Ausgabe 
17.10.1895
 
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Elisabeths schönster Traum erfüllte sich also. Eine Reise r* £ Bequemlichkeiten, wie sie solche noch nie gekannt, zeigte üch dabei noch ganz besonders angenehm. Vorwärts ging es «u Fluge und überall traf man einTischlein deck' Dich". Dienerschaft, jedes Winkes gewärtig, war immer da. Wat man ermüdet, so fand man ein behagliches Ruheplätzchen in em großen Salonwagen, wo sich prächtig schlummern ließ, «alte man aber genug der Einsamkeit, so fand man sich in m salonarttgen Raume in bester Geselschast wieder zusammen.

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! Man vergaß dabei beinahe, daß man mit dem Dampfroß immer weiter und weiter eilte, dem sonnigen Süden zu.

: m Zur späten Abendstunde am ersten Reisetage neigte sich Sr i6 rrn-6LiU Elisabeth und flüsterte ihr geheimniß- 00xJtt' sollen Sie einen Blick durch das Fenster werfen, gnädiges Fräulein! Sehen Sie dort die dunkeln Umrisse der Vielleicht schenken Sie bie"

Zuteresse, wenn Sie erfahren, daß dort der Rittmeister Herr Löwen m stiller Beschaulichkeit darüber nachdenken kann, daß man mcht ungestraft sich einer Dame als Ritter auf- vrangl. 1

h. Aumm blickte Elisabeth hinauf zu der Festung. Aber

die Mitthellung, daß Löwen hinter jenen matt erhellten Fenstern um ihretwillen saß, gab ihr doch einen heftigen Stich

das sonst so leichtsinnige, eitle Herz. Sie kannte nur zu die Ursache des Duells zwischen Herrn von Löwen und Graf Bretow. Wenn sie ihr Versprechen am Hofball ge­halten und an Löwens Seite ihren Platz bei der Tafel ein­genommen hätte, so wäre es sicher nicht zu dem Duell ge- kommen. Rur eines ablehnenden Wortes zum Grafen Bretow

9beterft und sie wäre jetzt Löwens Braut. Ob eine glückliche? Rur kein Grübeln, es war ja anders entschieden. Mit leichtem Scherzwort antwortete sie jetzt dem Grafen, daß sich Herr von Löwen wohl noch trösten werde. Eine Biegung des Schienenweges kam und verschwunden waren die hoch- aufragenden Thürme und die matt erleuchteten Fenster der Festung.

Herr von Löwen blickte "durch die Scheiben hinaus in die dunkle Nacht und er hörte dai Rollen des Eisenbahnzuqes. Als der Zug schnell entschwand, überließ Löwen sich wieder seinen düsteren Gedanken.

f ,-Ei, Herr Kamerad, in so trüber Stimmung? Run, viel- lM kann ich sie bannen!" Mit diesen Worten klopfte ihm plötzlich der Festungscom Mandant, ein älterer Herr in der Kleidung eine» höheren Offiziers, freundlich auf die Schulter. Soeben kam ein Telegramm, Sie sind von dem gnädigen Landesherrn begnadigt. Richt wahr, so ist es recht? Sie nahmen die Angelegenheit allzu schwer. Das geht nicht an die Ehre, so em wenig Ausruhen unter meiner Aufsicht: ich denke, ich führe kein so strenges Regiment über meine Herren Pflegesöhne.

Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für Ihre theil- nehmenden Worte, Herr Oberst, und besonders für alle Güte daß Sie mir noch heute Abend meine Begnadigung mitthetlen. Die Haft bedrückt mich nicht, das Duell war nach Imeinen Begriffen von Ehre unvermeidlich."

Jetzt aber lassen Sie uns die neue Freiheit durch einen Trunk feiern, Ihre Herren Gefährten werden noch einige Stunden mit Ihnen verleben wollen, ehe Sie scheiden. Es sehnt sich allerdings Mancher von ihnen nicht allzu sehr nach der goldenen Freiheit, denn hier ist man sicher vor den herz- losen Gläubigern. Uebrigen» noch eine Neuigkeit. Soeben fuhren Prirzessin Lora und Gefolge mit dem Eilzug vorüber nach dem Süden. Na, glückliche Reise!"

Löwen entgegnete nichts, seine Aufmerksamkeit richtete sich einzig darauf, seine Briefschaften zu ordnen, dann folgte er dem alten, liebenswürdigen Herrn, so wenig Neigung er auch in dem Augenblicke für heiteres Beisammensein mit den Kame­raden hegte.

Löwens Ursache, ernst zu sein, war eine sehr tiefe. Er hatte ein Begräbniß gehalten ohne Krepp und Palmen, un­gesehen von Anderen, aber mit bitterem Kummer im Herzen um so bitterer, weil Niemand ahnen durfte, wa« er einaesarat' Er hatte seine heiße, edle Jugendliebe begraben, das Glück seine« Leben«, Alls«, was er von der Zukunft gehofft, schien ihm letzt verloren oder doch Alles öde und traurig. Löwen gehörte nicht zu Denen, welche von einer Blums zur andern flattern. Sein Trost sollte hinfort eine strenge Thätigkeit sem, er war entschlossen, den Abschied vom Militär zu er­bitten und sich der Bewirthschaftung seiner großen Güter zu widmen. (Fortsetzung folgt.)

°uf das Höflichste, legte ihr eine Menge Stoffe Auswahl vor, schien aber bei der Generalstochter, bei der ÄVTuÄ'

.Zu Haus angekommen, schilderte Elisabeth dem Vater ärgerlch ihren Verdruß, wollte sofort den Diener zu Rede setzen, bekam aber dazu nicht die Erlaubniß. Der General murmelte abgerissene Worte von Versehen, Vergeßlichkeit, un- verschämten Erpressungen und dergleichen ähnlichen Dingen, und erklärte dann plötzlich der empörten Tochter, daß er die Sache schon in Ordnung bringen werde.

luugsam sür Elisabeths Ungeduld verstrichen bi- Wochen bis zur Abreise. Schneiderin und Jungfer quälte sie mit ungereimten Anforderungen, nichts erschien ihr modern u"° ekgant genug. Ohne nur zu fragen, machte sie noch eine Menge Einkäufe von nutzlosen Gegenständen, die indeß von hohem Preise waren. Zum Unglück fanden sich noch ^wwer gefällige Geschäftsleute, denen der Stand und Name Elisabeth von Kronau sichere Bürgschaft für Bezahlung zu

- fnb?S flanben ble Koffer gepackt, der Tag der Abreise war festgesetzt.

Rauher Wind fegte durch die Straßen, große Regen- tropfen strömten au« den dunklen, tiefhängenden Wolken herab und schlugen mit lautem Schall an die Scheiben.

Einzelne Schneeflocken wirbelten in lustigem Tanz in der »uft, weit mehr an den vergangenen Winter, al« an den nahenden Frühling erinnernd, welchem die frierende Mensch, beit sehnsuchtsvoll entgegensah. Vor der Hand blieb aber den Menschen nichts übrig, als die Flammen im Ofen zu schüren und sich dem alten Freund in möglichster Nähe ein behagliches Plätzchen zu wählen, denn der erhoffte Frühling blieb aus.

Auf den Straßen der Hauptstadt herrschte im Vergleich tu , sonstigen Lärm große Stille. Nur als bei dem trüben Simmel zeitig die Dämmerung hereinbrach, sah man im flackernden Lichte der Gaslaternen mehrere Hofwagen schnell ihrem Ziel, dem Bahnhofe, zurollen. Ein fürstlicher Salon- wagen ward dem Eilzug hinzugesügt, ein Coupöe für die Dienerschaft reservirt- Kurz vor Abgang des Zuges fanden flch Damen und Herren aus den ersten Kreisen der Gesell- schäft ein, die Damen mit prächtigen Frühlingsblumen für die Prinzessin als einen letzten Gruß auf die Reise. Nun erschien Prinzessin Lora am Arme ihres Gemahls, ihr folgten die Damen und Herren des Gefolges- Elisabeth von Kronau war auch dabei. Stolz erhobenen Hauptes schritt sie einher: vergessen hatte sie, wie weh sie ihrer Mutter durch den Ent­schluß, der Prinzessin in's Ausland zu folgen, gethan, daß sogar der Mutter körperliches Befinden auf's Neue darunter litt.

Elisabeth fühlte nur den Triumph, geführt von Graf Bretow, dessen Schönheit durch die Blässe seines Gesichts, wahrscheinlich eine Folge seines geheimnißvollen Duells, noch erhöht erschien vor den Augen der vornehmen Damenwelt, zum Wagen zu gehen. Wie ganz anders war es gewesen, als sie im vorigen Jahre mit der Mutter einen kleinen billigen Badeort aufsuchen mußte; sie dachte mit Schrecken der Abreise m einem Wagen zweiter Klaffe, während mehrere bekannte Damen selbstverständlich fanden, daß man zusammen erster Klasse reise- O, sie wußte recht gut, daß man genug spöttelte Wer ihren Geiz oder ihre Armuth. Ueberhaupt, das ewige Sparen, die fortwährende Versicherung der Mutter, daß Alles zu theuer fei, waren Elisabeth schon seit Monaten lästig und W fürchtete sich deshalb vor dem nächsten Ausflug in Gesell- Waft der Mutter. Und nun befand sie sich im Gefolge einer Prinzessin.