Ausgabe 
18.4.1895
 
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Glück für ihn in der schlanken Mädchengestalt, die soeben tief verhüllt in'» Freie trat.

Onkel Eduard?" fragte die weiche, süße Stimme, zu Hohenthal gewandt,ich habe Dich doch nicht warten lassen? Bist Du zufrieden gewesen?"

Ja, mein theure» Kind, sehr zufrieden und stolz, Du warst eine Johanna, wie Schiller sie geträumt."

Silberhell klang Nora» Lachen an das Ohr des einsamen Lauschers.Aber Onkel, Du machst mich ja ganz eitel mit solchen ComplimentenI Und doch freut'» mich von Dir am allermeisten, weil Du die Wahrheit redest!"

(Fortsetzung folgt.)

GeineinnNtziges.

Um -en Lampendochten eine Erhöhung der Aufsange'FLHigkett zu geben, erhält nach dem Patente von Fr. Stübgen & Co. in Erfurt die Dochthülse nicht die Form eines glatten Rohres wie sonst üblich, wo also der Docht sich den Wandungen desselben völlig anschmiegt und die Aufsaugungs-Fähigkeit beeinträchtigt wird, sondern da» Rohr ist im Querschnitt wellenförmig oder gerippt, so daß der Docht nur in einzelnen Punkten dem Umfange an­liegt, so daß das Oel durch die zwischen Wand und Docht verbleibenden Canäle zum Docht Zutritt hat. Umgekehrt wollen die Erfinder auch denselben Zweck dadurch erreichen, daß die Dochte keine glatte, sondern eine canellirte Oberfläche erhalten, so daß die Brennerhülse glatt sein kann. (Mitge- theilt vom Internationalen Patent-Bureau von Carl Fr. Rsichelt, Berlin, N.W.)*

Mittel gegen Motten im Pelzwerk. Um Pelz­werk Jahre lang ausbewahren zu können, ohne daß sich Motten darin einfinden, dient nach einer Mittheilung des Intern. Patentbureaus von Heimann u. Co. in Oppeln folgendes Mittel: Man bringt in Spiritus etwas Kampfer sowie ge­pulverte Schale vom spanischen Pfeffer und läßt das Ganze einige Tage in der Ofen- oder Sonnenwärme stehen, bis eine vollständige Auflösung erfolgt ist. Diese so erhaltene Flüssigkeit wird nun durchgeseiht und das Pelzwerk gleich- mäßig damit bespritzt, worauf man letzteres zusammenwickelt und in feste Leinwand einschlägt. In Rußland, wo dieses Mittel als ein Geheimniß der Pelzhändler angesehen wird, ist es unter dem Namen chinesische Mottentinktur bekannt.

Et« gutes Putzpulver für Silberzeug. Man mischt Kochsalz, Weinsteinrahm und Alaun, jedes zu gleichen Theilen, gut durcheinander. Wenn man von diesem Pulver etwas dem Wasser zusetzt, das Silberzeug darin auskocht und gut abtrocknet, so wird es nach demWahrheitsfreund" wie neu.

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Mit dem Hut tu der Hand kommt man gut durchs ganze Land, aber blankgewtchste Stiefel machen auch einen guten, empfehlenden Eindruck. Bei der Sliefelwichserei heißt es vor Allem: Allzuviel ist ungesund wohlgemerkt allzuviel in Bezug auf das Aufträgen des Wichsstoffes. Es verstopft derselbe leicht die Poren des Leders und benimmt dadurch demselben die Fähigkeit, blank zu werden. Auch nicht alle Tage darf die Wichse auf das Schuhwelk aufge­tragen werden, weil auch hierdurch der Fettgehalt in derselben leicht verderbend wirken würde- Alle sechs bis acht Wochen ist das Schuhwerk mittels lauwarmem Wassers gut zu reinigen und nach dem Trocknen frisch mit Wichse einzureiben. Wa­da» Handhaben der Bürste anbelangt, so kann ein kräftiges und anhaltendes Vorgehen nichts schaden.Kurz und scharf" fei aber für den dabei anzuwendenden Takt das Losungswort. Der Wichse wird zeitweise etwas Kaffee oder Essig hinzugefügt.

VeriMchtes.

WaS falle« wie mit u«sere« Töchter« thu«? Gebt ihnen eine ordentliche Schulbildung. Lehrt sie ein nahr­haftes Essen kochen. Lehrt sie waschen, bügeln, Strümpfe stopfen, ihre eigenen Kleider machen und ein ordentliches Hemd. Lehrt sie Brod backen und daß eine gute Küche viel an der Apotheke spart- Lehrt sie, daß eine Mark 100 Pfennig werth ist, und daß nur Derjenige spart, der ^weniger aus­gibt, als er sinnimmt, und daß Alle, welche mehr ausgeben, verarmen müssen. Lehrt sie, daß ein bezahltes Kattunkleid besser kleidet, als ein seidenes, wenn man Schulden hat. Lehrt sie, daß ein rundes, volles Gesicht mehr werth ist, al» fünfzig schwindsüchtige Schönheiten. Lehrt sie, gute, starke Schuhe tragen. Lehrt sie, Einkäufe machen und nachrechnen, ob die Rechnung auch stimmt. Lehrt sie, daß sie Gottes Ebenbild mit starkem Schnüren nur verderben können. Lehrt sie Selbstvertrauen, Selbsthilfe und Arbeitsamkeit. Lehrt sie, daß ein rechtschaffener Handwerker in Hemdärmeln und mit der Schürze, auch ohne einen Pfennig Vermögen mehr werth ist, als ein Dutzend reichgekleideter und vornehmer Tagediebe. Lehrt sie Gartenarbeit und die Freuden der freien Natur. Lehrt sie, wenn Ihr Geld dazu habt, auch Musik, Malerei und Künste, bedenkt aber immer, daß es Nebensachen sind. Lehrt sie, daß Spaziergänge besser sind als Spazierfahrten, und daß die wilden Blumen !gar schön sind für Diejenigen, dis sie betrachten. Lehrt sie bloßen Schein verachten und daß, wenn man ja oder nein sagt, es auch wirklich so meinen soll. Lehrt sie, daß das Glück in der Ehe weder von dem äußern Aufwande noch von dem Gelds des Mannes abhängt, sondern allein von seinem Charakter. Habt Ihr ihnen das Alles beigebracht und sie haben es verstanden, dann laßt sie, wenn die Zeit gekommen ist, getrost heirathen, sie werben ihren Weg schon dabei finden.

F e i n e N a s e. Rath (vom Bureau nach Hause kommend) : Ich rieche es, ich rieche es heute gibt» Gänsebraten!" Dienstmädchen:Ach nee, Herr Rath, ich habe mir nur vorhin in der Küche die Stirnlocken gebrannt!"

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Noch schlimmer. Pfarrer:. . . Fräulein, haben Sie sich den Schritt auch wohl überlegt? Sie wissen, da« Heirathen ist eine ernste Sache!" Junge Dame (resolut): Jawohl, Herr Pfarrer aber da» Sitzenbleiben ist noch viel ernster!"

Vor der Parade, zu welcher die höchsten Herrschaften erwartet werden, instruirt der Unteroffizier seine Mannschaften über die vorschriftsmäßigen Ehrenbezeugungen.Was thust Du, wenn Majestät vorbeireitet?" fragt er einen Rekruten. Dann mach' ich Front und stehe stramm."Richtig. Und wenn eine Prinzessin vorbeifährt?"Dann mach ich Honneur." Da klopft der Unteroffizier den Untergebenen auf die Schulter:Thu' das man, mein Söhneken," sagt er, aber pass' auf: aus'm Wagen springen, Dir ein paar in dieFresse hau'nund heididavon fahr'» das ist das Werk eine» Momangs!"

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Auf Umwegen. Gast:Sie sind wohl schon lange Besitzer dieses Restaurants?" Wirth:Schon mehrere Jahre, und vorher hat mein Vater es geführt." Gast: Haben Sie dieses Huhn auch von ihm geerbt?"

Bei einer Gemäldeausstellung. Galleriebesucher: Weshalb müssen denn die Besucher hier ihre Stöcke und Schirme abgeben?" Portier:Wissen'», sonst könnt'« vor­kommen, daß bei gewissen Bildern da» Publikum nach dem Maler fragt und ihn dann durchhaue« thät!"

Sctectton: 1. Scheyda. Druck unk »erleg der Brühl'scheu UniversitätS-Buch- und Steindruckerei «Pietsch * Scheyda) in Sitßa»-