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durch ihre lange Abwesenheit, als unter der Enttäuschung, die er bei ihrer Rückkehr empfinden würde.

Jedenfalls mußte ihr Anblick ihn beruhigen.

Rasch trocknete ste ihre Thränen und eilte vorwärts.

Da vernahm sie plötzlich eine Stimme, die ihr zurief: Junge Dame! Können Sie mir den Weg zeigen? Ich habe mich in der Einsamkeit hier verirrt."

Cora blieb stehen und es näherte sich ihr ein junger Mann in einem Touristenanzug.

Er mochte ungefähr dreißig Jahre alt sein, und ohne hübsch zu sein, lag doch eine gewiffe Eleganz in seinem ganzen Wesen.

Ich habe den Weg verloren," sagte er.Allerdings ist es meine eigene Schuld .... ich setzte mir in den Kopf, diese romantische Gegend allein zu durchwandern und schickte meinen Diener mit der Post voraus. Können Sie mir den nächsten Weg nach Schloß Biddulph angeben?"

Rur mit Mühe unterdrückte Cora einen leisen Schrei. E» war ein gefährliche» Zusammentreffen mit einem Manne, der mit diesem Hause bekannt war, der wahrscheinlich, am Ziele angelangt, die Begegnung erwähnen würde und einen Augenblick lang überlegte sie, ob sie nicht schleunigst flüchten solle.

Der Herr bemerkte jedenfalls eine Veränderung auf ihrem Gesicht, denn in etwas gezwungenem Tone fuhr er fort:Ich fürchte, daß ich Sie durch mein plötzliches Erscheinen erschreckt habe. . ."

»Ich bin nur sehr erschöpft," erwiderte sie mit gezwunge­nem Lächeln.

Da wandte sie sich der Richtung zu, die er einschlagen mußte und begann, ihm seinen Weg zu erklären, aber er unterbrach sie, indem er eine Flasche und ein Brödchen aus der Tasche zog und ihr Beides mit einer Verbeugung reichte.

Bitte, erfrischen Sie sich hiermit," sagte er,bevor Sie sich weiter meinetwegen bemühen."

Cora sah sehnsüchtig auf die ihr dargebotene Erfrischung, ohne ste zu nehmen.

Wenn ich es thun könnte," sagte sie leise.

Wenn Sie es thun könnten?" fragte der Fremde und schaute sie mit schlechtverhehlter Bewunderung an.Zögern Sie nicht, fuhr er fort-Ich wäre nur froh, irgend etwas dafür thun zu können, daß ich Sie bitte, mir den Weg zu zeigen. Bitte, reden Sie . . . es würde mir nur Freude ge­währen, wenn ich Ihnen irgendwie gefällig fein könnte."

Aber es wird Ihnen so seltsam, so verdächtig vorkommen -min, H kann es nicht erklären!" sagte sie und die Röthe, maVSÄ; Gesicht ergoß, gab ihren schönen Zügen einen noch lebhafteren Ausdruck.Wie dankbar, wie froh wäre ich, wenn Sie..."

sie «ach der Flasche, während die Worte nicht über ihre Lippen wollten.

rn e,e Ihnen so schwer würde, eine

^k^ine Gefälligkeit anzunehmen?" bemerkte er lächelnd.

2?E«S E diese Flasche und diese Schachtel mit den Bröd- chen? Darf ich bitten, sie von mir anzunehmen?"

sm armen Cora Wangen färbten sich mit einem tieferen denken?^ mu^te der Fremde von ihrem seltsamen Betragen

nein!" stammelte sie.Ich kann mich Ihnen nicht

*; ' da« heißt . . . ich meine, wenn Sie Sachen anvertrauen und mir sagen wollten, wo ich

8 § fienWäre ^nen dankbarer, als Lachend reichte 'der Herr ihr Beides.

rtf. 2'Wenn Sie mir die Ehre erweisen wollen, die Sachen a^.^rinnerung an dieses seltsame Zusammentreffen zu be«

Wen, nicht so rasch aus Ihrem Gedächtniß zu verschwinden, als es wohl sonst der Fall «,.^a .zögerte noch immer, aber der Gedanke an Lord hebend Se betl Utlb Geschr genügte, um ihre Bedenken zu

Darauf gab sie ihm nach wenigen eiligen Dankesworten eine genaue Beschreibung seines Weges und wollte gehen.

Der Fremde reichte ihr mit freundlichem Lächeln die Hand und sagte:So lassen Sie uns wenigstens, bevor wir scheiden, Glück für unser nächster Zusammentreffen wünschen."

Cora konnte die so gebotene Hand nicht zurückweisen.

Der Fremde hielt sie einen Augenblick, als ob er mehr sagen wollte; da entzog sie ihm dieselbe hastig und lief davon.

Er blieb einige Minuten stehen und blickte ihr nach; dann murmelte er:Ich bin begierig, zu erfahren, ob Lady Marian nur. halb so hübsch ist," und schlug den ihm bezeichn neten Weg ein. (Fortsetzung folgt.)

Madame Sans Gtzne.

Roman nach. Victorten Sardou und F. Morrean- Deutsch von Adele Berger.

(Fortsetzung.)

IX.

Der Schwur unter den Pappeln.

Der Graf von Surgöres, dessen in der Nähe von Laval gelegenes Schloß feine geborstenen Thürme im Main badete, hatte sich beim ersten Grollen der Revolution beeilt, das gastliche Ufer des Rheins zu gewinnen.

Er hatte sich zuerst in Trier, dann in Coblenz nieder- gelassen, entschlossen, den Umsturz als ruhiger Zuschauer zu beobachten; nominell wohl in der Armee der Fürsten Dienste nehmend, aber obwohl kaum über die Fünfzig, sein Alter und seine vorzeitige Gebrechlichkeit vorschützend, dachte er vor Allem daran, gut zu leben und in Ruhe unter dem Schutze der kaiserlichen und königlichen Armeen in den stillen, kleinen Städten am Rhein die Ereignisse abzu­warten.

Die Eile, in der er seine Güter verlassen hatte, rührte nicht bloß von der Angst vor den Sansculotten ober der Liebe zu seinem Fürsten her.

Rach wenigen Jahren kinderloser Ehe Wittwer geworden, hatte der Graf schon seit ziemlich langer Zett eine geheime Liaison mit der Frau eines benachbarten Edelmannes, eine» feurigen Royalisten, der feit der Nacht vom 4. August nur davon sprach, zu den Waffen zu greifen, die Sturmglocke zu läuten und seine Bauern zur Vertheidigung der Religion und der Lilien aufzurufen.

Infolge der Intimität mit dem Nachbar hätte Graf Surgore» nicht umhin können, sich demselben anzuschlteßen. Aber er besaß nur sehr friedliche, ritterliche Gelüste, und sich auf die den Damen gebührenden Huldigungen beschränkend, überließ er die Ehre de» Kampfes den Liebhabern brutalerer Heldenthaten.

Außerdem begann ihm seine Liebessclaverei furchtbar lästig zu werden. Die Dame seiner Gedanken war nicht nur von den Jahren begnadet geworden; sie, die einst so zart, so elegant, so duftig, so poetisch-sylphidenhaft gewesen, war jetzt eine ttbuste und massive Vierzigerin, von mächtigem Umfang. Der Graf aber war ein Mann von Geist und noch immer ein Freund des Vergnügens, der Vorwürfe, Thränen, Eifer- sucht und Drohungen haßte. Sein unabhängiger, etwas philosophischer Character er hatte in seiner Jugend' in Paris mit den Encyklopädisten verkehrt fügte sich schlecht unter em Joch. Die Kette eine» sündigen Verhältnisse» dünkte ihm am allerunerträglichsten.

Wenn er die ermüdende Stellung eines erklärten An- reters der Marquise von Lonvigns so lange geduldig er- tragen und behalten hatte, so geschah dies, weil er zu wenig Geld besaß, um bei Hofe leben zu können, und weil die Marquise in den Schlössern der Umgebung die einzige Dame war, der man den Hof machen konnte. Um ihr eine Rivalin zu geben, hätte er seinen Aufenthalt verändern, n irgend einem fernen Schlosse eine liebenswürdige Chate- laine suchen oder sich zum Bürgerthum der Stadt herab-