Ausgabe 
16.11.1895
 
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Unterhaltnngsblatt puit Gießener Anzeiger (General-Anzeiger)

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Auf japanischer Erde.

Novelle von W. H. G e i n b o r g.

(Fortsetzung.)

Thomas Ellis hatte ihre Hand an seine Lippen gedrückt, nicht ungestüm und feurig wie ein Liebhaber, sondern beschei« den und ehrerbietig, wie ein Vasall die Hand seiner Fürstin küßt.

Sie werden mich also fortan als Ihren Freund be­trachten nicht wahr? Und Sie werden mir vertrauen, auch wenn ich nicht immer im Stande sein sollte, Sie vorher von dem Zweck meiner Worte und Handlungen zu unter­richten? Auf welches letzte Ziel sie allesammt gerichtet sein werden, ist Ihnen ja jetzt bekannt und Sie dürfen es gewiß meiner Lebenserfahrung überlasten, die geeigneten Wege zu wählen."

Ich vertraue Ihnen unbedingt," erwiderte Maud mit Wärme.Und wenn Sie sich wirklich mit meiner Freund, schäft begnügen wollen statt der Liebe, die sich nun einmal nicht erzwingen läßt, so werde ich Ihnen gewiß bis an's Ende meines Lebens die beste und treueste Freundin sein."

Er küßte ihr noch einmal die Hand und ging. Nichts in seinem Benehmen hatte auch nur für einen einzigen Augen« blick vermuthen lasten, daß er von Eifersucht gegen einen glücklicheren Nebenbuhler erfüllt sei. Seine Haltung war vom ersten bis zum letzten Worte die eines tadellosen Ehren« mannes gewesen, eines Mannes, den die Lauterkeit seines kharacters bergehoch erhebt über alle gemeinen Leidenschaften und niedrigen Jnstincte-

Aber al» er dann den Weg von dem Consulat nach dem Clubhaufe einschlug, murmelte er mit einem bösen Lächeln in sich hinein:Schönen Dank für Ihre hilfreiche Bundes« genostsnschaft, mein verehrter Herr Consul! Mit solcher Unter­stützung kann mir'« ja nicht fehlen. Aber der Bursche muß au» dem Wege er muß au» dem Wege!"

VII.

In dem Clubhause, au» dessen Innerem die Spuren des gestrigen Fester bereits wieder beseitigt waren, hatten sich die

unverheiratheten Herren, die dort zu speisen pflegten, größten- theils schon eingefunden, denn die Dinerstunde war nicht mehr fern.

Auch Georg Stralendorf befand sich inmitten einer kleinen, lebhaft plaudernden Gruppe; und Thomas Ellis, der sich im Uebrigen darauf beschränkt hatte, nach allen Seiten kurz und gemessen zu grüßen, ging, sobald er ihn erblickt hatte, gerade­wegs aus ihn zu, um ihm zum Erstaunen der Umsitzenden kräftig die Hand zu schütteln.

In die Unterhaltung mischte er sich freilich nicht erst ein, sondern setzte sich nach einigen gleichgiltigen Worten an den nächsten Tisch, auf dem verschiedene englische und amerikanische Zeitungen lagen- Hinter einem der mächtigen Blätter ver­borgen, schien er bald ganz mit seiner Seetüre beschäftigt, und das Gespräch, das die anderen sogleich wieder ausgenom­men hatten, drehte sich ja auch um einen Gegenstand, der ihn kaum sonderlich interesstren konnte.

Man verabredete da nämlich für den folgenden Tag einen gemeinschaftlichen Ausflug zu Pferde nach einem wegen seiner landschaftlichen Schönheit berühmten Dorfe in den nahe gelegenen Bergen und mit großer Lebhaftigkeit wurden alle für den ziemlich weiten Ritt in Betracht kommenden Vor­kehrungen besprochen.

Zuletzt machte einer von der kleinen Gesellschaft die flüsternde Bemerkung, daß es doch wohl eine Pflicht der Höf­lichkeit fei, auch Thomas Ellis zur Betheiligung an der Partie aufzufordern und man stimmte ihm kopfnickend zu, wenn auch sicherlich keiner von der Anwesenheit des verschlossenen, wort­kargen Mannes eine Erhöhung des Vergnügens erwartete

In der höflichsten Form wurde dem'Lesenden die Ein­ladung übermittelt, und er schien ein paar Secunden lang unschlüssig, ob er sie annehmen oder ablehnen solle. Dann aber hatte er sich doch für das letztere entschieden.

Ich bin Ihnen für Ihre Freundlichkeit sehr verbunden, meine Herren," sagte er,und ich würde mich Ihnen sehr gern anschlteßen, wenn Sie nicht gerade den morgigen Tag für Ihren Ausflug gewählt hätten. Eine überaus dringende Arbeit, die bis zum Abgang der nächsten europäischen Post fertiggestellt sein muß, fesselt mich leider an den Schreibtisch- Aber ich wünsche Ihnen jedenfalls viel Vergnügen und Sie gestatten mir vielleicht, Ihnen in Bezug auf den Weg, den