Ausgabe 
17.1.1895
 
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MkrhaltmigMatt ?um Gießener AnMger (General Anzeiger).

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Sturmfluth.

Roman von Em. Heinrichs.

(Fortsetzung.)

Ja, komm' nur. Herzchen I" sprach Leonore laut.Du wirst Dich erkältet haben. Ruhe ist das beste Heilmittel für Dich."

Wie? Was?" rief der Hauptmann erschrocken. Meine Lisbeth ist doch nicht krank? Na, höre, Kleine, das wäre jetzt eine schöne Bescheerung für mich."

Elisabeth bezwang ihre tiefe Erregung und lächelte ihn beruhigend an.

Es wird eine vorübergehende Nerven-Erregung sein," meinte der Rath.

Ja, natürlich," bestätigte Leonore,Sie können ganz ruhig sein, Onkel Hauptmann! Ich werde ihre Nerven schon wieder in Ordnung bringen. Und Sie, liebe Frau Rath, bereiten uns eine Tasse Thee?"

Gewiß, mit Vergnügen, in fünf Minuten soll er fertig sein."

Die jungen Damen verschwanden in's Nebenzimmer, wo sie ungestört waren und es Leonorens tröstendem Zuspruch ge­lang, die Freundin zu beruhigen unv ihr Herz mit Muth und Hoffnung zu erfüllen.

»Du sollst ihn sehen," sagte sie,Papa soll für sich und un» Beide die Erlaubniß dazu erwirken. Unser Sanitäts­rath behandelt ihn, der wird's leicht ermöglichen können. Wenn nur Hamson frei wäre!"

Elisabeth sah sie entsetzt an.

Großer Gott, Lore, man wird ihn jetzt erkennen und wenn er genesen sollte, den Deserteur bestrafen."

Lasse Dir darüber noch kein graues Haar wachsen, liebe Seele! Daß man ihn als den gestern Abend denuncirten und verfolgten Flüchtling erkennen wird, ist doch ganz selbst­verständlich, hat aber unter den gegenwärtigen Umständen gar keine Bedeutung. Sobald fein Zustand jedoch eine Wendung zum Besseren nehmen und die Aerzte ihn außer Gefahr er­klären sollten, muß etwas für feine Ehrenrettung oder für feine Begnadigung geschehen und damit müssen wir uns direet i

an denZHerzog wenden.8 Bis dahin aber wollen wir die Hoff­nung festhalten und der kräftigen Constitution unseres Helden vertrauen."

Elisabeth drückte ihr dankbar die Hand und athmete tief auf, um den Alp, der ihr Herz belastete, gewaltsam abzu­schütteln. Sie sah ein, daß sie handeln, aber nicht müßig trauern und verzweifeln mußte, und richtete sich entschlossen auf.

Wenn ich ihn pflegen dürfte," flüsterte sie,ich würde ihn dem Tode abringen."

Ja, Theuerste, ich glaube jetzt selber an die Wunder­kraft der Liebe," erwiderte Leonore mit ungewohnter Schwär­merei.Weißt Du, Lisbeth," setzte sie plötzlich mit einer un­verkennbaren Genugthuung hinzu,daß die Spionin und Denunciantin bereits ihre grausamste Strafe erhalten hat?"

Er hat sie am Ende persönlich gerettet," rief Elisabeth erregt;ja, das wäre allerdings für dieser rachsüchtige Wesen die härteste Strafe, um ihren Hochmuth, ihren verknöcherten Jch.Cultus grausam zu demüthigen."

Feurige Kohlen auf ihr schuldiges Haupt," sagte Leo­nore, triumphirend nickend,ich gestehe, daß mich dieser Ge­danke förmlich erquickt. Und war den Onkel Hauptmann an­betrifft, der den armen Willibald stets für einen Feigling er» klärt und für ewige Zeiten in Acht und Bann gethan hat, so gönne ich ihm diese Niederlage seines soldatischen Hochmuth» ebenfalls von ganzem Herzen, da er bald genug seinen wahren Namen erfahren wird."

Vor diesem Augenblick zittere ich, Lore!"

Weshalb? Ist es nicht ein Triumph für Dich, die stets treu zu ihm gehalten hat?"

Der Schlag wird zu unerwartet und deshalb zu schwer für den alten Mann sein," seufzte Elisabeth,er wird ihn zerschmettern"

Dann soll mein Papa ihn daraus vorbereiten oder na, wer ist denn jetzt drinnen?" unterbrach sich Leonore auf­horchend.So wahr ich lebe, der Candidat Melchior! Komm', Liebe, ich bin zu neugierig auf ihn"

Die Frau Rath trat mit dem Thee in's Zimmer und bat Elisabeth, hier zu bleiben und erst durch ein Täßchen ihre Nerven zu beruhigen, woraus Leonore sie in's Sopha nieder­drückte, die aufmerksame Frau Rath lobte und sich rasch in