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zu nehmen, — augenscheinlich dem Thrensttz, denn e» war dar einzige schön» Stück Möbel in dem ganzen Zimmer.
Unser Wirth setzte sich mir gegenüber. Er zeigte sich herzlich erfreut, uns zu sehen, und obgleich er mir bei unserem Zusammensein stets den Eindruck machte, als ob er jungen Damen gegenüber im Allgemeinen recht blasirt wäre, so ließ es sich doch nicht verkennen, daß er sich mir angenehm zu machen suchte.
Bei diesem unserem dritten Beisammensein stand es in meinem Innern auch fest, daß er bei Weitem der stattlichste Mann unserer Bekanntschaft war und sein gewandtes, vornehmes Wesen wurde mir mit jedem Male, wo ich ihn sah, anziehender. ,, , ■
Zum Lobe seines Wohnzimmers kann ich leider mcht viel sagen. Es war sehr einfach, beinahe ärmlich möblirt. Hätte ich meine heimathlichen Ideen von Luxus nicht bereits zum Theil verloren gehabt, so würde ich es sicher sür geradezu erbärmlich erklärt haben.
Das unsere stach es in jeder Beziehung aus, auch fehlten ihm alle die Kleinigkeiten, für welche Mädchenhände sonst zu sorgen pflegen und das unsere Wohnung so wohnlich und behaglich machte. Wenn Fräulein Ausbach das Zimmer oft mit ihrer Gegenwart beehrte, so ließ sie doch keine Spur davon dort zurück.
Es konnte sich keine» Teppichs rühmen, nur einer vier- eckigen Cocosmatte, auf der ein gewöhnlicher Tisch von Tannenholz stand, welchen ein großes Tischtuch deckte. Ein paar angestrichene Stühle, ein grob gezimmertes Sopha und der eine hübsche, bequeme Lehnstuhl, auf dem ich saß, bildeten die ganze Zimmereinrichtung.
Bei einem zweiten Blicke entdeckte ich jedoch noch einige bemerkenswerthe Gegenstände, die mit der offenbar Mitten Einfachheit durchaus nicht im Einklang standen. Auf dem Kamin befanden sich zwei kostbare Vasen von venetianischem Gla», die mit herrlichen Blumen aus dem Garten gefüllt waren; auf dem Sopha lag eine prächtige Opoffumdecke und darüber ein paar Bärenfelle; die von dem Fenster zurück- geschlagenen Vorhänge waren von schwerem Seidendamast und in der einen Ecke der Zimmers waren mehrere Regale angebracht, welche Bücher in den prächtigsten Einbänden füllten.
Das Alles zusammengenommen bot ein seltsames Gemisch von Eleganz und Aermlichkeit.
Zwei Drittel der Einrichtung hättenI einer Küche entnommen sein können und der Rest au» dem Empfangszimmer eines Schlöffe». t „
Die Blumen auf dem Kamin fesselten indessen meine ganze Aufmerksamkeit. Ich hatte, seit wir gelandet waren, kaum eine Blume in der Hand gehabt, und der Richtung meiner Augen solgend, schien es Herrn Ausbach plötzlich ein- zufallen, daß wir überhaupt keinen Garten besaßen.
„Würden Sie gern ein paar Blumen haben, Fräulein Christa?" fragte er. „Wenn Sie mit hinauskommen wollen, würde es mir ein großes Vergnügen fein, Ihnen welche zu pflücken."
Wir gingen durch die Glasthür auf die Veranda hinaus und von da hinunter in den Garten. In der Ferne sahen wir Magdalene und Gertraud langsam unter den Bäumen hin promeniren. Hin und wieder tönte da» Lachen der Ersteren laut und schallend zu uns herüber. Die beiden Mädchen schienen sehr lustig zu fein.
Mein Begleiter blieb einen Moment stehen, um zu lauschen, dann rrröthrte sein sonnengebräuntes Gesicht und tni einer ungeduldigen Handbewegung warf er die Verbene fort, die er soeben gepflückt hatte.
Al» er mich nach einer Weile ansah, erschienen mir seine r roßen, dunklen Augen tiefer noch als sonst. Ihr Blick tra mich wie in stummer Bitte. Ich hätte mir einbilden können, sie sprächen: „Mache mich nicht verantwortlich für Alle», was meine Schwester sagt."
Meme Hände waren inzwischen mit Blumen gefüllt und es beschlich mich ein eigenthümliches Verlangen, daß Gertraud käme und wir unseren Besuch endigten- Sie war jedoch
augenblicklich nicht in Sicht und Herr Ausbach nahm mir die Blumen ab, um sie, wie er sagte, an meinem Sattel zu befestigen, damit ich sie sicher nach Hause brächte.
„Ich weiß sehr genau, welches Pferd das Ihre ist," meinte er lächelnd, „ich habe Sie schon einmal hoch zu Roß gesehen"
Es war eine einfache Bemerkung und dennoch fühlte ich hieraus, daß er mir eine Freundlichkeit damit sagen wollte, die mir ungemein wohl that.
Als er zurückkam, fand er mich damit beschäftigt, die Titel seiner Bücher voll Interesse zu mustern; einen der Bände von dem Regal herunterzunehmen, hatte ich nicht gewagt-
„Haben Sie etwas gefunden, das zu lesen Sie iuteresstren würde?" fragte er. „Ich weiß schon, daß Sie eine große Bücherfreundin sind und stelle Ihnen hiermit meine ganze Bibliothek zur Verfügung."
Ich deutete eifrig mit der Hand auf einen Band von Victor Scheffel und Herr Ausbach langte ihn bereitwillig von dem Regal herunter.
Als er das Titelblatt aufschlug, fiel sein Blick auf einen Namen und ein paar Worte, die darauf geschrieben standen. Mit einem nur halb unterdrückten Ausruf riß er da» Blatt aus dem Buche und zerknitterte e» in seiner Hand.
Ich gab mir natürlich den Anschein, als ob ich von alledem nichts bemerkte und auch er überging die Sache mit Stillschweigen, bot mir sür den Augenblick aber kein Buch weiter an, — vielleicht wollte er sich erst versichern, daß nicht irgend ein Geheimniß darin geschrieben stand.
Erst nach geraumer Zeit kamen Magdalene und Gertraud au» dem Garten und dann nahmen sie zärtlich Abschied von einander. , „ ,,
Als wir den Heimritt angetreten hatten, entdeckte ich, daß mein Blumenstrauß, der mit großer Geschicklichkeit am Sattel befestigt war, in einem Halter von der zierlichsten Filigranarbeit ruhte.
„Den hat Herr Ausbach dahin gesteckt — wie kann ich das annehmen?" rief ich überrascht und setzte dann unwillkürlich hinzu: „Oskar, glaubst Du, daß er wirklich fo arm ist, wie er scheint?"
„Davon bin ich überzeugt," warf Gertraud ein. „Die mehr al» ärmliche Wohnung kann darüber doch Niemanden im Zweifel lassen. Der Bouquethalter ist jedenfalls ein lieber- blsibfel aus besseren Tagen — natürlich mußt Du ihn be« halten, Christa. Ich finde, es ist eine sehr zarte Aufmerksamkeit von ihm, daß er die Blumen da hinein steckte."
„Die Armuth ist Unsinn I" erklärte Oskar entschieden. „Ich bin fest überzeugt, daß er nichts weniger als arm ist. Ich sprach heute mit ihm über ein Geschäft, bei dem wir Beide interesstrt sind, und da merkte ich deutlich heraus, daß er sich auch nicht einen Strohhalm darum kümmert, ob er bei der Sache gewinnt oder verliert." Und nach einer kleinen Pause fügte er genau so wie Fanny hinzu: „Ich möchte wissen, wer die Ausbachs eigentlich sind und woher sie kommen."
4. Capitel.
Au» Arthur» Tagebuch.
In der Todesmattigkeit, die auf mir lastet, — der undurchdringlichen Nacht, die mein Innere» erfüllt, habe ich zur Feder gegriffen, um einige dringende Briefe nach Hause zu schreiben, doch e» geht nicht, — ich bin nicht im Stande, meinen Vorsatz auszuführen.
Seit zwei Jahren bin ich nun in der Fremde und erdulde das unerträgliche Märtyrerthum, da» zuweilen so schwer auf mir lastet, daß es mich zu erdrücken droht. Ein Jahr noch, — dann ist der beseeligende Moment da, der mich meines Versprechen» entbindet und ich bin wieder frei.
Frei? Ja, aber welchen Nutzen wird mir meine Freiheit bringen? Mein Leben hat keinen Zweck mehr. Wa» gewinne ich durch meine Freiheit weiter, als daß ich nicht länger al» lebendige Lüge einhergehe? ,
Während ich schreibe, taucht ein Bild dessen vor mir auf,
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