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völlig gleichgültig bin "
dann leise, — „dar Eine, daß ich — ich glaube nämlich, ich 1 bin nun doch verliebt, zum erstenmale in meinem Leben - I und wenn ich also hoffen dürfte - ich sagte Ihnen vorhin, Fräulein, ich würde den Muth haben, auf Storkow und auf i alle mir daraus erwachsenden Vortheile zu verzichten, wenn etwas einträte, — nun und dies etwas - - *
kennen mich ja erst sehr kurze Zeit und nicht ernmal von der ° günstigsten Seite, aber trotzdem — das Schicksal hat es so gefügt, daß wir zwei wildfremden Menschen un» nahegetreten sind, näher, als man dies unter gewöhnlichen Verhältniffen in Wochen erreichen könnte, und ich habe — ich bin —"
Sie hatte schon ein paar Mal während seiner verwiorten, stotternd vorgebrachten Rede ängstliche Bewegungen gemacht, al» ob sie aufsprtngen und davonlaufen wolle; jetzt aber darr fein heißes Gesicht mit bittendem und verlangendem Aus druck wieder zu ihr aufhob, riß sie plötzlich ihre Uhr heraus und sagte erschreckten Tones: „Herr mein Gott, was ist da»? Da haben wir un» aber gründlich verplaudert I Ich komme ja kaum mehr zur Station, um den Mütagszug zu erreichen. Wir haben nicht eine Minute zu verlieren."
Sie wollte aufspringen, aber Eugen griff nach ihrer Hand und hielt sie fest. „Rein, mein Fräulein, so dürfen Sie nicht fort! Lassen Sie den Zug ohne Sie abgehen, — wa» liegt daran? Hier steht Höyere» auf dem Spiel — ein ganze» Menschenschicksal. Sagen Sie mir wenigstens erst, ob ich hoffen darf, — ob Sie mich — ob Sie den armen Refer en- dar, der niemals Gutsherr von Storkow werden wird, ein klein bischen lieb gewinnen könnten — er — er betet Sie an, er ist bereit, für Sie Alles zu thun, was Sie von ihm fordern werden. Nur versprechen Sie ihm —"
„Lassen Sie mich los," unterbrach sie ihn, nicht zornig, aber entschieden, und befreite ihre Hand aus der seinen. „Ich will mit dem Mittagszuge reisen, verstehen Sie? Keine Macht der Welt wird mich zurückhalten, Und wenn Sie wirklich ein Cavalier und ein Ehrenmann sind, der sich die Hilflosigkeit eine» ohne Schutz retsendm Mädchen» nicht zu
Nutze machen will, da» ihm bisher blindlings vertraut hat, — so werden Sie mich jetzt unverzüglich sicher bi» zum Wolden« beiger Bahnhos begleiten, Herr Referendar. Sie werden sogar noch mehr thun: Sie werden jetzt unten im Forsthause fragen, ob man mir nicht sofort einen Wagen zur Station stellen kann, denn ich fürchte, zu Fuße erreichen wir den Zug doch nicht mehr. Bitte also —"
Eugen war aufgestanden. Er sah sehr blaß au», während die Hellen Schweißtropfen ihm auf der Stirn standen- Seine Lippen bebten. Er warf ihr einen anklagenden Blick zu, verneigte sich gemessen und sagte: „Ich habe Ihnen eben versichert, ich würde Alle» sür Sie thun, wa» Sie von mir fordern, und ich will mich nicht selber Lügen strafen Aber das Eine muß ich Ihnen doch sagen, ehe ich gehe, mein Fräulein: Die» eben war nicht edel von Ihnen gehandelt!'
Mit langen, ungleichen Schritten ging er, ohne eine Ant- wort abzuwarten, von dem Buchenplatz zum Forsthause hinab. J Als er nach einigen Minuten zurückkam, machte e» ihm Die Idee | ben ^druck, als ob sie wieder sreundlicher und mit dem
„Vor allen Dingen doch au» Eorpsgeist. Sie scheinen da» schon wieder zu vergessen, Herr Referendar!"
Ach, was wollen Sie mir da weirmachen, mein Fräulein!* Sie und die Durchschnitts-Landpastorentöchter — Sie und die Durchschnitts-Höheretöchter überhaupt! Da» ist ge- rade so, als wenn die gloire de Vijon-Rose sich au« Corps- geist sür den Spitzwegerich in'» Zeug legen wollte! Blumen sind'» freilich Beide. Rein, nein, Fräulein, damit dürfen Sie mir nicht kommen."
Sie hatte sich bei seinem schmeichelhaften Vergleich ironisch verbeugt und erwiderte nun lachend: „Dann also aus Ge- rechtigkeitsliebe, mein Herr. Denn Sie verdammen und vsr- höhnen diese Dame, ohne sie zu kennen; sür einen Juristen doppelt schmählich. Nun möchte ich Ihnen wirklich wünschen, diese verschmähte Landpomeranze entpuppte sich nachträglich al» ein ganz begehrenrwerthe« Geschöpf und, wenn Sre sie dann kennen lernten, entflammten Sie sich für sie und erhielten von ihr einen ganz regelrechten Korb —" ,
Eugen schüttelte sich söimlich vor Lachen. „,
ist famo»! Dafür müßten Sie sich prämiiren lassen, mein j ötten humoristischen Zug um den Mundwinkeln ihm entgegen- Fräulein! Ich und von dieser Person einen Korb, während I c$aite lag überhaupt bei all' ihrem Uebermuth doch sie — Sie haben da» vorher selbst al» sehr wahrscheinlich | |mmet ^was treuherzig Gutmüthige» in ihren Augen, daß hingestellt — alle zehn Finger nach der brillanten Versorgung | man unmöglich böse sein konnte. Seine Haltung mußte aurstreckt und ich vor ihr davonlaufe, so weit meine Füße I Ketzin wohl eine günstige Wirkung auf sie hervorgebracht mich tragen wollen? Ah! Ah! Aber das ist großartig! Das I haben, denn er hörte einen milderen Ton au» ihrer Stimme ist unbezahlbar!" Und er lachte immer toller. | heraus, al» sie fragte: „Nun, können wir fahren?' „
„Ich habe Ihnen vorhin schon gesagt, Herr Reserendar, | „In zwei Minuten wird der Wagen bereit stehen.
da» Leben spielt oft wunderbar mit un». Seien Sie also I „Ich danke Ihnen."
nicht so ganz sicher! Ich meinestheil» möcht Ihnen diesen I gie roaif „och einen letzten Blick zwischen den Stämmen Korb sogar in vollem Ernst prophezeien!" „ I hindurch in'« Thal hinab, dann sah sie ihn an, der mit ge-
„Aber, mein Fräulein, nun hören Si« doch auf, bat er I ’re6ten und gerunzelter Stirn vor ihr stand, ohne und rang nach Athem. „Ich kann za gar nicht mehr. Da» I * - fpre$ett.
Bild: Ich vor dieser Landpomeranze um Erhörung bettelnd j y Sie sind mir böse?"
— nein, e» ist wirklich klassisch. Und dabei schützt mich hier- | mle horste ich das?" sagte er mit verhaltener Er- vor doch schon Einer, daß ich —" — er sah sie an, al» ob I re " ' haben mir durch Ihr Benehmen ja so un- er sie bitten wollte, ihm doch zu Hilfe zu kommen und seufzte | .^deutia zu verstehen gegeben, mein Fräulein, wa» ich zu
1 hoffen habe, — daß Alle» eitel war, was ich mir einblldete, — Illusion und Anmaßung —"
Sie schüttelte den Kopf. „Nicht so," sagte sie mit m verraten wenn i schalkhaft bittendem Ton. „Nicht diesen Weltschmerz hinein' - Äsie, Sie le«en - MUel 34 W « -«»ding- für b-H« Schall», ktt SÄi to Sie nicht -°«-den ,n »n, -ell - mit A-m Waal. - Ihretwillen. Glauben Sie mir! E» ist besser so tut Ich - sehen Sie: Sie wissen ja gar nicht, mit wem Sie er zu thun haben. Sir übereilen sich. Sie fühlen sich jetzt, durch diese Begegnung, durch den schönen Tag, durch den herrlichen Platz, durch die Erlebnisse de» Morgen», durch all' die« Ungewöhnliche und Absonderliche, da» Sie heu e durchmachen, angeregt und da glauben Sie nun, weil w» un» ganz gut zusammen unterhalten haben und weil e» Ihnen leid timt, daß e» schon zu Ende sein soll —"
„Aber nein!" unterbrach er sie lebhaft- "Wie Sie reden! Da» ist e» ja gar nicht- Ich fühle ja ganz deutlich, daß ich zum ersten Mal im Leben wirklich liebe. Und wa» brauch ich Sie denn noch näher kennen zu lernen? Ich kenne ja, - ich weiß ja Alle» von Ihnen, wa» ich zu nnssen brauch- weiß, daß Sie da« entzückendste Geschöpf auf Gotte« Erde sind und daß ich ohne Sie nicht mehr —"
„Der Wagen ist bereit, Herrschaften," klang e« von unten her mit der Stimme der alten Frau Försterin. „Und zu» Zuge wird'» hohe Zeit." „
Eugen seufzte. „Ich soll heute nicht zu Ende kommen, sagte er mit verzweifeltem Gefichtsausdruck und fetzte sei« Hut auf. „Darf ich Ihnen meinen Arm reAen, me n FW lein?" Er führte sie hinab. „Ich liebe Sie, Merte währenddessen, „ich liebe Sie, - bei Allem, was mir hM ist! Ich werde Ihnen immer wieder und wieder sagen, » ich Sie liebe, — den ganzen Weg hindurch, unaufhörlich u kein andere» Wort als die«: Ich liebe Sie! 34 liebe g — bi« Sie mir endlich sagen werden, daß ich Ihne« ««?


