Ausgabe 
16.2.1895
 
Einzelbild herunterladen

Äenrelnnütziges.

Citrorren-Crßme. 10 Eidotter und V2 Pfund recht fein gestoßener Zucker werden zusammen 1 Stunde lang ge­rührt. Alsdann giebt man das abgeriebene Gelbe und den Saft von zwei Citronen hinzu, sowie 20 Gramm in warmem Wasser oder Weißwein gut aufgelöste Gelatine- ^Zuletzt mischt man dar von 10 Eiern zu festem Schaum geschlagene Weiße leicht aber gut hindurch, sM den Crsme in eine tiefere Kristallschüffel und giebt ihn nicht eher zur Tafel, als bis er völlig erkaltet und steif geworden ist, wozu eins Stunde hinreicht. Dieser Sterne hält sich mehrere Tage lang gut und frisch. In manchen Gasthöfen wird er für eine ganzr Woche im Voraus hergerichtet.

Reissuppe. Der Reis wird mit Butter eine Weile langsam geschmort und darf nicht gelb werden; dann verrührt man ihn auf dem Feuer je nach der Größe der herzu» stellenden Portion mit 1 bi« 2 Eßlöffeln Weizenmehl, gießt unter beständigem Rühren kochendheißes. Wasser hinzu und läßt den Reis mit Salz, Sellerie, Porre oder Zwiebeln so lange kochen, bi« er weich ist; er muß aber körnig bleiben. Man richtet ihn mit 1 bis 2 Eidottern und etwas ge» riebener Mußkatnuß an. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß Muskatnuß eins der der Gesundheit am wenigsten zu­träglichen Gewürze ist und nur wenige Speisen schmackhaft würzt.' Man muß sich darüber wundern, daß felbst in guten Kochbüchern Muskatnuß bei Gerichten Verwendung findet, bei denen sie ganz und gar nicht paßt.

* *

Weitzbrodfuppe. Man richte sich bei dieser ganz nach dem vorstehenden Recept, nur nehme man statt Reis frische, in kleine Würfel geschnittene Semmel, die man in Butter gelb und ein wenig kroß werden läßt.

Griesmehlsuppe wird* ebenso wie Reissuppe zube­reitet, nur läßt man das Mehl fort. Vorstehende sogenannte Wassersuppen sind sehr zu empfehlen, nur erfordern sie eine aufmerksame Zubereitung.

Verwendbrod. Frisches Milchweißbrod schneidet man in ungefähr zweifingerdicke Scheiben, taucht sie in ungekochte Milch und legt sie schichtweise auf einen Porzellanteller, damit sie von der Milch recht durchzogen, aber nicht allzusehr erweicht werden. Unterdessen verrührt man den ganzen Inhalt von 5 Eiern mit 1 Liter Milch und etwas Salz. In diese Flüssigkeit taucht man jede Scheibe einzeln hinein und legt sie in eine sehr saubere Kuchenpsanne, in der man vorher einen guten Stich Butter oder Butter mit Fett hat heiß werden lassen, giebt dann die übrige Eiermilch darüber und backt den Kuchen auf beiden Seiten schön hellgelb. Reichlich mit Zucker bestreut, wird er etwas abgekühlt zur Tafel ge­geben. Mit einer Lage von in Zucker eingemachten Pcetßel- beeren belegt, wird dem Geschmack des beliebten Gebäcks kein Abbruch gethan. *

Häringsspeife. Die frischen, gewaschenen und aus- genommenen Häringe werden gesalzen, in Weizenmehl um­gedreht und in gutem Oel auf beiden Seiten schön hell­braun gebacken. Danach ist ein gu>es Stück Butter in der Pfanne zu zerlassen und Zwiebeln mit Mehl darin zu schwitzen. Nachdem soviel Wasser zugegoffen, daß es eine gute Sauce ist, wird dieselbe gesalzen und noch einige Eßlöffel saurer Rahm daran gerührt. Die Sauce ist heiß über d.e Häringe zu schütten. Salzhäringe können auf gleiche Weise zubereitet werden, müssen aber vorher gut 48 Stunden wässern. Letz­tere haben einen kräftigeren Geschmack wie die grünen Häringe. Mit Kartoffeln in der Schals aufgetragen, ist es ein vor­treffliches Abendgericht.

Vermischtes.

Was die Männer nicht können. Ein Mann kann aus rohen Stämmen ein Haus bauen, er vermag wilde Thtere zu zähmen, Löwen zu tödten, von Wien nach Berlin zu Fuß zu gehen; er kann Eisenbahnen bauen und ganze Welttheile erobern aber er kann keinen Knopf gut an­nähen.

Was die Damen nicht können. Eine Frau kann aus demselben Fleisch Suppen und Braten erzeugen,! sie macht aus einer alten Hose einen neuen Paletot für den Buben, sie bringt aus einer Toilette mittelst einiger Bänder und etwas Tüll fünf verschiedene Roben hervor, sie kann zugleich das Baby beruhigen, die Torte rühren und das Mädchen auszanken, aus einer rohen Kiste und etwas altem Stoff einen herrlichen Toilettetifch erzeugen, aber sie kann ihr Alter nicht richtig angeben. (Au» derWiener Mode".)

Literarisches

Unioerfum, Illustrierte Familien-Zeitschrift (Verlag des Universum, Dresden). DaS neueste 10. Heft der beliebten Zeit­schrift enthält folgende Beiträge: Ludwig Ganghofer: Schloß HubertuS. Roman. (Fortsetzung.) Balduin Groller: Der gute Rath. Novelle. Mit Original-Illustrationen von P. Rieth. (Schluß). G. Krogh: Die Wintersnoth der deutschen Vogelwelt. Richard Zoozmann: Winternacht. Ernst Remin: Margheritas Wohlthäter. Novelle. Otto Lehmann: Ebbe und Fluth. P. G. Seims: Die Chinesische Mauer. Mit Original- Illustrationen. Wilhelm Jensen: Die Glocken von Greimharting. Eine Chiemgau-Novelle aus alter Zeit. (Fortsetzung) Dr. W. Bergmann: Schneebewohner. Porträts von Joseph Joachim, der letzten Veteranen der Freiheitskriege und von Felix Faure, dem neuen französischen Ministerpräsidenten. Bildertcxte. Humoristisches. Büchertisch. Räthsel und Spiele. Weltrelephon. Von den Illustrationen sind als ganz hervorragend zu erwähnen die Kunstbeilagen und Vollbilder: St. Liezen-Mayer: Vor dem Spiegel. R. Blumenau: Wracklager im Skager-Rack. Anton Müller: Bei der Vogelhändlerin. DasUniversum" kann durch alle Buchhandlungen und Postanstalten (Heft 50 Pfg.) be­zogen werden.

*

Wie die Mode gemacht wird. Dem Laien ist das Wesen der Mode ein Räthsel, aber selbst eifrige Interessenten und tüchtige Mode­freundinnen sind sich nicht klar darüber, wie die Mode festgestellt wird. Im Heft 9 der »Wiener Mode" wird der Schleier vom Mysterium dieses intimen Vorganges ein wenig gelüftet und in einer naturgetreu geschilderten Redactionssitzung dem großen Publikum gezeigt, welche. Schwierigkeiten die Führung eines Modeblattes bietet.

Die dreißßz Toiletten dieses Heftes sind eine glänzende Illustration des Artikels und bieten nicht nur momentane Modeanregung, sondern auch Belehrung von bleibendem Werth. Originelle Carnevals-Costüme, namentlich eine GruppeAlt-Wien", stylvolle Handarbeiten schmücken dieses Heft, dem dieWiener Kinder-Mode" und ein Schnittmuster­bogen gratis beiliegen. Zusammen über 100 nützliche Objecte sind in diesem Hefte 9 derWiener Mode" illustrirt und beschrieben. Dabei kostet es nur 40 Psg.

$

PrriS - Ausschreiben. Der Berlag und die Redaction derNeuen literarischen Bläiler" fetzen einen ersten Preis von Mk. 150 und einen zweiten Preis von Mk. 100 aus für die beiden b<sten vom P eisrichler-Collegium zur Preiskrönung vorgeschlagenen psychologischen Skizzen über einen hervorragenden Dichter der Gegenwart (bedeutende nach 1890 verstorbene Dichter find von der Behandlung nicht ausgeschlossen). Bedingungen: Die einzureichenden Arbeiten dürfen nicht in der Handschrift deS Autors vorgelegt werden, und müssen deutlich und nur auf eine Seite der zu verwendenden Qaaitdläiter geschrieben sein. Sie sollen den Raum von Va Druckbogen im Format derNeuen literarschm Blätter" (16 Spalten ä 66 Zeilen ä 11 Silben) nicht über schreiten. Das Manuscript muß ohne Autornamen mit Titel und Motto ver­sehen, nebst einem denselben Titel und das gleiche Motto tragenden, versiegelten Briefumschlag, der den Namen und Wohnort des Autors enthält, bis zum 1. April 1895 an den Verlag derNeuen literarischen Blätter" eingereicht werden. Der Verlag derN-uen literarischen Blätter". Eduard Rentzel, Berlin W. 57, Aorkstraße 48.

Redaction: A. Scheyds. - Druck und Berlag der Brühl'schen Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in Giessen.