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Verpflichtungen zurückzutreten? Die glückliche Braut ttrrb z nicht dem geliebten Elternhause freiwillig den Rücken kehren, von dem sie ohnehin bald scheidet; kein andere» Land vermag sie zu sefleln- Elisabeth, nur ein Wort, daß ich werben darf um Ihre Liebe. Mein Herz gehört Ihnen. Wenden Sie sich ab von dem äußeren Glanz und Schimmer. Seien Sie meines Hauses Herrin, mein Weib!"

Noch immer blieb sie stumm bei seinen Worten, allein die tiefere Röthe ihrer Wangen, da» leise Zittern des Fächers in ihrer Hand ließ ihn ahnen, daß sie innerlich bewegt sei. Sie hob die Rechte. Wollte sie ihm diese reichen?--

Ah, hier verbirgt sich die schöne Fee des Festes unter Palmen? Oder wird sie festgehalten gleich einer Gefangenen? Darf ich dem unberufenen Kerkermeister seine Beute ent­reißen?" Mit diesen Worten stand plötzlich ein junger Herr von auffallender Schönheit vor den Beiden.

Elisabeth zuckte zusammen, die erhobene Hand sank herab.

Haben Sie vergessen, gnädiges Fräulein, daß ich den Vorzug genießen darf, Sie zu Tische zu sühren?" fuhr der Ankömmling fort-

Haben Sie kein Wort für mich?" frug Herr von Löwen eindringlich.Nur eines, nur ein Zeichen," bat er flüsternd.

Wieder stand sie unschlüssig, allein Graf Bretow, der Cavalier von Prinzeß Lora, wußte Herrn von Löwen gegen­über den Sieg zu gewinnen; ohne Weiteres legte er Elisabeths Arm in den seinen und sagte herablassend:Die höchsten Herrschaften werden sogleich eintreten. Lassen Sie mich Ihr Lehrmeister in Ihrer neuen Stellung sein."

Elisabeth erhob ihre Augen zu Löwen und erschrack vor der Leichenblässe in seinem Gesicht, vor dem tiefschmerzlichen Ausdruck, mit welchem sein Blick auf ihr ruhte.

Noch war er Zeit, noch blieb ihr Freiheit, ihre Hand in die seine zu legen und ihm zu sagen:Ich bin Dein!" Aber die Musik ertönte plötzlich, Löwen verbeugte sich förmlich und verschwand. Es war zu spät! Die günstige Gelegenheit war versäumt und Elisabeths Zukunft anders entschieden. Sie hatte statt der stillen Häuslichkeit den äußeren Glanz, eine Welt der Feste, des Vergnügens gewählt. Ob auch da» wahre Glück ihr hier seine Gunst schenkte, ob die stolzen Wünsche ihre» Herzen sich erfüllten? Danach fragte Elisabeth jetzt nicht. Monatelang, täglich, stündlich in der Nähe dieses Mannes, der gefeierten Lieblings der Frauenwelt, zu leben, dieser Wunsch wurde ihr erfüllt. Aber was barg diese Zeit in ihrem Schooß? Den höchsten Triumph für sie oder für ihre zahlreichen Neiderinnen, wenn e» ihr nicht gelang, ihn zu ihren Füßen zu sehen.

Längst schon hatte die Mitternachtsstunde geschlagen und die glänzenden Festsäle des stolzen Fürstenschloffes lagen wieder still und einsam. Der leuchtende Glanz der Kerzen erlosch und die zahlreiche Dienerschaft durfte nun endlich die ersehnte Ruhe suchen. Durch die stillen Straßen der Hauptstadt rollten Equipagen in Windesschnelle, die Rosse verstanden es, in raschem Trabe nach langem Verharren im Freien bald den heimischen Stall zu erreichen.

Mancher Schläfer wurde von dem Wagenrollen wach, und von harter Tagesarbeit ermüdet, vermochte er ein Schimpf­wort nicht zu unterdrücken über die Störung der so nöthigen Nachtruhe. Andere, durch Körperschmerzen wachgehaltene Leute meinten dagegen bei sich:Glückliche Menschen, die aus dem Schlosse kommen und denen das Leben nur heitere Stun­den bescheert, die nichts wissen von Noth und Krankheit!"

Die Neider ahnten nicht, daß unter seidenem Festgewand da» Herz oft recht bang und unruhig schlägt, daß da» heiter blickende Auge oft mühsam die Thränen zurückdrängt. Neben Heiterkeit und Frohsinn, da sind Neid, Mißgunst und Ver- läumdungssucht nur zu oft unliebsame Gäste in der Gesell­schaft, selbst in hohen Kreisen.

General von Kronau lehnte ermüdet neben seiner Tochter in dem Polster de» Wagen». Sein Ehrgeiz hatte heute die höchste Befriedigung erfahren, al» es zur Gewißheit geworden,

daß seine Tochter zur Hofdame auserwählt worden sei. Vor Jahresfrist war Kronau als Oberst aus einer kleinen Gar­nison zur Führung eines Regimentes nach der Hauptstadt berufen worden und hatte es dort bald zum General gebracht. Allein der alternde Mann empfand auch oft, daß die größeren Anforderungen seiner hohen Stellung, daneben die ausgedehnte Geselligkeit beinahe seine Kräfte überstieg und doch hielt er letztere für unumgänglich au» Rücksicht auf seine einzige Tochter.

Seine Gattin hatte sich schweren Herzens von dem stillen, friedlichen Leben der kleinen Garnisonstadt losgelöst. Aus einer vornehmen, aber wenig bemittelten Adelsfamilie stammend, trennte sie sich mit Freuden von der äußerlich glänzenden Stellung als Hofdame einer Fürstin und folgte ihrem Gemahl nach dem freundlichen eigenen Heim. Ihr Haus, ihre Familie bildeten ihre Welt.

Herr von Kronau rückte mit der Zeit zur Stellung des Höchstcommandirendött in feiner Garnison empor, sie be­anspruchte mehr Geselligkeit im Hause; auch ihr ward Frau von Kronau gerecht. Jedermann, Jung und Alt, fühlte sich heimisch in den behaglichen Räumen der Commandantur. Die Hausfrau, selbst eine begabte Sängerin, erfreute ihre Gäste durch den Vortrag ansprechender Lieder, ermuthiqte aber zu­gleich andere musikalische Kräfte, sich hören zu lassen; drama­tische Aufführungen boten angenehme Abwechselung, der Jugend winkte ein Tänzchen. Kurz, alle Welt pries das an­genehme Haus, vorzüglich die Hausfrau. Aber eins verbannte sie, so viel in ihren Kräften stand, aus dem Hause, das Kartenspiel, denn ihres Gatten unglückliche Vorliebe für dar Spiel machte sie oft besorgt.

Sie sahen sich damals gezwungen, genau zu rechnen, wollten sie ihre Ausgaben und Einnahmen stets im rechten Einklang erhalten. Im Anfang ihrer sonst so glücklichen Ehe litt die junge Frau ost schwer unter den Spielverlusten ihrer Gatten, mußte sich und ihren Kindern manche Entbehrung auferlegen, um das verlorene Geld wieder durch erhöhte Sparsamkeit einzubringen. Mit den Jahren lernte der Gatte mehr und mehr diese Neigung zum Spiel zu beherrschen, wenn er sie auch nicht völlig zu verbannen vermochte.

Elisabeth war das gerade Gegentheil ihrer genügsamen Mutter. Kaum der Schule entwachsen, träumte das junge Mädchen von des Vaters Versetzung nach der Hauptstadt und von einer glänzenden Geselligkeit, die dort ihren Stolz und ihre Eitelkeit befriedigen sollte. Elisabeth sah sich schon im Geiste in den goldschimmernden Sälen des Refidenzschloffes unter den Gästen de» Landesherrn, bevorzugt vor anderen Sterblichen durch das Recht, am Hofe zu erscheinen. Der längere Aufenthalt in einer Pension mit vielen Töchtern vor­nehmer Familien nährte nur ihre Sehnsucht, gesellschaftlich in den höchsten Kreisen zu glänzen. Elisabeth erhielt darüber oft Vorwürfe von der Mutter, wenn sie durchaus nicht be­greifen wollte, daß man sich nach der Decke strecken und selbst thätig in der Wirthschast eingretfen müsse, um die Aus­gaben möglichst zu beschränken, und daß des Lebens wahrer Glück nicht in dem Fröhnen eitler Vergnügungen liege.

Der einzige Sohn Paul, der sechs Jahre älter war al» seine Schwester Elisabeth, harmonirte in seinen Neigungen weit mehr mit der Mutter, al» seine Schwester.

Paul war, wie sein Vater, Offizier und stand in einer entfernten Garnison bet einem Artillerieregiment. Geschätzt von seinen Vorgesetzten, allgemein beliebt im Kreis« seiner Kameraden, bot sich ihm nur allzuviel Veranlassung, im Mittelpunkte einer glänzenden Geselligkeit zu leben. Jndetz, er berechnete, wie schnell dies seine Mittel übersteigen müsse und da Schulden zu machen für Paul ein für alle Mal aus­geschlossen war und er in dieser Hinsicht eine seltene Character- stärke zeigte, so wußte er, welchen Weg er zu gehen hatte. Mit ruhiger Festigkeit vermied er alle Ausgaben, die seine Verhältnisse nicht gestatteten, ohne sich etwas zu vergeben oder Jemand zu kränken.

Seine schönsten Festtage verlebte Paul lieber im Eltern­hause, wenn er Urlaub hatte. Er sah sich daher nicht ge-