Prozeß zu machen und Herminie zu bedeuten, daß sie nicht mehr auf ihn

rechnen dürfe.

Die Stadt befand sich in großer Aufregung, denn seltsamsten und widersprechendsten Nachrichten cirkulirte«.

Er begab stch sofort zum Bürgermeister, dem er fern

Ansuchen vortrug. m t

Dieser antwortete, daß die Finanzen von Verdun schöpft seien und von irgend einer Wiedererstattung keine

sRebactiott: A.^Schcyda. Druck und Verlag der Brühl'ichen Universitats-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch & Mftjbn) 111 ®ießen'

»Vor allem unsere Pläne . . -"

Er kennt sie nicht."

Das garantirt uns seine Treue. Geheimnisse, die man nicht kennt, werden am besten bewahrt-"

Und worüber soll er sich geschwätzig zeigen?"

Ueber die Nachrichten aus Paris die Stadt in den Händen der Briganten, die königliche Autorität trotzdem stark, wegen des Herannahens der Armee des Kaisers von Oesterreich und der Truppen des Königs von Preußen bereit, die Macht wieder an sich zu nehmen, und im Begriffe, die Rebellen zu bestrafen." , 1£ ,,£

Ist das Alles? Leonard liebte die Sansculotten nicht, er wird sich dieser Mission sehr gut entledigen."

Ihr Leonard kann hinzufügen, daß er aus sicherer Quelle weiß, daß 80000 Engländer soeben in Brest gelandet sind und auf Paris marschiren."

Und der Zweck dieser Alarmnachrichten?"

Soll die Entscheidungen rechtfertigen, die diese Nacht getroffen werden sollen-"

Wo?"

Hier. Die bedeutendsten Bürger der Stadt werden stch versammeln, um die Bedingung der Antwort, die man dem Herzog von Braunschweig geben muß, zu verein­baren. Sie sind doch einer der unsrigen?" fragte der Bürger­meister. , ,,£ , ,

Sie haben mein Versprechen aber nicht wahr, auch ich das Ihrige wegen der Wiedererstattung meiner Caution?"

Unter Ehrenmännern, Herr Baron, gilt nur ein Wort," agte der Bürgermeister, indem er die Hand des General­pächters drückte, ,

Die beiden Complicen trennten sich, der eine, um Leonard zu beauftragen, die Alarmnachrichten unter das Volk zu tragen, der andere um für den sich vorbereitenden Verrath neue geheime Anhänger zd rekrutiren.

Auf der Etappe.

"Auf der Straße nach Verdun marfchirlen die Freiwilligen von Mayenne-et-Lpire, begleitet, von einemMMementdes 13. leichtm KfantetiL-MgünKts, beb dem>WaMs Lefebvre als Lieutenant, doch mit den Funktionen eines Kapitäns diente, lustig und singend dahin.

Begeisterung glänzte in ihren Augen, und der Wunsch zu siegen belebte die Herzen.

Beim Durchschreiten der Dörfer, wo die Frauen, aus den Thürschwellen stehend, ihre Kinder wie bei einer Pro­zession in die Höhe hoben, sandten die Freiwilligen Kußhände. Den Männern versprachen sie zu siegen oder zu sterben, sie marschirten vertrauensvoll und kühn bei dem scharfen Ton der Querpfeifen, bei dem martialischen Rhytmus der Trommeln dahin- Die dreifarbigen Fahnen flatterten freudig im Winde.

Alle hatten beim Verlassen ihres Heimathlandes ihren ganzen Besitz ihren Eltern geschenkt, indem sie erklärten, daß man sie bereits als tobt betrachten möge.

Und diese Helden gingen mit Liedern auf den Lrpp« jenem Tode fürs Vaterland entgegen, der für sie, wie mR später sagte, das schönste, das beneidenswertheste Schicht war. (Fortsetzung folgt )

G-in-innützig-s.

Fletsch-Pastete mit Gelee. Uebrig gebliebenes ge­bratenes Kalbfleisch oder Geflügel hackt man nebst einer ge- bratenen Kalbr milch und etwas frischem Speck recht fein uno würzt diese Masse mit einer in Butter geschmorten und dann klein gehackten Zwiebel, etwas Pfeffer und Thymian, einige Capern und gehackten Sardellen- Dann rührt man eine riet» Taffe kräftige Auflösung von Liebigs Fleischextract darunter, drückt die Masse in eine Form, bedeckt die letztere mit dem Dckel und läßt sie eine Stunde in kochendem Wasser tm Bratofen. Sobald die Masse erkaltet ist, stürzt man sie au, eine Schüssel und garnirt sie mit gehacktem Gelee-______

Rede sein könne.

Trotzdem," hatte der Bürgermeister, indem er eine geheimnißvolle Miene annahm, hinzugesügt,trotzdem Herr Baron, ist noch Aussicht vorhanden, daß Sie Jhr Geld zu« rückbekommen." .°-' ' ' -

Was für eine? Reden Siel" sagte Lowendagl lebhaft.

Wenn wir kein Geld haben, so, hat doch der Kaiser von Oesterreich welches,^suhAderMrgerWiPr fort.Wenn nur der Friedeü austechteIMen und die 'Schrecken einer Belagerung dieser unglücklichen. StG erspart werden, so stehe ich sür Ihre EMW'M, Here Baron."

Der Generalpächter zögerte einen Moment,' ehe. er antwortete. - / , ,, .

Ein Kosmopolit, wie alle Finanzleute, lag ihm wenig daran, ob fein Geld vom König von Frankreich oder vom Kaiser von Oesterreich kam. Patriotische Skrupel ließen ihn daher nicht zögern. Er empfand gar keine Empörung, als er diesen Beamten von der Uebergabe der Statt an die Feinde reden hörte. ,

Der Baron fragte sich bloß, ob der Bürgermeister auch genügend informirt sei, ob er sicher war, daß Soldaten des Königs von Preußen und des Ka sers von Oesterreich, wenn sie einmal Herren von Verdun waren, die Stadt behalten gegen einen Angriff der Freiwilligen, die bereits unterwegs sein sollten, beschützen könnten, berechnete einzig und allein die Aussichten, welche der ihm vorgeschlagene Handel ihm bieten konnte. Er erkundigte sich über die Verstärkungen, die von Paris nach Verdun abgesandt sein sollten.

Sie werden zu spät kommen," saetr der Bürgemeister. Dann bin ich Ihr Mann," sagte der Baron.

Schön. Sind Sie rasch von Paris gekommen? Haben Sie mit Niemandem gesprochen?"

Ist in Ihrem Gefolge vielleicht eine zugleich bUcrete und geschwätzige Persönlichkeit?"

Discret? Das heißt wohl, im Stande, ein Geheimniß zu bewahren?"

Und geschwätzig, das heißt im Stande, ein paar an- scheinend unbedachte Worte hinzuwerfen."

Jawohl, Leonard, mein Kammerdiener. Was soll er thun?" _____