Ausgabe 
17.1.1895
 
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Tante Dorothea brach m Thränen aus. |Selbstverständlich, Herr Professor!"

Nur ruhig, sagte der Professor,er liegt ja für's erste I Sie entfernten sich nach kurzem Abschied.

fest genug. Hoffen wir vor allen Dingen, liebe Freundin,Tante," rief Elisabeth jetzt mit von Thränen erstickter daß er mit dem Leben davonkommt, dann ist sein Verdienst. Stimme,er wird dort im Hospital unter fremden Händen conto immerhin groß genug geworden, um sein Soll und sterben. O, nimm ihn hierher, unsere Liebe wird ihn retten, Haben, zumal man auch mit der öffentlichen Meinung rechnen | ihn dem Leben zurückgeben."

muß, Ezugleichen." I »Ach, liebes Kind, das wird nicht angehsn und von den

."Wenn ich nur wüßte, was man für ihn thun könnte," Aerzten nicht zugegeben werden," seufzte die alte Dame, sie klagte die alte Dame, sich die Augen t ocknendMein Him- trostlos anblickend.Ein solcher Transport könnte ihn auf mel, lieber Professor, es wäre doch gar zu schrecklich, wenn j der Stelle tödten."

der Arme nur heimgekehrt wäre, um hier zu sterben, ohne eins IAber wir könnten es doch versuchen." Aussöhnung erlangt zu haben." Die Tante schüttelte den Kopf.

gesetzt und sogar den Entschluß gefaßt hat, ihm im Todesfälle ^tzt trotz seiner

die letzte Ehre zu erweisen" I rettenden Thaten bestrafen könnte, Tante?

Elisabeth trat hastig an's Fenster, während Tante Doro- unb ihm

thea wieder in Thränen ausbrach. wohl mildernde Umstände, doch keine Begnadigung zugestehen,

Wenn er's nun durch das Blatt erfährt," klagte sie auf's ^lch«- einzig rn der Hand unseres Herzogs liegt. Vergiß Neue,Kind, das überlebt er nicht. Ist denn fein Freund, I auA ' wein Kmd, daß Willibald sich gegen die Militär-

der Amerikaner, noch nicht frei?" ° I g^etze schwer vergangen hat, Mordversuch und Desertion, für

In diesem Augenblick ertönte die Klingel. Leonore eilte welche niemals Gnade gewährt werden kann, wie mein Bruder hinaus, um zu öffnen, und fuhr mit einem leisen Schrei zurück, I m r ssenug -mseinandergesetzt hat."

als der Amerikaner vor ihr stand. . . »Aber jener Mensch peinigte ihn bis zur Verzweiflung,"

Wenn man den Wolf nennt, kommt er gereimt, soeben z 'P! Elisabeth leidenschaftlich, »Papa hätte damals für ihn sprachen wir von Ihnen, Herr Hamson!" sagte sie, ihm ver- ^treten, dem Herzog selber die Sache vortragen müssen. Er wirrt die Hand entgegenstreckend. that es nicht -"

Er ergr>.ff sie und trat ein, die Thür hinter sich schließend , »Weil er es nicht durfte, fiel Tante Dorothea ruhig und glühende Küsse auf ihre Hand pressend. ein' »?ls. OsfiKr mußte er den vorgeschriebenen Weg gehen

Ich danke Ihnen, Miß Leonore, und würde doppelt unb b*b zuerst an den Oberst des Regiments wenden, glücklich sein, wenn Sie sich auch in Ihren eigenen Gedanken was er auch sofort gethan hat. Als echter und pflichttreuer mit mir beschäftigt hätten." konnte er ihn doch nicht entschuldigen, sondern nur die

Sie sind sehr neugierig, mein Herr," sagte Leonore, sich | A rI. ^kchtigstellen. Der Oberst, welcher bereit» seinen von ihm befreiend,kommen Sie rasch, man könnte es drinnen I , abgesandt, versprach ihm, wie Du za auch hinlänglich ebenfalls werden. Aber," setzte sie, sich wieder zu ihm ?°^engste Untersuchung der Sache, als die Flucht wendend, hinzu,wissen Sie schon, was sich mit Willibald ^Unglücklichen eintrat, durch welche er jeden Anspruch auf ereignet hat?" I Milderungsgründe verloren hatte. Ach Gott," setzte die alte

Ich las es soeben in meinem Gasthof. Bin erst vor I ?ame' Thränen ausbrechend, hinzu,ich konnte den armen einer halben Stunde aus der Haft entlassen worden. Das I °och nicht seinen Richtern ausliefern und ihn der sieht meinem Willibald wieder so recht ähnlich." | preisgeben, da ich überzeugt war, daß er sich alsdann

Sie traten in's Zimmer, wo Hamson herzlich begrüßt I e ne b"rch den Kopf gejagt hätte."

wurde. IObwohl sein Peiniger seinen Dienst guittiren mußte,

Weinen Sie nicht," sagte er im zuversichtlichsten Tone roaS schuld hinlänglich bewiesen -"

zu der alten Tante.Mein Freund Willibald ist aus zähem I .. »Aber Willibalds Vergehen nicht verringert hat," fiel Holze geschnitzt. Sollte man nicht zu ihm gelangen können, | hw Tante, sich gewaltsam fassend, ein.Wir wollen UN» Herr Professor?" I darüber nicht streiten, mein Kind, sondern die Gegenwart,

Ich denke wohl, da zufällig mein Hausarzt ihn in dere(?e 9e8 Esteht, in's Auge fassen. Wenn er

Behandlung hat " I sterben sollte, ist seine Schuld gesühnt. Mir liegt in diesem

Der alte Herr warf bei diesen Worten einen forschenden | Falle vor Allem daran, meinen Bruder mit ihm auszusöhnen Blick auf Elisabeth, deren Augen mit flehendem Ausdruck I unb °em armen Jungen dadurch das Sterben zu erleichtern." auf ihn gerichtet waren. ITante, wir müssen ihn sehen," drängte Elisabeth in

Ach, könnte ich ihn hier bei mir pflegen," seufzte Tante | fieberhafter Aufregung,wer weiß, wann der Papa mich Dorothea,wer hat denn im Hospital ein Herz für ihn I I wieder fortläßt. Weshalb sollen wir, seine nächsten An-

Aber sehen muß ich den armen Jungen, Professor!" . I gehörigen, auf den Professor warten? Ist es nicht unsere

Lisbeth und ich ebenfalls, Papa!" sprach Leonore I Pst^k, daß wir uns um ihn kümmern, uns seiner annehmen?" WCt0i t .. . , n, , IAber wir denunciren ihn damit, siehst Du das nicht

Als ob rch darüber zu bestimmen hätte," erwiderte der I ei«, Elisabeth?" w

Professor achselzuckend,weiblicher Besuch wird schwerlich zu- IAch, Tante, als ob die Behörden nicht darüber sckon gelassen werden. Vielleicht mag bei Tante Dorothea eine I im Klaren wären. Hätten sie denn sonst den Amerikaner Ausnahme stattfinden, was ich wenigstens versuchen will. I freigelassen?"

Es müßte denn sein, daß sich eine von Euch beiden als seine I Sie holte Mantel und Hut der alten Dame, die jeden Verlobte declar rte." Widerstand aufgab, hüllte sie warm ein und verließ mit ihr

könnte ja auch seine Schwester sein," bemerkte I das Haus, um sich sofort nach dem Krankenhause zu begeben, Elisabeth mit gepreßter Stimme. I wo sie den Sanitätsrath Kleemann, den ersten dirigirenden

--''Tnmit wäre alsdann seine Persönlichkeit sofort fest- 1 Arzt der Anstalt, jetzt sicher finden konnten.

SlbieM! 6ie Gleiten mich, Herr Hamson?" \Nein, wen meinst Du?"