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Aber was thut da», wenn er glücklich ist? Ich will sein Verderben nicht sein, wie Adele sagte."
Ein bitteres Lächeln glitt über ihre Züge, als ste an Adele dachte und die zunehmende Dämmerung verbarg kaum die Thränen, welche ihr dunkles Auge blendeten bet dem leidenschaftlichen Sturm der Erregung, den die vertrauten Namen heraufbeschworen.
War es ein Traum? . . -
Da ließ sich ein leiser Tritt hinter ihr hören, halb schüchtern legte sich eine Hand auf ihre leicht gebeugte Gestalt und eine Stimme drang an ihr Ohr, die ihren ganzen Körper erbeben machte ... ein Erbeben der Freuds und des unendlichen Glücks. Doch es war nur der Vorbote neuer Gefahren und Kümmerniffe für die einsame namenlose Wanderin.
„Ach, meine schöne Cousinei" waren die Worte, die ihr entzücktes Ohr trafen. „Sehe ich Dich endlich wieder!"
Das klang so ganz wie Rupert Falkners Gruß, wenn er von den langen Reisen heimkehrte, während welcher sie dem kalten Mitleid Adeles und ihrer Tante preisgegeben war, so daß sie für den Augenblick die Unmöglichkeit, daß er es sein könnte, vergaß. In ihrer namenlosen Freude wurde sie sich kaum darüber klar, wo sie sich befand. Sie hatte nur den einen Gedanken an ihn, an den Abgott ihres jungen Herzens, und sah mit einem Blick voll so strahlenden Glückes um sich, der ihre Schönheit noch erhöhte. Aus ihren lebhaften Augen sprach eine ganze Fluth von Zärtlichkeit und ihre Lippen trennte ein Lächeln, so voll unendlicher Liebe, daß es dem Eintretenden, auf den dieser Blick gerichtet und der ganz davon hingerissen war, einen Ausruf der Ueberraschung entlockte, der sich mit ihrem eigenen Schrei der Enttäuschung und des Schreckens vermischte.
„Ich ... ich glaubte," stammelte sie in ihrem neuerlernten Englisch, welches mit dem schwachen fremden Accent noch bezaubernder klang, „ich glaubte, daß . . ."
„Und ich glaubte, ich hätte meine Cousine Netta vor mir, sonst würde ich mich nicht in solcher Weise eingeführt haben," sagte der Fremde mit artiger Verbeugung und einem Lächeln, das einen seltenen Reiz hatte. Aber da der Fehler einmal begangen ist, muß ich mein Möglichstes thun, ihn wieder gut zu machen. Erlauben Sie, mein Fräulein, daß ich um Verzeihung bitte wegen der unfreiwilligen Unhöflichkeit, die sich Ernst Belfort, sonst Lord Belfort genannt, und mütterlicherseits Vetter von Miß Retta, hat zu Schulden kommen lassen."
Cora neigte erröthend den Kopf, was sie nur noch schöner erscheinen ließ und wollte ohne Weiteres das Zimmer verlassen.
„Rein!" sagte der junge Fremde in liebenswürdigem Tone, der so gut zu seinem ganzen Aeußern paßte. „Ich kann nicht an ihre Verzeihung glauben, wenn Sie mich so verlassen, während unsere Vorstellung erst halb beendet ist. Wollen Sie mich nicht mit dem Namen der Dame beehren, die als Freundin meiner Cousine, wie ich hoffe, auch bald die meine werden wird?"
Während er sprach, stellte er sich so, daß Cora ihren Platz nicht verlassen konnte, ohne daß er bei Seite trat.
„Mein Name ist rasch gesagt," versetzte sie stolz. „Ich heiße Cora vom Meere und bin nur einfache Thetlnehmerin an Miß Nettas Studien. Wollen Sie jetzt die Güte haben, mich vorbei zu lassen, Mylord?"
Er blieb einen Augenblick wie unschlüssig stehen.
Er war jung und für äußere Eindrücke empfänglich, aber durch seine Bildung und Stellung mit dem Lauf der Welt vertrauter als Mancher, der zehn Jahre älter ist. Hübsch, von vornehmer Abstammung und der Sohn einer verwittweten und in ihn geradezu vernarrten Mutter, war er rasch aus der Knabenzeit zu den Gefühlen und Erfahrungen früher Männlichkeit übergegangen.
„Einen Augenblick, Miß Cora!" sagte er mit größerer Ehrerbietung, als er bisher gezeigt hatte, in leisem, bescheidenem Ton, der den Verdacht und das Mißtrauen entwaffnete. „Ich kann Sie nicht mit dem kalten, stolzen Blick vorwurfsvoller Entrüstung über meine unfreiwillige Unehrerbietung gehen
lassen. Ich bin nämlich soeben von einer längeren Reise zurückgekehrt und eilte herbei, um den Verwandten, die ich nächst meiner Mutter am meisten schätze, meine Aufwartung zu wachen. Und Netta und ich sind in früheren Zeiten außerordentlich gute Freunde gewesen, so daß ich nach alter Weise den bekannten Weg nach diesem Zimmer nahm, und in der Meinung, meine kleine Cousine sei während meiner Abwesenheit so gewachsen, in der Dunkelheit thöricht genug war, Sie sür meine Cousine zu halten... ein Fehler, den ich aller- dings noch nicht bereuen kann. Wollen Sie mich nun mit einer etwas freundlicheren Verzeihung verlassen, als Jene war, die Sie mir soeben gewährten?"
„Ja! Ja! Es ist ja nichts zu verzeihen!" antwortete sie hastig. „Nur bitte, lassen Sie mich gehen!"
„Nicht bis Sie mir die Hand zum Zeichen der Freundschaft gegeben haben," sagte er. „Nun, es ist weder Nichtachtung, noch eitle Thorheit," fuhr er fort, als sie zurückwich. „Ich möchte mir nur den Vorwurf ersparen, daß Sie mir nicht zumuthen, ich könnte eine Dams — besonders eine Dame wie Sie — beleidigen."
Cora wich noch immer von der dargebotsnen Hand zurück, aber seine Stimme, wie seine ganze Art und Weise waren so tadellos respectabel und sie sehnte sich so angstoll schüchtern darnach, aus dem Zimmer zu kommen, daß sie hastig ihre kleine Hand in die seine legte.
Er hielt sie einen kurzen Augenblick in seinen beiden. Dann, wie von einem unwiderstehlichen Impuls, getrieben, führte er sie an seine Lippen.
Die Berührung war leicht, kaum merklich.
Aber in demselben Augenblick, in dem Cora ihre Hand ihm entzog, wurde die Thür plötzlich und fast geräuschlos geöffnet, und Netta, wie es schien vor Zorn und Verwunderung starr, betrachtete mit blitzenden Augen die vor ihr Stehenden.
„Ernst, bist Du wieder da? . . . Warum verbirgst Du Dich?" kam es fast ungestüm von ihren Lippen.
VI.
Einige Augenblicke lang herrschte tiefe», peinliches Schweigen.
Cora hatte sich stolz aufgerichtet, den Kopf herausfordernd vorgebeugt.
Lord Belfort fand nach dem ersten plötzlichen Schrecke» rasch seine gewöhnliche Ruhe wieder.
„Ich mich verbergen," rief er lachend. „Geliebte Nette, das ist eine böse Beschuldigung! Der frühe Morgen zog mich an diesen Ort, wo ich Dich zu finden hoffte. Ich fand hier aber nur eine schöne Stellvertreterin. Und nun möchte ich wissen, wer die Flüchtige ist I" setzte er heiter hinzu mit einem raschen Blick auf die davoneilende Cora.
Der halb spöttische, halb schmollende Ausdruck um Nettar Lippen verlor fich nicht, als sie antwortete: „Eine Stellvertreterin, die wunderbar dazu zu passen scheint! Ich bedauere, das interessante Zusammensein unterbrochen zu haben," fügte sie spöttisch hinzu.
Ernst lachte dagegen und bemerkte: „Meine liebe kleine Cousine! Wie sonderbar von Dir, eine solche Bagatelle st ernst zu nehmen! Es war ein bloßer Zeitvertreib, bis Du kommen würdest. Was liegt daran, wenn es sich nur um eine Untergebene handelt! Netta, Du bist viel zu liebenswürdig und klug, um Dich einer unwürdigen Eifersucht schuldig zu machen."
Der Ausdruck ihres Gesichtes wurde etwas weicher, obwohl sie mit abgewandtem Kopf und bitterem Ton erwiderte: „Dann sollte es auch unter Deiner Würde sein, Dich zu einer Täuschung herabzulaffen, Ernst," sagte sie kalt. „Aber Du scheinst mich für ein Kind zu halten, mit dem man fich nach Belieben amüsiren kann."
„Im Gegenthell, ich halte Dich für eine sehr anspruchsvolle junge Dame," erwiderte er ruhig.
„Ich bin Dir sehr verbunden," versetzte sie mit spöttischer Verbeugung. „Jedenfalls bin ich kein Kind," fuhr sie ärgerlich fort, „und weiß sehr gut, daß Du einem fremden,


