Ausgabe 
16.7.1895
 
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Dienstag den 16. Inti

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UnterhaltungsblaN Mi Güßener Anseiger ((tzenrnü AiiMger).

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Die Tochter des Meeres.

Äewm w* 8. St«eie.

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Mama, ist es nicht zu sonderbar, daß Jeder von dem Mädchen ganz entzückt zu sein scheint?" rief Triffa ärgerlich aus, sobald sich die Thür hinter dem Herzog geschlossen hatte. Du stehst, daß der Herzog nur ihretwegen und nicht meinet» wegen kam. Ich wünschte, er hätte sie nie gesehen. Nicht weil ich sie nicht leiden könnte, aber es ist doch zu ärgerlich, daß mit ihr so viel Wesens gemacht wird."

Beruhige Dich, mein Kind," versetzte die Mutter tröstend. Ich gestehe, daß ich sehr die Unvorsichtigkeit bereue, die Cora in unser Haus gebracht. Aber das läßt sich nicht un- geschehen machen und wir müssen suchen, es möglichst zum Guten zu wenden-"

Aber wie, Mama? Wie?" fragte Triffa ungeduldig.

Wir müffen eine Gesellschaft geben," versetzte Frau Digby,bei welcher Cora in ganz paffender Weise erscheinen soll, aber doch mehr Deiner Persönlichkeit angemessen. Ver­stehst Du mich, Kind?"

Keineswegs!" entgegnete Trissa gereizt.Wenn Du beabsichtigst, ich solle Cora in des Herzogs oder auch in des Onkel« Augen in den Schatten stellen, so bist Du sehr im Jrrthum."

Wohl möglich!" sagte die Mutter.Doch wir müffen das zu ändern suchen. Was meinst Du zu einem kleinen Lheaterspiel, in welchem Du und Cora die Hauptrollen über­nehmen ?"

Mama, wo denkst Du hin?" erwiderte Triffa aufgeregt.

Höre mich an, Kind ... ich habe mir die Sache reif­lich überlegt und bin auch schon wegen de» Stücke» mit mir im Klaren. Ihr spielt die Elfenpartie aus dem Sommernachts­traum. Du stellst Titania und auch Helene dar, da hast Du volle Gelegenheit, Deine Talente zu entfalten, und Cora kann Hermina übernehmen; wenn Du da die Situation nicht be­nützest und nicht eines Jeden Herz und Bewunderung gewinnst, ist es Deine eigene Schuld, denn dafür will ich sorgen, daß die Costüme, sowie Alles, was dazu gehört, tadellos ist."

Wer sollen die mitspielenden Herren sein?" erwiderte

die Tochter.Du wirst doch nicht wollen, daß ich mit einem mir ganz gleichgültigen Menschen spiele?"

Nein, nein ... ich werde mein Möglichstes thun. Für Cora werde ich -Herrn de Bettune bitten und für Dich will ich Sir Claud Wilmot aufford.ern . ... der paßt ganz gut. dazu/des'Herzogs Eifersucht zu erregen, im Falle er doch an Dich denken sollte. Und die übrigen Rollen können Dein Bruder und einige seiner Freunde übernehmen. E» bedarf nur noch Deines Onkel» Einwilligung, sobald ich mir überlegt habe, wie ich da» Speise» und Bibliothekzimmer in ein Theater umwandle und Eure Costüme gewählt habe."

O, Mama, da» kann ich rasch allein arrangiren," rief Triffa eifrig.Für Titania möchte ich Silbergaze und einen blauen Shawl haben und zu einer Krone gibst Du mir da« Brillantdiadem, das Du mir versprochen hast, wenn ich mich verheirathe ... und für Helena ein schwarzes Sammetcostüm und meinen Perlenschmuck und nur weiße Rosen in's Haar. Das sind zwei reizende, gänzlich verschiedene Costüme, die mir Beide herrlich stehen werden."

Anspruchsvolles Mädchen!" sagte sie halb vorwurfsvoll. Deinem kostspieligen Geschmack nach bist Du allerdings zu einer Herzogin geboren. Doch dieses Mal will ich Dir freie Hand laffen. Nur bedenke, daß, wenn Du Deinen Zweck nicht erreichst und das viele Geld vergeudet worden ist, Du die großen Ausgaben in den nächsten Monaten durch Sparsam­keit wieder einzubringen suchen mußt."

Da» wird sich ja finden, Mama. Wozu wollen wir uns damit im Voraus Sorgen machen?" entgegnete Triffa munter.Aber was soll Cora tragen? Jedenfalls wird ste Dir doch die Entscheidung darüber erlaffen und Du wirst sie an Eleganz doch nicht mir gleichstellen wollen?"

Frau Digby überlegte einen Augenblick.

Was meinst Du dazu, wenn sie grün trägt? Es kann ja recht nett arrangirt werden, doch grün ist, glaube ich, die Farbe, die sie am wenigsten gut kleidet?"

Ich glaube, Du hast Recht. Das ist die beste Farbe für Cora."

Die Vorbereitungen zu der Theatervorstellung waren in vollem Gange und Frau Digby» Programm wurde genau durchgeführt .... mit einer einzigen Ausnahme: Herr de Bettune fehlte unter den Mitwirkenden, er hatte abgelehnt.