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Nr. 84
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XLIX.
Frau Digby hatte stch in ihr Zimmer eingeschloffen und war In ein für sie jedenfalls sehr intereffantes Studium vor» tieft Eine Zeitung lag vor ihr und eine Anzeige in derselben hatte Ihre Ausmerksamkelt in nicht geringem Grade gefeffelt.
Zu Anfang der Anzeige war eine außergewöhnlich hohe Summe als Belohnung ausgesetzt. Die Belohnung war für die Auskunft über ein Mädchen geboten, dessen Beschreibung ganz genau auf Cora paßte. Es wurde ihr nicht direct eine Schuld zur Last gelegt, doch dem Wortlaut und der hohen Belohnung nach schien es doch, als ob die Flüchtige von nicht geringer Wichtigkeit fei. Ja noch mehr ... das Hauptziel Dessen, von dem die Bekanntmachung ausging, schien entweder, die Miffethäterln zu bestrafen oder einem Verbrechen auf den Grund zu kommen.
Die betreffende junge Person war plötzlich auf gehelmniß» volle Welse verschwunden und zwar mit Jemandem, deffen Anfangsbuchstaben allein genannt waren, der aber offenbar dem männlichen Geschlecht angehörte.
Mr Irgend welche Auskunft über sie geben könnte, sollte eine hohe Belohnung erhalten, während sür ihre Entdeckung nicht weniger als vierhundert Pfund zugesichert wurden.
„Wenn ich nur auf diese Welse die ganze Sorge los werden könnte!" dachte Frau Digby. „Ich will ja nicht un» dankbar sein, aber es ist doch zu klar, daß stch das Mädchen irgend einer ungerechten Handlung schuldig gemacht hat; sie hat sich Denen durch die Flucht entzogen, welche die Pflicht haben, über sie zu wachen. In beiden Fällen ist es nicht Grausamkeit, sondern einfach meine Pflicht, sie auszugeben. Doch ist es vielleicht bester, sie ihrer Wege gehen zu kaffen unter der Bedingung, uns nicht mehr mit Ihrer Gegenwart zu belästigen."
Und sie zog die Klingel, als sie endlich ihren Entschluß gefaßt hatte.
„Ich wünsche Miß Cora zu sprechen," befahl sie der eintretenden Dienerin.
Die Tochter des Meeres Stenum wn K. »!«•(«.
Frau Digby schritt unruhig im Zimmer auf und ab. BelmNahen leichter Fußtritte schrack sie heftig zusammen.
Im nächsten Augenblick meldete ein leises Klopfen an der Thür Coras Ankunft-
„Sie wünschen mich zu sprechen, Frau Digby?" sprach sie, ruhig eintretend.
„Ja, Cora," entgegnete Frau Digby in strengem Ton und zwar mit schwerem Herzen. „Aber setzen Sie sich, ich will versuchen, Ihre Gefühle so viel wie möglich zu schonen um des Dienstes willen, den Sie meiner Tochter einst geleistet haben."
Coras Wangen glühten und ihre Augen blitzten in fieberhafter Erregung während der Zelt, die zwischen der nun folgenden Erklärung verstrich.
Frau Digby hustete verlegen und nahm dann als letzte Hilfsquelle die Zeitung zur Hand, die vor ihr lag.
„Miß Cora," sprach sie ernst, „ich weiß nicht, ob ich wagen darf, mich wegen eines offenen, wahrheitsgetreuen Wortes auf Sie zu verlaffen, nachdem stch mir infolge zu überzeugender Umstände ein schmerzlicher Verdacht aufgedrängt hat. Doch wenn Sie einer gewiffen Aufrichtigkeit fähig sind, möchte ich eine Frage an Sie richten, bevor ich Sie auf eine härtere Probe stelle. Haben Sie irgend einen Grund, ein öffentliches Verhör zu fürchten oder sich zu schämen, irgend einen Menschen mit Ihrem Aufenthalt bekannt zu machen?"
Cora antwortete ruhig: „Meine Vergangenheit ist eine seltsame, traurige Zeit gewesen, aber ich kann wenigstens sagen, daß ich mich nie irgend einer Thal schuldig gemacht habe, wegen welcher ich Verachtung oder Strafe verdiente."
„Sind Sie deffen gewiß?" fragte Frau Digby ernst.
„Vollständig," antwortete Cora, indem sie dem strengen, durchdringenden Blick der Lady festen Blickes begegnete.
„Bitte, lesen Sie das!"
Mit diesen Worten hielt Frau Digby Cora die Bekanntmachung, die ihr Interesse in so hohem Maße erregt hatte, hin, ohne die Zeitung aus der Hand zu geben.
Coras Augen blitzten schmerzlich auf.
„Erkennen Sie die Beschreibung?" fragte die Lady.
„Sie ist ein wenig geschmeichelt, doch scheint sie auf mich zu paffen," erwiderte Cora lächelnd.
„Das unterliegt keinem Zweifel und es bleibt Ihnen nur


