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Eiger verwandelt. In der Ferne stand Löwen, fie wollte ihm winken und seine Hilfe in Anspruch nehmen, vermochte aber kein Glied zu rühren. Sie strengte sich mit aller Kraft an, Löwen zu Hilfe zu rufen, allein die Stimme versagte ihr. Nur ein verächtlicher Blick traf sie, er verschwand.
Endlich schlug Elisabeth die Augen auf. Das Stuben« Mädchen stand vor ihr und sagte: „Die Frau General läßt das gnädige Fräulein bitten, zu ihr zu kommen, es geht ihr heute weniger gut. Es scheint in dem alten Leiden eine Verschlimmerung eingetreten zu sein/
Schnell erhob sich Elisabeth, es war schon sehr spät am Morgen, fie kühlte ihr heißes Gesicht, machte Toilette und begab sich zu ihrer Mutter. In warme Decken gehüllt, lehnte Frau von Kronau im Sopha; ihr feines, bleiches Gesicht trug die Spuren eines langwierigen tiefen Leidens, ihre müde Stimme verrieth die körperliche Schwäche, während die feinen Hände wie in heftiger Erregung leise zitterten-
„Guten Morgen, liebe Mutter I Mit großem Bedauern erfahre ich, daß es Dir weniger gut geht, hoffentlich hat unsere späte Heimkehr Dich nicht zu sehr gestört."
Mit diesen Worten beugte die Tochter sich herab zur Mutter.
„Nein, mein Kind, Ihr habt mich nicht gestört," entgegnete die Kranke. „Etwas ganz anderes hat mich aber furchtbar erregt," fuhr sie fort, nachdem die Zofe stch auf einen Wink entfernt hatte. „Wie mir der Vater soeben mitthetlte, hast Du die Aufforderung angenommen, Prinzessin Lora auf der Reise als Hofdame zu begleiten, später diese Stellung auch fest anzunehmen, wenn e» Ihre Durchlaucht die Prinzessin wünscht. Wie konntest Du so rasch auf diesen Vorschlag eingehen, Elisabeth?"
„Der Landesherr selbst veranlaßte mich dazu, diese Stellung anzunehmen, als er mich durch eine Unterhaltung auszeichnete. Die Prinzeß Lora sprach mir dann ihre Freude über meine Annahme aus, mir blieb da keine Wahl."
„Du konntest Dir aber doch Bedenkzeit ausbitten, auch den Vater sofort fragen. Dies Recht blieb Dir, statt dessen theiltest Du ihm nur die Thatsache mit."
„Es war längst de» Vater« Wunsch, daß ich Hofdame wü de. Es ist dies doch eine hohe Auszeichnung und hätte gar nicht abgeschlagen werden können. Oder wollt Ihr mich unglücklich und lächerlich machen, indem Ihr Eure Erlaubniß versagt?"
„Nun ist er zu spät," sagte Frau von Kronau seufzend. „Ich werde meine Freundin, Baronin von Feldern, dringend bitten, Dich in ihre besondere Obhut zu nehmen."
„Huh, diese Baronin, sie gilt als der böse Schatten in der Hofhaltung der Prinzeß I"
„Kein verletzendes Wort gegen diese verehrte Frau," fiel die Mutter in strengem Ton jetzt der Tochter in'» Wort. „Wie schwer ihre Stellung ist, davon hast Du keinen Begriff. Nur die mütterliche Liebe für den Gemahl der Prinzeß Lora fesselt sie an den Posten, dessen Schwierigkeiten die Wenigsten ahnen. Ebenso ist es mit dem Galten der Baronin, dem Hofmarschall der Prinzeß."
„Sie sind die Berichterstatter des Fürsten, die harmlosesten Vorgänge tragen sie zu seinen Ohren."
„Elisabeth, ich warne Dich noch einmal, hüte Deine Zunge. Leider kann ich sonst nichts mehr thun, um Dich vor manchen Gefahren zu warnen," entgegnete Frau von Kronau. Sie sank ermüdet zurück und gab ihrer Tochter einen Wink, sie allein zu lassen.
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Eine trübe Stimmung herrschte in des Generals Hause. Dieser selbst hätte seiner Tochter wohl eine Stellung am Hofe gewünscht, nicht aber gerade die von ihr höchst selbstständig gewählte. Er allein wäre im Stande gewesen, die Sache rückgängig zu machen, indem er ein offene« Wort mit dem Landesherrn sprach. Der General stand dem Landesherrn als Jugendfreund nahe. Allein zu schwach, der verwöhnten Tochter einen Wunsch zu versagen, überhörte der General
von Kronau die Bitten seiner Gattin. Zwischen Mutter und Tochter hatte sich deshalb bald eine Scheidewand ausgerichtet, welche nur höher erstand, als Rittmeister von Löwen schrieb, daß die entschiedene Ablehnung, welche er von Elisabeth erhalten, ihn leider der Freude beraube, ferner in der von ihm so hochverehrten Familie zu verkehren.
Auch ein Abschiedsbrief Löwens erfolgte direct an Elisabeth von Kronau, doch sie hielt es nicht der Mühe werth, den Eltern davon Mittheilung zu machen.
„Gott möge Elisabeth ein treuer Führer sein, sie behüten, wenn Gefahren, jetzt ungeahnt, ihr nahe treten! Vielleicht erwacht in ihr die Sehnsucht nach der Eltern Rath und Schutz, wenn die Fremde ihren Reiz verliert, wenn der Ernst des Lebens ihr nahe tritt." So sagte damals die treue Mutter, Thränen im Auge.
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Allerhand Gerüchte durchschwirrten wenige Tage nach jenem Hoffest die Stadt. Aus den hohen Kreisen entstehend, verbreiteten sie sich auch unter Fernstehenden, wurden bei geselligem Zusammensein sowie in den Familien durchgesprochen. Dabei wurde Wahre« und Falsches durcheinander geschüttet und endlich über andere Neuigkeiten vergeffen.
Zuerst erzählte man sich, daß einer der beliebtesten Herren in der Hofgesellschaft, Graf Bretow, auf einem Ritt verunglückt sei, den Arm gebrochen habe und an da« Zimmer gefesselt sei. Herr von Löwen habe ganz überraschend einen mehrmonatlichen Urlaub angetreten. Gut Unterrichtete behaupteten dem gegenüber, der Graf sei im Duell verwundet worden, sein Gegner, Rittmeister von Löwen, sei dagegen zur Strafe als Gefangener auf einer Festung. Da« Gerücht, daß Fräulein von Kronau zur Hofdame der Prinzessin Lora ernannt sei, bestätigte sich augenscheinlich. Täglich sah man Elisabeth von Kronau, den Ausdruck höchster Befriedigung in dem hübschen Gesicht, nachlässig in einer Hofequipage lehnend, nach dem Palais ihrer Gebieterin fahren, beneidet von mancher der jungen Damen aus den Adelskreisen.
In einigen Wochen, Mitte März, wollte die Prinzessin nach dem Süden reisen, um für mehrere Monate ihre Besitzung in Italien zu bewohnen.
Frau von Kronau erlaubte ihre Gesundheit noch nicht, auszugehen; Elisabeth wählte daher selbstständig in dem ersten Consectionsgeschäft ihre Reise-Ausstattung allein, wie groß war ihre Empörung, al« der Herr, welcher sie bediente, den Prinzipal herbeirief und dieser ihr nicht ohne Verlegenheit mit zögernden Worten die Bitte vortrug, erst die feit längerer Zeit sehr hoch aufgelaufene Rechnung zu berichtigen. Dabei war Elisabeth ein anderer Umstand sehr peinlich. Sie erinnerte sich nämlich sehr wohl, daß damals bei den letzten großen Einkäufen sogar ihr Papa seine gute Stimmung etwas verlor, als er die Riesensumme erfuhr, welche durch die Anschaffung verschiedener Toiletten aufgelaufen war. Die Mutter hatte anfangs nach des General« Ansicht Alles zu einfach gewählt. Deshalb hatte er selbst mit Elisabeth noch vieles Schöne dazu gekauft, ohne nach dem Preise zu fragen, nur befohlen, ihm sofort mit den Sachen die Rechnung zu schicken. Es geschah, aber Elisabeth dachte mit Schrecken des bösen Auftritts von damals, al« die Eltern die Höhe der Rechnung erfuhren. Die Mutter beschuldigte ihre Tochter des Leichtsinns, der Verschwendung. Der Vater nannte die Geschäftsleute Wucherer, behauptete, daß sein Rang zu so unverschämt hohen Forderungen Veranlassung gebe. Hierauf hatte er stch nach seinem Zimmer begeben, um sofort den Diener mit der Bezahlung zu beauftragen. Nun sollte dies aber nicht geschehen sein? War es Nachlässtgkeit de« Geschäftsinhaber«, Unehrlichkeit des langjährigen, stets al« treu erkannten Dieners, daß die Rechnung nicht bezahlt war.
Stolz, erhobenen Hauptes und ohne ein Wort zu sagen, verließ Fräulein von Kronau dar Geschäft. Sie bemerkte dabet weder das höhnische Lächeln des Geschäftsinhabers, noch hörte sie seine Bemerkungen über thörichten Hochmuth.
Zunächst suchte fie ein anderes Geschäft auf, hier be-


