1895

»- V-»- V e e V V

iMK

^KsM- rrrrl-

.UntechÄtungsblaU ?um Gießener Anzeiger (General Anzeiger).

Die Tochter des Meeres.

Roman een «. Sieele.

*(8ortfe|**e-)

Aber noch immer kehrte die Frau nicht zurück und Cora beschloß, das Haus ohne Abschied zu verlaffen. Sie ging nach der Thür, dieselbe war verschlossen. Cora lief zu der anderen Thür und klopfte heftig in der Hoffnung, dadurch Jemand aus dem Innern zu ihrer Befreiung herbeizurufen. Jetzt hörte sie deutlich mehrere Stimmen und sie wiederholte deshalb das Klopfen heftiger und wollte eben auch noch rufen, als sich die Thür aufthat und Rupert Falkner vor ihr stand I

Beide fchracken, als sie einander erblickten, heftig zurück, Rupert aber war offenbar weniger überrascht, als Cora, da ihre Gegenwart ihm vielleicht nicht so ganz unerwartet war.

Ich wundere mich nicht, daß Sie sich schämen, mich zu sehen, Cora, sagte er bitter.Gewiß bin ich dazu berechtigt, Ihre Handlungsweise zu beobachten und ich darf wohl sagen, zu tadeln." ö '

Bei apderer Behandlung würde Cora sich wahrscheinlich nachgiebig gezeigt haben. Aber sie war entrüstet über die Art und Weise, mit welcher ihr einstiger Beschützer ihr jetzt begegnete.

Ich weise ein solches Recht zurück," versetzte sie kalt. Meines Wissens haben Sie mich nicht als Ihre Sclavin gekauft."

, »Sie haben sich meinem Schutz entzogen, ihn von sich abgefchuttelt ... ist das nicht Grund genug, Sie zu tadeln und Sie für undankbar zu halten?"

Cora lächelte verächtlich.

Ich verschmähe es, mich zu rechtfertigen," versetzte fle stolz,und überlasse es Ihrer Mutter und Adele, es Ihnen zu erklären, wenn sie wollen. Mir genügt, daß ich frei von

Verpflichtung bin. Ich verlange nichts von Ihnen, Herr Falkner."

Herr Falkneri heiße ich bei Ihnen jetzt?" rief er. m sind wir einander wirklich fremd geworden, Cora? Bon Ihrer frühesten Jugend an haben Sie mich nicht bei °'esem Namen genannt. Sie haben sich wirklich sehr ver- ändert!"

Nicht ich," versetzte sie mit NaMruEDer Freund meiner Jugend ist noch immer Rupert!"

Allerdings kann ich mich nicht mit einem reichen, alten Wüstling vergleichen, der um Ihretwillen sein eigenes Kind vergaß, noch mit dem jungen Edelmann, der so thöricht war, sein Leben wegen Ihnen auf's Spiel zu setzen."

Schweigen Sie!" rief Cora entrüstet aus.Ich will meine Freunde nicht verleumden lassen. Wenn Sie nichts Anderes zu sagen haben, sage ich Ihnen Lebewohl!"

Und hastig wandte sie sich der Ausgangsthür zu.

Aber er vertrat ihr rasch den Weg.

Nein, Cora, nicht so! So sollen Sie nicht von mir gehen," sagte er.Ich kann Sie kaum für so schlecht halten, als Sie scheinen. Haben Sie wirklich allen natürlichen Schutz von sich gewiesen, um den verderblichen Weg zu ver­folgen, den Sie eingeschlagen haben?"

Fragen Sie Ihre Mutter," antwortete Cora.Fragen Sie Ihre Cousine Adele. Sie war es, die zuerst jedes Band zwischen uns zerschnitt. Sie besprach Alles mit Lord Faro, dem armen, unglücklichen Herrn, daß er in Zukunft für mich sorgen und mein Thun und Treiben überwachen solle. Er ist todt ... und ich bin daher frei."

Frei, um seinem Mörder auf der Flucht beizustehen und ihn zu schützen!" sagte er heftig.Wahrlich, eine edle Freiheit!"

Das ist Ihre Ansicht, nicht die meine," entgegneteZsie stolz.Ich kann es nicht gestehen, doch auch wenn es wahr wäre, würde mich kein Tadel treffen. Ich kann thun, was ich will und Sie Ihrerseits können mich von sich weisen und wenn es sich mit Ihren Wünschen und Ansichten verträgt, Miß Faro beistehen und beschützen."

Er sah sie mit forschenden Blicken an und frug leise: Haben Sie gelauscht, Cora?"

Auf diese Frage bin ich Ihnen keine Antwort schuldig," versetzte sie stolz.Ich habe Ihnen gesagt, Herr Falkner, daß Ihr Pfad und der meine von nun an weit auseinander­gehen."

Sie fühlen sich mir also nicht verpflichtet für alle die Fürsorge, womit ich über Ihr Glück und Wohlergehen wachte, als kein Anderer Interesse für Sie hatte? Cora, können Sie wirklich so hartherzig, so undankbar sein?"