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nur mehr mit einem Äuge, die Hand auf die Waffen z gelegt, bereit, sich beim ersten Appell zu erheben.
Seit dem Abend, an dem Lefebvre im Vaux-Hall die Bekanntschaft der Wäscherin Catherine gemacht hatte, war die Stadt ein Hochofen geworden. In diesem Riesenkeffel kochte die Revolution.
Die Marseillaisen waren angekommen und erfüllten die Stadt und Clubs mit ihrem Feuer, ihrem sonnenglutherhitzten Patriotismus und ihrer kriegerischen Begeisterung. Sie weckten das Echo mit der unsterblichen Hymne der Rheinarmee, die dem plötzlich inspirirten Genie und dem zuckenden Herzen Rouget de Lisles entsprungen war. Sie lehrten sie den Parisern, die, statt den ewigen Nationalgesang die Fran- caise zu nennen, ihm großartig den Namen „Marseillaise" gaben.
Der Hof und das Volk bereiteten sich zum offenen Kampfe vor.
Der Hof verbarrikadirte die Tuillerien, ließ die von Courbevoi und Rueil geschickten Schweizer darin garnisoniren und berief die adeligen Fanatiker, die man seit dem Oktober - bankett, wo sie die Nationalcocarde mit Füßen getreten hatten, die Ritter vom Dolch nannte.
Diesen großen Tag, der Steg der Revolution und der Rupublik war — denn der 22. September proklamirte und legalistrte bloß die große Thatsache des 10. August — organistrt, angeordnet, decretirt zu haben, kann sich Niemand rühmen.
Danton schlief bei Camille Desmoulins, als man ihn in die Commune holen kam. Marat vergrub sich in feinen Keller. Robespierre stand abseits, er wurde erst am 11. zum Mitglied der Commune ernannt. Barbaroux hatte die Ehre abgelehnt, die Marseillaiser anzuführen, und Santerre, der große Agitator vom Faubourg Saint-Antoine, figurirte erst unter Tags im Kampfe.
Der 10. August, diese anonyme Jnsurrection, diese Schlacht ohne Obercommandanten, hatte zum General die Menge.
Die Bewegung begann erst nach der zwölften Stunde dieser strahlenden Nacht des 9. August.
Die Emissäre der siebenundvierzig Sectionen, welche die Absetzung des Königthums verlangt hatten — eine, die Section Manconfeil, hatte sie votirt — kreisten still durch die Straßen und gaben von Thür zu Thür das Losungswort aus: „Zu den Waffen, wenn ihr die Sturmglocken läuten und den Rappel schlagen hört."
Gegen ein Uhr läutete die Sturmglocke in mehreren Kirchen. Die Glocke von Saint-Germain d'Auxerois, die das Blutbad der Bartholomäusnacht eingeläutet hatte, zog jetzt das Zügenglöcklein der Monarchie.
Bei diesem düsteren Lärm, den bald das ferne Rollen der zum Rappel gerührten Trommeln begleitete, erhob sich Paris und griff, sich die Augen reibend, zu den Gewehren. Der Mond war untergegangen, Schatten lagerten sich über die Stadt. Aber in allen Fenstern entzündete sich ein Licht näch dem anderen. Diese plötzliche, wie sür ein Fest bestimmte Illumination machte einen düsteren Eindruck. Es war die künstliche Dämmerung eines Tages, an dem der Dampf der Geschütze, der Rauch der Feuersbrünste und der Blutdunst die Sonne verdunkeln sollten.
Nach und nach öffneten sich in den erwachenden Straßen die Thore. Bewaffnete Männer erschienen auf der Schwelle. Sie befragten den Horizont, spitzten das Ohr, auf das Vorüberkommen der Sectionen wartend, um in Reih und Glied zu treten, und fahen den Tag über die Dächer aufsteigen. Flintenkolben wiedsrhallten auf dem Pflaster. In den Straßen und Höfen hörte man das Krachen der Batterien, die man spielen ließ, das metallische Geräusch der Gewehre, deren Hahn versucht ward, und das Klirren der Säbel und Piken. In den in der Nachbarschaft der Tuillerien gelegenen Häusern hatten sich alle Läden aufgethan, und mehrere derselben standen bereits offen.
Mademoiselle Sans-GLne war nicht die letzte, die ihr Näschen hinaussteckte. Mit einem kurzen Rock bekleidet, in einem koketten Nachthäubchen und die volle Brust von einem leichten Jäckchen bedeckt, hatte sie, nachdem sie vom Fenster au« den nächtlichen Lärm gehört, die Trommler ge. sehen und die Sturmglocke erkannt hatte, fich beeilt, in ihren Laden zu gehen, Licht zu machen und vorsichtig die Thür zu öffnen.
Die Rue Royale Saint-Roch, wo sich ihr Wäscherinnenladen befand, war noch einsam.
Catherine wartete, schaute und horchte . . .
Es war nicht die Neugierde allein, die sie so aus das Kommen der bewaffneten Sectionen harren ließ. Sie war eine gute Patriotin, die Sans-Gsne, aber noch ein anderes Gefühl als Tyrannenhaß bewegte ihr Herz.
Seit der in der Vaux-Hall getanzten Fricaffäe hatte sie ihren Landsmann, den Sergeanten Lefebvre, öfter wiederge- sehen — die Bekanntschaft hatte sich gefestigt, und bei einem kleinen, netten Ausflug in die Rapse, wohin sie sich ohne Schwierigkeiten zu machen, hatte führen lassen, waren Schwüre ausgetauscht und mancher Plan entworfen worden.
Der französische Exgardist hatte sich sehr unternehmend gezeigt, aber Catherine hatte ihm in so energischem Tone geantwortet, daß sie nur ihrem Gatten angehören würde, daß der über die Ohren verliebte Sergeant zuletzt von Heirath zu sprechen begann. Und Catherine nahm den Antrag an
„Wir bringen nicht viel in die Ehe mit," sagte fit fröhlich, „ich, eine Wäscherin — wo es an schlechten Kunden nicht fehlt . . ."
„Und ich, meine Tressen und die Gage ist oft im Rückstand ..."
„Das thut nichts, wir sind jung, lieben uns und haben die Zukunft vor unsl Hat mir nicht der Zauberer neulich prophezeit, daß ich Herzogin werden werde!"
„Und mir, daß ich General fein werde!"
„Vor allem hat er gesagt, daß Du die heirathen wirst, die Du liebst."
„Nun. also, machen wir die Prophezeiung durch den Anfang wahr!"
„Aber in dieser Zeit kann man nicht heirathen — ma» wird sich schlagen!"
„Setzen wir einen Tag fest, Catherine."
„Nach dem Sturz des Tyrannen — ist es Dir recht?" „Ja, das paßt mir, ich verabscheue die Tyrannen. Steh' mal her, Catherine!" (Fortsetzung folgt.)
Literarisches.
Allgemeiner dentscher Mnfter-Briefstelle« und Uni- versal-Haus-S e cretär für alle in den verschiedenen gesellschaftlichen Verhältnissen, sowie im Geschäfts-, Gewerbs- und Privatleben vor- kommenden Fälle. Unentbehrliches Handbuch für Jedermann von Georg von Gaal. Zwölfte, gänzlich umgearbeitete und den Zeitverhältnissen vollkommen angepaßte Auflage. In 13 Lieferungen zu 4 Bogen. Preis jeder Lieferung 40 Pfg. Ausgabe in zehntägigen Zwischenräumen. Auch complett geh. 5 Mk. oder geb. 6 Mk. (A. Hartleben's Verlag, Wien.) „Der Mensch ist sein Stil", sagt einer der größten Denker seiner Zeit, und in der That ist man gewohnt, aus dem Stile eines Briefes oder einer Eingabe einen berechtigten Schluß auf den Bildungsgrad seines Absenders zu ziehen. Begreiflicherweise will Niemand über seinen Bildungsgrad ein ungünstiges Urtheil ergehen lassen, und doch sind heute, bei der intensiven Steigerung des Schulwesens, die in dieser Beziehung zu stellenden Anforderungen viel größer, als sie noch vor etwa zwanzig Jahren gewesen. Ueberdies gibt es aber bei der Abfassung von Briefen und besonders von amtlichen Eingaben eine Menge formeller Nebenbedingungen, welche selbst den Gebildetsten nicht bekannt sind. Auch die Gesetzgebung schreitet fort und verlangt auf diese Weise die Kenntniß stets neuer Gesichtspunkte. Es ist daher für Jedermann von großer Wichtigkeit, für alle derartigen Fälle einen verläßlichen Rathgeber zu besitzen, und ein solcher ist der soeben in zwölfter vermehrter und verbesserter Auflage erscheinende „Allgemeine deutscher Muster-Briefsteller" von Georg von Gaal. Auch auf diese neue Auflage wurde dieselbe Sorgfalt verwendet, welche den früheren Auflagen gewidmet wurde. Alle Theile in dem ganzen Buche sind mit steter Berücksichtigung der neuesten Zeitverhältnisse verändert und zum größten Theile unrgearbeitet worden.
RitaKttai: A. Gcheyda. — »rml d«r«rüchl'schrn und Suinimtdtrei (Pietsch * Schehda) in Gichm.


