Der fehlende Zeuge.
Aus dem Englischen von Karl Scheithauer.
Ich fuhr mit dem Nacht-Schnellzug von London nach Liverpool, wo ich einen Dampfer besteigen wollte, der am andern Morgen nach Valparaise in Südamerika abgehen sollte. In dem Wagenabtheil befand sich kein weiterer Reisender und ich war froh, daß ich allein war. Unstät und unruhig rückte ich von einem Platze zum andern und jeden Augenblick starrte ich durch die Scheiben des Wagens in die finstere Nacht hinaus.
Der Zug mochte etwa eine Stunde unterwegs sein, und fuhr gerade an einer kleinen Station vorüber, da krachte es plötzlich an dem Fenster meines Wagens, das Glas zerschellte in Atome und ein Gegenstand fiel schwer auf den Boden des Wagens nieder. Im ersten Augenblicke hatte ich geglaubt, daß ein Schuß auf den Zug abgefeuert wäre und hatte starr zurückgelehnt dagefeffen, um nicht durch eine Bewegung in die Bahn des Geschosses zu kommen. Jetzt sah ich auf den Boden, dort lag ein Stein, an welchem ein Brief befestigt zu sein schien. Ich nahm den Gegerstand auf, der Brief trug keine Abreffe, war aber nicht geschloffen.
Ich öffnete den Brief und las: „Im Gefängniß von Malton liegt ein zum Tode Verurtheilter, der morgen früh hingerichtet werden foll. Er betheuert seine Unschuld und sagt, daß es einen Mann gibt, der fie beweisen könne. Dieser Mann bin ich, der Schreiber dieses Briefes. Ich habe eben jetzt erst von dem furchtbaren Schicksale des Verurtheilten gehört — es ist zu spät zu telegraphiren, weil die Aemter alle geschloffen sind. Ich weiß keinen andern Weg, mich mit den Behörden in Malton ins Einvernehmen zu setzen, als diesen. Ich kann auf das Schlagendste nachweisen, daß der Verurtheilte zur Zeit der Mordes, deflen er angeklagt ist, sich viele Meilen weit vom Ort der That fern befand. Der Leser dieser Zeilen wird um Gottes Willen gebeten, den Zug in Malton zu verlassen, zu dem Gefängniß-Verwalter zu gehen und ihm diesen Brief zu zeigen. Ich komme selbst morgen mit dem ersten Zuge nach Malton, um Zeugniß abzulegen. Walter Sones."
Ich legte den Brief auf die Wegenbank und griff nach der Abend-Zeitung. Ich hatte in den Zeitungen schon vorher gelesen, was über die Verurtheilung gesagt war, ich las den Artikel jetzt wieder mit ungeheurem Interesse:
„Man wird sich erinnern, daß der Angeklagte immer von neuem seine Unschuld belheuerte. Zur Zeit, da der Mord geschah, will sich der Beschuldigte als Zuschauer bei einem Fußballspiel in Blayden befunden haben, wo er mit einem gleichfalls dem Spiele Zusehenden sich in ein Gespräch ein* liefe, das zu einem heftigen Streite führte. Der Anwalt des Gefangenen hat alles Mögliche aufgeboten, diesen Zeugen zu entdecken, aber alle Anstrengungen waren vergeblich. Der Mörder bleibt jedoch nach wie vor bei seiner Behauptung, und gibt seiner festen Ueberzeugung Ausdruck, daß der gesuchte Zeuge sich melden werde, um ihn vor dem Henkertode zu bewahren."
Das Schicksal hatte es gefügt, daß das Leben des Verurtheilten in meiner Hand lag. Ich warf die Zeitung in eine Ecke de« Wagens und — lachte, ein wildes, unheimliches Lachen. Vielleicht war der Druck auf meine Nerven zu stark, vielleicht — doch wozu derMorte — ich lachte.
Dann begann ich nachzudenken. Ich wurde in dem Briefe ersucht, den Zug in Malton zu verlassen, den Ge* fängnißdirector aus dem Bette zu holen und ihm eine abenteuerliche Geschichte zu erzählen. Dadurch müßte ich die Abfahrt des Dampfer» in Liverpool versäumen — dies war mehr, als man mir zumuthen konnte.
Plötzlich hielt der Zug — Malton! Mit einer heftigen, unwillkürlichen Bewegung öffnete ich den Wagen und rief einen Beamten herbei.
! „Hier int Gefängniß ist ein Mann, der morgen hinge- 5 richtet werden soll? Er soll einen Mord begangen Haben?" Im Gesichte des Beamten malte sich große Ueberraschung; daß ein Reisender mitten in der Nacht einen Beamten rufe, um sich mit ihm über die Local-Chronik des Ortes zu unterhalten, konnte er allerdings nicht erwarten.
„Jawohl, es ist richtig, der Verurtheilte tödteteIeinen Mann in Tarby."
„So heißt es allgemein. Wissen Sie aber, daß er es nicht war, der den Mord beging? Wenn Sie mir den Stationsvorsteher herbeischaffen, bevor der Zug abfährt, so werden Sie das Leben des Verurtheilten retten."
Der Beamte schaute mich mit einem Blicke an, den ich damals nicht verstand — ich glaube jetzt, er hielt mich für verrückt — dann stürzte er von mir fort.
Einen Augenblick später kam er zurück in Begleitung eines Manner, der sich das Aussehen einer gewichtigen Persönlichkeit gab.
„Sind Sie der Stationsvorsteher?" fragte ich.
„Der Stationsvorsteher ist im Bett; ich bin der Expeditionsdirector."
„Jedenfalls also eine Persönlichkeit, die für ihre Handlungen volle Verantwortung zu übernehmen gewohnt ist?" Der Mann verneigte sich steif.
„Wenn Sie diesen Brief gelesen haben, wird eine Ver- antwortnng auf Ihnen lasten, wie Sie größer noch nie gehabt haben. Dieser Brief wurde mir in den Wagen geworfen, als der Zug etwa eine Stunde von London entfernt war."
Der Beamte las den Brief beim Lichte eines unstät fleckernden Lämpchens. „Wie foll man erkennen, daß der Brief aufrichtig gemeint ist?" fragte er bann.
„Soweit ich dabei in Betracht komme, haben Sie genügend Beweise, daß ich in gutem Glauben handele. Das zerbrochene Fenster —"
„Aber der Schreiber des Briefes? Vielleicht ist es ein Dummer-Jungen-Streich?"
„Ich weiß gerade so viel wie Sie. Persönlich muß ich allerdings sagen, ich glaube, der Zeuge wird kommen, um zu Gunsten de« Angeschuldigten auszusagen."
„Sie müßten selbst zum Gefängnißdirector gehen!"
„Das ist mir unmöglich; ich habe einen Platz auf einem Dampfer belegt, der morgen früh von Liverpool abgeht. Ich kann und darf das Schiff nicht versäumen."
„Aber einer solchen Angelegenheit wegen —"
„Ich kann nicht. Jetzt haben Sie die Verantwortung." Er drehte den Brief in der Hand herum und schwieg. Endlich sagte er unwillig: „Ich werde den Brief dem Gefängnißdirector übergeben."
Die Dampfpfeife ertönte, ich lehnte mich in den Wagen zurück, der Zug war abgefahren.
Noch bevor wir am andern Morgen von Liverpool au» in See stachen, war ein Telegramm eingetroffen, welches das Erscheinen eines neuen Zeugen in Sachen der in Malton Verurtheilten ankündigte, in Folge dessen die sofortige Freilassung des Letzteren angeordnet wurde.
So hatte ich das Leben einer meiner Mitmenschen gerettet und ich stieß beim Lesen der Nachricht einen Seufzer der Erleichterung aus, wie wenn eine furchtbare Gefahr van mir abgewendet wäre. —----------
Aber was wird aus mir werden ? ob ich meinen Zufluchtsort erreichen werde? was wird aus mir, dem wirklichen Mörder, denn ich allein bin der Urheber jener Mordthat, um derentwillen ein Menschenleben vom Henker vernichtet werden sollte!—
Fischer lasen diese Zeilen beim flackernden Herdfeuer Das Bekenntniß des Mörders, mit Bleistift auf kleinen Papierstückchen geschrieben, die aus einem Notizbuch herausgerissen waren, war in einer versiegelten Flasche enthalten, wie sie Schiffbrüchige als letztes Lebenszeichen in die See werfen. Die Woge» hatten die Flasche an die Küste von Wallis ausgespült.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Berlag der Brühl'schm UniverfftSts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Meßen.
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