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untergeordneten Mädchen wie dieses nicht den Hof machen verlegen inne. Vielleicht hinderten sie auch die heraufsteigenden Thränen am Sprechen.

Lord Belfort lachte munter.

Meine liebe, verzogene, eigensinnige kleine Cousine, Du bist wirklich zu amüsant," sagte er und versuchte, ihre Hand m ergreifen.Ich glaube, Du willst memer schlechten Aus. sassungsgabe nachhelfen und mir begreiflich machen, es fei ein Beweis, daß ich nicht in die schöne Netta verliebt fei, wenn ich mich während einiger Minuten mit ihrer Gesellschafterin amüstre. Glaubst Du nicht, daß mir daran liegt, Deine ganze Umgebung für mich zu gewinnen, bis ich auf die Er­füllung meiner höheren Wünsche hoffen kann?'

Mir ist gleichgiltig, was dieses anmaßende Mädchen denkt. Es würde mich höchstens zu der entgegengesetzten Mei- nung bestimmen," entgegnete sie schnippisch.Du weißt Übri. gens gar nicht, wer sie wirklich ist, sonst würdest Du nicht so thöricht reden." ,

Thöricht reden ist zuweilen viel amüsanter, als klug sprechen. Vielleicht bist Du auch so gut, mich über sie auf. zuklären?" sagte er mit einer Verwegenheit, die nur von einem hübschen Menschen mit zehntausend Pfund jährlichem Einkommen entschuldigt werden konnte.

Eigentlich verdienst Du es nicht, doch ist es des Geheim- thuns gar nicht werth," erwiderte sie leichthin.Cora ist ein Kind, dessen mein Papa sich annahm, weil sie gut deutsch spricht. Ich glaube nicht, daß sie jemals Vater und Mutter gekannt hat," setzte sie bitter hinzu.Wie alle dergleichen Geschöpfe glaubt sie direct vom Himmel gekommen zu sein."

Das nennt man himmlisch geboren," sagte er ernst.

Du bist unerträglich!" entgegnete Netta ärgerlich und wandte sich zum Gehen.Ich werde Tante Emily sagen, daß Du hier bist . . . vielleicht kannst Du von ihr erfahren, was Du über dieses Geschöpf, das Du so reizend findest, zu

Madame Sans G«ne.

Roman nach Victorien Sardou und F. Morreau. Deutsch von Adele Berger.

Unglücklich und verlassen, Cora?" sagte Lord Faro, der unbemerkt näher getreten war.Sie haben doch gewiß nicht Ursache, sich zu beklagen, daß man Sie nicht ... ich meine, es wird Ihnen doch Zuneigung und Interesse genug gezeigt, wenigstens von mir?"

Ich ... ich beklage mich ja auch nicht!" sagte sie hastig.Außer wenn man mich beobachtet und belauscht."

Ich sah Ihr Kleid zwischen den Gebüschen und ich bin so selten mit Ihnen allein, daß ich einmal frei und ungezwungen mit Ihnen zu reden wünschte," erwiderte er, indem er neben ihr Platz nahm-Aber wo ist Netta?"

Sie war soeben mit Lord Belfort ... so heißt er ja wohl? ... im Schulzimmer," sagte sie kalt, obwohl sie ihre Undankbarkeit gegen ihren Wohlthäter bereute.Dort werden Sie ihn wohl noch finden."

Im Schulzimmer?" wiederholte er.So sahen Sie ihn schon, Cora?"

Ja ... doch ich wußte nicht, daß er kommen würde, sonst hätte ich das Zimmer vorher verlassen," entgegnete sie. Er suchte Miß Netta."

Fanden Sie ihn hübsch?" fragte er mit erzwungenem Lächeln.

Ich weiß es nicht. Was liegt mir auch daran?" ent­gegnete sie stolz.

Ist dem wirklich so? Dann sind Sie anders als andere junge Mädchen!" sagte er.Junge Mädchen haben gewöhn« lich großes Interesse für dergleichen Vorzüge unseres Geschlechts."

Ja, ich bin anders, ganz anders!" antwortete sie bitter. Und gerade das macht mir Kummer." (Forts, folgt.)

wissen wünschest."

Wie Du mir schmeichelst! Du bist wirklich bezaubernder, als ich erwartet hatte!" sagte der junge Edelmann und hielt sie zurück.Ich hatte kaum gehofft, daß Du Dich in so liebenswürdiger Weise meiner Launen annehmen und sie in so pikanter Weise unterstützen würdest. Aber genug des Un­sinns!" fuhr er ernster fort.Du solltest Deinen eigenen Werth besser kennen, Netta, als daß Du auch nur einen Ge­danken an eine solche Nichtigkeit verschwendest. Lord Faros Tochter braucht keine Nebenbuhlerin zu fürchten, am aller­wenigsten ihre eigene"

Jungfer . . . denn sie ist kaum etwas Besseres!" unter­brach ihn Netta, wieder heiter werdend bei der schmeichelhaften Anspielung.Aber Lord Belfort sollte auch Besseres zu thun wissen, als sie eitel und anmaßend zu machen," fuhr sie fort. Und nun, denke ich, schließen wir Frieden und sind wieder gute Freunde. Ernst ... das heißt: Wenn Du es nicht wieder thun willst ... wie wir sonst zu sagen pflegten!"

Lord Belfort Ivar dieses Mal kühner, als bei der anderen Versöhnung vor wenigen Minuten, denn er berührte die Lippen statt der Hand seiner jungen Verwandten und erhielt zum Lohn dafür einen leichten Schlag von ihren zarten Fingern.

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Inzwischen verließ Cora, die unschuldige Ursache de» kleinen Streites, das Haus und schritt rasch den schattigen Wegen zu, wo sie ungestört sein konnte.

Es ist empörend! Ich ertrage es auch nicht länger!" Mit diesen Worten machte sie ihrem schweren Herzen Luft. Mich von einem Fremden beleidigen lassen zu müssen, weil ich einsam und unbekannt bin! .... O Himmel, was wird noch aus mir werden!" fuhr sie fort, faltete krampfhaft die Hände und sank in dem Gartenhaus, das außer ihr selten Jemand betrat, aus eine Bank nieder.Warum bin ich nicht mit Denen ertrunken, die mich liebten? Jetzt bin ich unglück­lich und verlassen!"

(Fortsetzung.)

Wirklich, dieser Magier besitzt nicht viel Phantasie!" sagte Fouchö. Er prophezeit Euch allen die höchsten Loose... nur mir nichts . . . Werde ich also niemals eine Persönlich­keit werden?"

Sie find ja schon Pfarrer gewesen," sprach Catherine, was wollen Sie da noch werden?"

Meine Liebe, ich war einfach Oratoriker . . . gegen­wärtig bin ich Patriot, Feind der Tyrannen . - - Was ich sein möchte? O, ganz einfach: Polizeiminister!"

Vielleicht werden Sie es fein . . . Sie sind ja so bos­haft, wissen alles, was vorgeht, alles, was gesprochen wird, Bürger Fouchs!" antwortete Catherine.

Ja, ich werde Polizeiminister sein, wenn Sie Herzogin sein werden!" sagte er mit einem seltsamen Lächeln, das einen Augenblick seine traurigen Züge erhellte und sein Faun­profil milderte.

Der Ball war zu Ende. Die vier jungen Leute erhoben sich lachend und entfernten sich unter spöttischen Bemerkungen über den Zauberer und seiner Zauberei.

Catherine nahm den Arm Lefebvres, der die Erlaubniß erhalten hatte, sie bis an die Thür ihres Ladens zu begleiten. Vor ihnen schritten ihre drei Tischnachbarn, Napoleon Bona­parte, etwas abseits von seinen zwei Freunden Junot und Marmont, ging steif und ernst einher; von Zeit zu Zeit er» hob er die Augen zu der blauen Himmelsdecke, als verfolge er den Stern, von dem er gesprochen hatte, und der ihm allein sichtbar war.

III.

Die letzte Nacht des Königthums.

Der 10. August war ein Freitag.

Die Nacht vom 9. auf den 10. war stille, sternenhell und ruhig. Bis Mitternacht breitete der Mond sein er­frischendes Licht über die scheinbar ruhige, friedlich schlafende Stadt aus.

Dennoch schlief Paris seit mehr als vierzehn Tagen