pq Nr. ISS.

Dienstag de» 15. Oktober

1895.

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Aliiirrhaltnngsblait juui Gießrner Aiyciger (General-AnMger).

Trug-Glück.

Roman von Thekla Hempel.

(Nachdruck verboten.)

Darf ich für kurze Zeit nur Ihre Einsamkeit unter­brechen, gnädiges Fräulein?"

Mit diesen Worten bog ein Offizier in Husarenuniform die Zweige der Palmen und Orangenbäume ein wenig aus- cmünder, welche eine reizende Nische bildeten in einem der fürstlichen Empfangsräume. Verborgen durch das Grüne, ruhte Elisabeth von Kronau in einem Seffel von ihren Triumphen aus. Nach allem Weihrauch, ihrer Schönheit gestreut, ließ ein Gefühl von Ermüdung sie hierher nach dem stillen Versteck flüchten. Beinahe erschrocken fuhr sie bei der unerwarteten Anrede auf, sie wollte den Eintretenden zurück, weisen, wollte sich mit Uebermüdung entschuldigen. Allein sie verstummte vor dem bewegten Ton, in welchem er bat: Wenige Worte nur gönnen Sie mir, vielleicht begünstigt mrch am heutigen Abend das Schicksal nicht wieder, Ihnen von Anderen unbelauscht gegenüberzustehen."

Sollten Sie in der Thal heute Abend so Wichtiges mit mir zu besprechen haben," entgegnete die junge Dame verlegen lächelnd,dann bitte ich Sie, sich zu beeilen, Herr von Löwen, es möchte mir wenig Zeit bleiben für solche Prioatunter- Haltung."

Nur eine Bitte, Fräulein von Kronau, man sagt, daß Sre die Prinzessin Lora nach ihrem Sommeraufenthalte be- gleiten werden. Ist dies begründet?"

»Was Sie zu dieser Frage berechtigt, weiß ich nicht, mdeß diese Auszeichnung, für mich höchst ehrenvoll, ist kein Geheimniß, ich werde mit der Durchlauchtigsten Fürstin reisen, , 7r, Watne tactlos genug war, ohne allen Grund ur- plötzlich ihre Stellung aufzugeben."

, »Ob sie recht that, darüber wollen wir uns nicht streiten, 9 bitte, ich beschwöre Sie, folgen Sie ihrem Beispiel, treten Sie zurück. Wer die Baronesse näher kennt, ist überzeugt, daß sie nicht ohne Grund gehandelt hat."

Ihre Gründe kümmern mich nicht; die Gnade des Landes- auf Wunsch seiner Schwägerin mich ausersehen, zunächst nur mit ihr zu reisen, vielleicht knüpft sich daran,

daß ich ihre Hofdame auch späte<ersetze, ich glaube nichl.^daß die hohe Frau ihr später ihr Haus wieder öffnet.^ Mit Freuden wird mein Vater? zusagen, er wünschte mir länast einen derartigen Platz, welcher meine Zukunft sichert."

»Und Ihre Mutter, wird sie nicht schmerzlich die einzige Tochter entbehren?"

Mama hat so ganz andere Ansichten. Ich aber fühlte mich schnell heimisch hier in den hohen Kreisen, mich umweht es wie neue Lebenslust, seit wir vor Jahresfrist hierher nach der Hauptstadt zogen; sie trennte sich mit blutendem Herzen von der kleinen Garnifonstadt; mit Schrecken nur denkt sie der Zeit, welche sie als Hofdame verlebte, kann mir nicht genug schildern, wie golden ihr die Freiheit erschienen sei in der bescheidenen Wirtschaft, aber am eigenen Herde."

Ihr edler Sinn hat nur zu bald die tiefen Schatten erkannt neben äußerem Glanze. Ihre Eltern erlaubten mir, dem armen Verwaisten, mit Ihrem Bruder die Ferien in Ihrem Heim zu verleben; mein Aufenthalt wäre sonst das Kadettenhaus geblieben, wenn alle Kameraden hinauseilten zur goldenen Freiheit. Was Ihre Mutter mir gewesen, welches Glück ich bei ihr genossen, werde ich nie, nie vergessen, wenn auch die Entfernung später trennend zwischen uns tritt. Um Ihrer Mutter willen beschwöre ich Sie, bleiben Sie hier! Sie würden bitter bereuen, dieser Frau Ihre Dienste geweiht zu haben; zwingen Sie mich nicht, Ihre Harmlosigkeit zu trüben!"

Ich soll dem Willen meines Vaters entgegen mein Wort brechen? Soll" einen Augenblick hielt sie zögernd inne, um dann hastig fortzufahren:Verläumdungen Glauben schenken, welche meine verehrte Gebieterin verunglimpfen?"

Trauen Sie mir Verläumdungen zu gegen ein Glied unserer erlauchten Fürstenfamilte?"

Lassen wir es auf sich beruhen, ich halte mein Wort; wer weine Gebieterin beleidigt, der beleidigt mich in ihr."

Er bog sich näher zu ihr und sprach in flüsterndem Tone:Wenn sich aber ein natürlicher Grund böte, Elisabeth, wenn ein Mann, dessen Herz Ihnen längst schon gehört, der voll tiefer, inniger Neigung z» Ihnen, kein Glück kennt hie. nieden ohne Ihren Besitz und Sie von ganzem Herzen bittet: Sei mein. Wenn Sie, möge Gott es wollen, ein wenig Liebe für ihn fühlen, wäre dies nicht genügender Grund, von Ihren