235

bin bemüht, mich als Gesellschafterin von Miß Faro dankbar für seine Güte zu zeigen- .

Die fremde Dame zuckte mit einer unverkennbaren Be­wegung der Thetlnahme die Schultern.

Wie ist das möglich! .... Doch lassen Sie es sem! Ich werde dafür sorgen, daß Sie nicht wieder in Ihr Schul­zimmer zurückgefchickt werden. Sie müssen mich recht bald auf Schloß Biddulph besuchen."

Cora blieb nicht Zeit, hierauf etwas zu erwidern. Dre Musik verstummte und ein Herr kam rasch auf ihre Nachbarm zu- Er redete sie als Lady Marian an und entführte sie zu einem Walzer. Im selben Augenblick näherte sich Lord Bel­fort Cora mit triumphirendem Lächeln.

Jetzt werden Sie mit mir tanzen. Ich bitte Sie gar nicht darum, denn ich habe mir das Recht dazu erworben," sagte er lachend.Sie sind mein Schützling, kommen Sie!"

Cora konnte es ihm nicht verweigern. Sie wollte auch gar nicht, als die herrliche Musik ihr Ohr traf und das an- steckende Beispiel der tanzenden Paare sie einlud, sich ebenfalls in den Strudel zu stürzen.

Und im nächsten Augenblick bewegte sie sich mitten unter den Tanzenden, mit Lord Belforts kräftigem Arm um ihre Taille.

Es war ein herrliches Gefühl, dieser aufregende Tanz, inmitten der Musik und des Lichterglanzes, und ihrs elegante Toilette war ihr etwas so Neues, daß es sehr verzeihlich war, wenn sie für den Augenblick die Vergangenheit vergaß sogar Rupert vergaß und sich dem Zauber des Augenblicks hingab. __________ (Fortsetzung folgt.)

Madame Sans Gme.

Roman nach Victorten Dardou und F. Morreau. Deutsch von Adele Berger.

(Fortsetzung.)

Und Lefebvre, seinen Aermel aufschürzend, ließ seiner Verlobten den rechten Arm sehen, auf dem eine prächtige Tätowierung stchtbar war: zwei gekreuzte Säbel, darüber eine flammende Granate und die Inschrift: Tod den Ty­rannen! , . t

Nicht wahr, das ist patriotisch,!" sagte er stolz, indem er triumphierend den Arm ausstreckte; aber als sie die Hand erhob, um die Zeichnung zu betasten, rief er lebhaft: Nicht anrühren es ist noch frisch!"

Catherine, das Meisterwerk zu beschädigen fürchtend, zog die Hand zurück.

Hab' keine Angst, es färbt nicht ab es brennt nur. O, das wird vergehen aber warte in ein paar Tagen sollst Du etwas Schöneres haben. Mein Hochzeits­geschenk," antwortete der Sergeant geheimnißvoll.

Er wollte an diesem Tage nichts mehr sagen, und nach­dem sie in der Wirthslaube fröhlich auf den Sturz des Ty­rannen und ihre baldige Hochzeit, die die Folge fein würde, angestoßen hatten, kehrten Catherine und ihr Geliebter mit der Diligence von Charenton bis zur Rue du Bouloi zurück und gingen dann, bei dem boshaften Geblinzel der Sterne, zu Fuß nach dem Laden in der Rue Royale Saint-Roch, wo die Wäscherin, um rührende ©eenen zu vermeiden, dem Serge- anten plötzlich die Thür vor der Nase zuschlug und ihm zu- rief:Gute Nacht, Lefebvre. . . hereinkommen wirst Du, wenn Du mein Mann bist!"

Seither eilte Lefebvre, so ost sein Dienst ihm ein wenig Freiheit ließ, in den Laden, um mit seiner Landsmännin ein Viertelstündchen zu plaudern. Beide begannen zu finden, daß der Tyrann sehr lange Zeit zu seinem Sturze brauchte. Man kann stch daher vorstellen, daß Catherine die Dämmerung de« 10. August mit der doppelten Ungeduld einer guten Patriotin und einesffheirathslustigen Mädchens erwartete. ,

Die Sturmglocke, die ihren düsteren Klang in die Nacht hinausWckte, läutete für die Tuilerien das D@

beachtet liegen lassen wollen. Mit dem Gefühl dankbarer Freude fing sie an, Toilette zu machen und das Ballkleid an- zuziehen. Und als sie den schönen Schmuck angelegt hatte und sich in dem hohen Spiegel betrachtete, erhellte ein Lächeln ihre Züge. Sie erkannte kaum das einfache Mädchen von Bremen wieder und Martha erging stch in Ausdrücken höchsten Entzückens, als sie den Erfolg ihrer Bemühungen betrachtete.

Nun, das muß ich sagen, Miß Cora, ich Habs nie eine schönere Dame gesehen!" rief sie und öffnete der jungen Dame die Thür. -Und Miß Netto kann sie trotz ihres At as- kleides, ihrer Juwelen und ihres Stolzes nicht verdunkeln, dachte sie vergnügt lächelnd, als Cora das Zimmer verließ. Ich hätte mir doch auch eher dis Zunge abgebissen, ehe ich das Geheimniß verrathen hätte, auch ohne da» Goldstück, das ick dafür bekommen habe." , t

Cora begab sich in den Ballsaal, aber bekannt mit den Gängen und Corridore», stahl sie sich durch eine kleine Seiten- s thür hinein. i

Ein paar Minuten lang war sie von Allem, was sie > sah, so geblendet, daß sie nur ein wirres Durcheinander von Juwelen und eleganten Kleidern erblickte. Aber allmälig ge­wöhnte sich ihr Auge an den Glanz und sie konnte die ein­zelnen Personen unterscheiden.

Dort tanzte Netto mit Lord Belfort und die Freude des Triumphes färbte ihre schönen Wangen. Do stand Lord Faro und unterhielt sich mit einem fremden Herrn, aber seine Augen wanderten immer unruhig nach der Thür und ein ängstlicher Ausdruck lag auf feinem feinen Gesicht.

Und neben diesen bekannten Gestalten wurde ihre Auf­merksamkeit auf ein schlankes, junges Mädchen gelenkt, neben welches sie stch in ihrer schüchternen Hast gesetzt hatte und deren entschlossene, aber nicht unweibliche Züge und seine, sichere Bewegungen ihr Vertrauen einflößten.

Cora irrte nicht, wenn sie sich für den Gegenstand der Neugier seitens dieser Fremden hielt, deren Augen fragend auf sie gerichtet waren und welche schließlich ihre Stellung ganz änderte und in Coras halb abgewandte» Gesicht blickte.

VIII.

Es scheint, wir thetlen zufällig oder absichtlich ein gleiches Loos," Hub die Fremde zu Cora mit fester Stimme an.Ich meine, wir sind wohl die einzigen Damen in Ball­toilette, die nicht tanzen."

Cora mußte unwillkürlich lächeln, obwohl der sie ewig bedrückende Gedanke ihrer niedrigen Stellung die natürliche Antwort auf diese unerwartete Ansprache unterdrückte.

Ich glaube nicht, daß es au» dem gleichen Grund ge­schieht," erwiderte sie mit bald schüchternem Stolz.Ich bin nicht zum Tanze aufgefordert worden. Sie ziehen jedenfalls vor, still zu sitzen."

Sie scheinen sehr bescheiden und aufrichtig zu sein," sprach die Fremde und ließ ihren Blick mit sichtlicher Bewun­derung über die Gestalt de» anmuthigen Mädchens gleiten. Aber für dieses Mal sind Sie mit Ihrer Vermuthung im Jrrthum. Ich tanze sehr gern Rundtänze, nur keine Quadrillen. Geht es Ihnen nicht auch so?"

Es ist heute das erste Mal, daß ich überhaupt tanzen sehe," sagte Cora.Ich weiß nicht, ob ich es gern mag."

Ah! Ihr erstes Debüt! Wie ich Sie beneide!" fuhr die fremde junge Dame fett.Da muß Ihnen der Anblick hier doch wie ein Bild aus einem Feenlande vorkommen I"

Ja und eben so schattenhaft," versetzte Cora.

Herrlich! Ich sehe schon, wir werden Freundinnen werden! Wo haben Sie sich die ganze Zeit hindurch versteckt ? Ich glaubte, ich kennte alle Schulzimmer ebenso genau wie die Salons fünfzehn Meilen in der Runde."

Einen kurzen Augenblick färbten stch Coras bleiche Wangen mit einem tiefen Roth, als sie antwortete:Es ist sehr natür­lich, daß Sie nichts von mir gehört haben. Ich bin nur eine Abhängige hier in diesem Hause . . . eine Fremde aus Deutsch­land, deren Lord Faro stch gütig angenommen hat, und ich