Ausgabe 
18.5.1895
 
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284

nur von

hören, daß Sie fort wollten, es erregt und verdrießt mich.'

II

Absichten zu nichts

Er lachte munter.

Hm, ich verstehe Sie! Doch ich werde die

erhalten, und Sie sollen es nicht bereuen."

Und er glitt rasch durch die Glasthür, die nach der Terrasse führte, bevor Cora Zeit fand, zu antworten, und verschwand zwischen dem dichten Buschwerk.

Cora wußte, welche Macht der junge Lord über seine Nichte hatte. Voll Verachtung hatte sie dar Gemisch von Tyrannei und Huldigung beobachtet, mit welcher sie dem reichen Erben begegnete. Sie wunderte sich daher nicht, als die Tante den kurzen kalten Wunsch aussprach, sie möchte an dem ereignißoollen Abend in der Gesellschaft erscheinen.

Da Miß Netta noch jung ist, ist es vielleicht beffer, wenn ein aus dem Schulzimmer ihr vertrautes Element in ihrer Nähe ist," sprach sie.

Cora gab ihren Gehorsam, in ihrer gewöhnlichen Weise kund.

Sie können sich in weißen Muffelin kleiden," fuhr die alte Dame in trockenem Tone fort,und eine Schärpe von Miß Netta dazu tragen. Das genügt schon, denn es wir! Niemand Zeit haben, Sie viel zu beachten. Ich habe über- Haupt nicht gedacht, daß Sie hofften, an dem Balle Theil zu nehmen."

Coras Kopf war so abgewendet, daß Lady Emily den spöttischen Zug auf dem jungen Gesicht nicht sehen konnte,- sonst hätte sie vielleicht augenblicklich ihre Eclaubniß und ihr Anerbieten wieder zurückgezogen.

Langsam begab Cora sich an dem ereignißoollen Abend in ihr Zimmer, wo das Hausmädchen, die freundliche Martha, mit triumphirendem Lächeln auf sie wartete.

Sehen Sie nur das Kleid, Miß Cora!" rief sie.Ist das nicht herrlich? Und es paßt Ihnen gewiß."

Cora war kaum eines Wortes mächtig, als ihr erstaun­ter Blick auf das vor ihr liegende Kleid fiel.

Er war ein mattgelbes Costüm, wie es blaffe, brünO Damen so gut kleidet, reich mit schwarzen Spitzen garckt . . . ein Costüm, wie es sich eine Gräfin nicht schöner toüw schen konnte.

Ein Schmuck kostbarer Perlen für Hals und Arme und ein Pfeil für das dichte, glänzende Haar, das keines anderen Schmuckes bedurfte, vollendete die Toilette, vor welcher die verwirrte Waise athemlos stand.

Martha, was soll das heißen? Hat Lady Emily . .. o, wie gütig!" klang es von ihren Lippen.

Lady Emily? . . . Miß, ich glaube nicht, daß sie etwa« damit zu thun hat," sagte das Mädchen mit einer Entschieden­heit, welche Cora hätte verrathen müssen, daß die Dienerin mehr davon wußte, wenn das schöne Costüm sie nicht so ganz in Anspruch genommen hätte.Denken Sie doch, Miß Cor« der Anzug kam in einer Kiste von London I Und Lady Ench hat mir ja noch kürzlich strengen Befehl gegeben, ja nicht» von Miß Nettas Sachen, die jene vielleicht doch nicht trüge, für Sie zu nehmen."

Cora sann einen Augenblick über das Geheimniß nach, lächelte aber bald selbst über ihre eigene Thorheit.

Natürlich war es Lord Faro gewesen, der auf diese un­verantwortliche Weise die von der Eifersucht dictirten Befehle seiner Schwester umgangen hatte und ihr ohne Vorwürfe und Einmischung Anderer die beabsichtigte Demüthigung ersparen wollte.

Nicht wahr, Miß, Sie werden es doch tragen?" fragte Martha ängstlich, als Cora noch immer staunend vor dem kostbaren Kleide stand.

Es wäre eine -für ein so junges Mädchen unnatürliche Haltung gewesen, hätte Cora die untadelhafte Toilette uu

meiner stolzen kleinen Cousine und ihrer Tante machen. Fürchten Sie nicht, Miß Cora, daß ich Ihre Sclavsret noch verdunkeln könnte, anstatt sie durch ein paar Strahlen der Freude und Heiterkeit zu vergolden. Aber versprechen Sie mir, daß Sie mir folgen wollen, wenn Sie einen Wink

Und ohne ein weitere» Wort oder auch nur einen Blick wandte er sich zum Gehen und ließ Cora mit dem Gefühl hoffnungslosen Verdachtes und in großer Bestürzung zurück, da sie keine Aufklärung für das seltsame Geheimniß von Lord Faros eigenthümlicher, aber unverkennbarer Aufregung finden konnte.

VII.

In der Villa Faro» herrschte ein reges Leben und Treiben. Der Geburtstag Nettas stand bevor. Derselbe sollte mit einem glänzenden Ball gefeiert werden, obgleich Netta erst sechzehn Jahre alt wurde, aber Lord Belfort hatte einen von seiner jungen Cousine lebhaft geäußerten Wunsch aufgefaßt und durch allerlei Drohungen und Ueberredungs- künste sowohl Lady Emily al» den Vater der jungen Erbin zu überreden gewußt.

Alle waren mit den Vorbereitungen zur Festlichkeit be­schäftigt, nur zwei ausgenommen: der Herr des Hauses und Cora.

Diese saß entweder allein im Arbeitrzimmer, über ihre Bücher gebeugt, oder am Flügel, dem sie wunderbare Töne zu entlocken gelernt hatte. Was lag ihr daran, daß die Empfangszimmer decorirt wurden oder daß Netta über die Wahl ihrer Toilette mit den Modistinnen verhandelte? Cora hatte keinen Theil daran. Sie konnte ja gar nicht hoffen, auch nur einen Blick auf die glänzende Scene werfen zu können, denn sie würde zu stolz feto, sich in ihrem einfachen Anzug und als Dienende der Heldin des Festes heimlich in den Salons zu zeigen.

Doch es war hart. Sie war schöner als Netta und da sie auch älter war als diese, so war es um so bitterer, daß ihr die Theilnahme an dem Feste versagt bleiben sollte.

Vielleicht waren es solche Gedanken, welche der Melodie, die Cora leise dem Clavier entlockte, das Traurig-Sinnige verliehen, das mehr den Klagetönen einer Aeolsharfe glich.

Sie ähnelte einer Muse, wie sie so über die Tasten ge­beugt dasaß ... so meinte wenigstens der heute ihm Hause anwesende Lord Belfort, als er einige Augenblicke vor dem Clavier stehen blieb, um den Tönen zu lauschen.

Sie müssen die Musik wirklich leidenschaftlich lieben, daß Sie sie dem Vergnügen vorziehen, das uns Allen die Köpfe verdreht, Fräulein Cora," sagte er, als die Töne ver­stummten.

Ja, ich liebe sie sehr. Es gibt wenig, was mir so viel Freude macht," antwortete sie freundlicher als gewöhnlich auf die lebhaften, scherzhaften Compliments und Bemerkungen des jungen Edelmannes.

Cora fühlte sich in der That so vereinsamt, daß ihr der Gedanke wohlthat, daß Jemand in dem lebhaften Treiben dieser festlichen Zeit voll Interesse an sie dachte.

So tänzen Sie nicht gern?" fragte er.

Ich weiß er nicht ... ich habe es noch nie versucht," versetzte sie kühl.

Aber Sie werden es bald versuchen," antwortete er.

Cora schüttelte den Kopf.

Sie wollen damit doch nicht etwa sagen, daß Sie nicht Theil an dem Balle nähmen!" rief er erstaunt aus.

Allerdings!" versetzte sie ruhig.

Sie werden dabei sein!" sagte er mit Entschiedenheit. Wenn ich nicht an Sie dabei gedacht hätte, würde ich über­haupt nicht zu dem Feste gedrängt haben. Netta ist für solche Vergnügungen noch viel zu sehr Kind, bei Ihnen aber ist es etwas Anderes. Ich habe mich darnach gesehnt, Sie zwischen dem Adel unserer Gegend in Ihrer seltenen Schönheit glänzen zu sehen, Cora," sagte er, sie halb scherzend beim Vornamen nennend.Aengstigen Sie mich nicht, Sie werden dabei sein!"

Sie lächelte halb spöttisch.

Vielleicht in meinem Alltagskleid als Miß Nettas Jung­fer ? Nein, Mylord, es ist sehr freundlich von Ihnen, an eine solche Unmöglichkeit zu denken, aber es kann nicht feto! Bitte,

werden. Und nun lassen Sie mich nicht» weiter darüber sprechen Sie nicht weiter davon! Es würde mir

........ Neuem weh thun."