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^.Es lag in dem Tone, womit er sprach, eine klagende Trauer, die Cora zu Herzen ging; bei alledem empfand sie aber auch eine gewisse Verachtung bei dem Gedanken an solche Ansprüche, die ihm seiner Meinung nach die gewünschte Macht über sie verliehen.

Vielleicht wäre es viel barmherziger gewesen, mich bei dem Schiffbruch oder bei den Wilden sterben zu lassen," sagte sie traurig.Entweder sterben oder mich kein anderes Wün­schen und Streben kennen lernen zu lassen, als die unwissen­den Wilden, meine ersten Beschützer, empfanden. Aber wenn ich Ihnen Dank schulde, will ich Ihnen meine Schuld für die Vergangenheit in vollem Maße abtragen, wenn sich die Ge­legenheit jemals dazu bietet; dann will ich Ihnen zeigen, daß ich nicht undankbar bin. Jetzt muß ich aber gehen ... ge­hört dieses Haus Ihnen?" fragte sie rasch.

Nein ... wie kommen Sie auf diese Idee?"

Wollen Sie alsdann die Eigenthümerin rufen und sie fragen, ob ich die gewünschten Erfrischungen erhalten kann? Dann will ich sofort gehen. Wenn es mir abgeschlagen wird, muß ich anderswo mein Glück versuchen."

Ist es für Sie selbst?" fragte er neugierig.

Gewiß I" antwortete sie.

So bleiben Sie und genießen Sie hier etwas," sagte er- Dazu habe ich nicht Lust," entgegnete sie kurz.

So haben Sie einen Grund für Ihre Weigerung, der nicht schwer zu errathen ist," entgegnete er verächtlich.Und ebenso leicht ist es, den Flüchtling durch ihre Spur zu ent­decken. Fürchten Sie nicht, mir zu trotzen, Cora?"

Ich trotze Ihnen nicht," antwortete sie ruhig,aber ich vertraue mir selbst ... und auch Ihnen, Rupert," fuhr sie in plötzlich verändertem Tone fort.Wenn Sie nicht ein ganz Anderer geworden sind, wenn nicht alles Gefühl für Ehre, Güte und Mitleid in Ihnen erstorben ist, drängen Sie nicht weiter in mich und lassen mich ungestört und unbelästigt meines Weges gehen," bat sie angstvoll.

Gestehen Sie, daß Sie für diesen Verbrecher, für diesen Mörder bei Fremden betteln?" fragte Rupert ernst.

Ich gestehe nichts und Sie müssen wissen, daß ich Recht habe," antwortete das Mädchen bestimmt.So groß mein Wagniß auch fein mag, will ich doch keinen Anderen in Ge­fahr bringen; was Sie nicht wissen, dafür kann man Sie nicht tadeln."

Würde es Sie schmerzen, wenn ich irgendwie beschuldigt würde, Cora?" fragte er in wärmerem Tone.

Das wissen Sie!" erwiderte sie und ein unwillkürlicher Austausch von Blicken aus den Augen Beider hätte die ver­borgenen Geheimnisse ihrer Herzen offenbaren müssen, wenn sich nicht der Schleier des Vorurtheils und der Eifersucht zwischen ihre Ueberzeugung und ihr Urtheil gesenkt hätte.

Dafür muß ich Ihnen wenigstens danken," erwiderte Rupert kalt.Glauben Sie, daß ich ebenso wenig vor einer Gefahr, die Ihnen drohen könnte, zurückschrecke? Lassen Sie sich bereden, dieses übereilte Unternehmen aufzugeben. Sie können, Sie dürfen Ihr Leben nicht einem herzlosen, blut­befleckten Fremden opfern."

Es ist ja bei mir etwas ganz Anderes," versetzte sie. Ich bin Niemanden unentbehrlich, bin Niemanden theuer. Sie haben Ihre Mutter, haben .... Adele und noch viele Andere, die Antheil an Ihrem Schicksal nehmen und haben keinen Grund für eine solche übereilte Handlung."

Cora, so haben Sie einen Grund für Ihre Handlungs- weife! Sie lieben diesen Mann!" rief Rupert heftig aus.

Welch' thörichte Idee," entgegnete sie kalt.Doch was liegt Ihnen daran? Rupert, das Einzige, warum ich Sie bitte, ist, mir meine Freiheit zu lassen. Ich brauche keine Hilfe von Ihnen, nur hindern Sie Andere nicht, mir die kleine Hilfe zukommen zu lassen, die mich vor tiefer Drangsal schützt."

Wollen Sie mir versprechen, dieses unbedachte Unter­nehmen aufzugeben, so will ich meinerseits Ihrem Wunsche willfahren," sagte er.

Rupert, Sie sind herzlos und grausam! Ich kann Sie

mit keinem Worte befriedigen," entgegnete sie leidenschaftlicher. Lassen Sie mich gehen, wenn Sie mir die Hilfe, um die zu bitten ich hierher kam, abschlagen."

So sind wir von nun an Fremde, Cora?" sagte er. Sie sind so schön wie immer," fuhr er bitter fort,aber wie verschieden in Herz und Character von der Cora, die ich einst für mein eigen hielt!"

Und doch wollen Sie um dieser Erinnerung willen meine Bitte nicht erfüllen?" sagte sie weich.Vor keinem anderen menschlichen Wesen würde ich mich so demüthigen. Rupert, lieber würde ich sterben!"

Er vermochte ihrer Bitte kaum zu widerstehen, denn er wußte recht gut, daß solche Worte bei so stolzem Gemüth in Wahrheit die zarteste Schmeichelei waren, die man ihm hätte sagen können.

Sie geben mir aber nichts dagegen," sagte er nachgebend. Sie wollen sogar nicht sagen, daß Sie nicht lieben und daß Sie den Verbrecher nicht heirathen wollen."

Cora machte eine verächtliche Bewegung.

Ich ihn lieben!" sprach sie.Wie käme ich zu einem solchen Gefühle? Und nun gar einem Mann gegenüber, der so hoch über mir steht."

Er lachte spöttisch und sagte:Sie wollen doch damit nicht sagen, daß Sie nicht dazu bereit wären, wenn es mög­lich wäre. Doch Sie haben vielleicht Recht. Ein Edelmann wie dieser Mörder würde wohl kaum an eine aufrichtige Liebe denken. Ich aber fürchte ganz Anderes, wenn Sie in seim Gesellschaft bleiben."

Das kann ich Ihnen nie . . . nie vergeben," sagte sie und Zorn erstickte ihre Stimme.Lassen Sie mich gehen!" fuhr sie gebieterisch fort.Ich bin keine Gefangene! Ich mag eine solche Beleidigung nicht ertragen!"

Nein, nein . . . vergeben Sie mir, Cora!" bat er be­reuend.Es war nur mein Mißtrauen gegen ihn . - . und Sie sind zu unschuldig, Sie kennen nicht die Gefahr, der Sie sich aussetzen .... ich zweifle ja nicht an Ihrer Reinheit, Ihrer Unschuld . . . nein, ich schwöre e», wenn Sie wolle«!"

Aber sie wollte ihn nicht hören, denn sie war zu M verletzt.

Wie ein scheues Reh sprang sie nach der Thür, drehte den Schlüssel im Schloß und hatte das Haus verlassen, ehe Rupert daran dachte, ihr zu folgen. Vergebens strengte er alle Kräfte an, -sie einzuholen. Mit jedem Augenblick wurde die Entfernung zwischen ihnen größer und bei einer scharfen Biegung des Weges verschwand des Mädchens Gestalt voll­ständig und Rupert stand rathlos, als er zu der Stelle kam, wo der Weg sich theilte und er nirgends mehr eine Spur von Cora entdecken konnte.

Cora war verschwunden; weiteres Suchen war nutzlos; höchstens konnte er sich noch zwischen den Bergen verirren.

Und halb erzürnt, halb reuevoll kehrte er nach dem Hause zurück.

Coras Herz schlug heftig, als sie nach dieser eiligen Flucht stehen blieb und Athem schöpfte.

Sie sah nur Hunger und Tod für den unglücklich« flüchtigen Kranken und sich selbst vor sich. Das Alles m die Folge von Rupert Falkners Grausamkeit und mehr die!« Gedanke, als der Kummer über ihre momentane Lage füllt« ihr Auge mit Thränen. Ihr Ideal fiel von der Höhe, au! der es bis jetzt gestanden hatte.

Ruperts Wankelmuth, seine plötzliche Neigung zu Nstta Faro, sein Mißtrauen und seine Hartherz gleit gegen den Flüchtling verminderten sehr ihre blinde Verehrung gegen den Wohlthäter ihrer Kindheit.

Und jetzt erfüllte eine doppelte Sorge ihre Brust .. der Gedanke an ihre Jugendliebe und an den unter ihrer Ob­hut stehenden hilflosen Unglücklichen ... und in dem tiefen Schmerze des Augenblickes ließen ihre Kräfte rasch nach, sie sank in das Gras nieder und weinte.

Sie vermochte nicht ohne die versprochene Erfrischung zu Lord Belfort zurückzukehren und doch litt er vielleicht mehr