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habe, wirb Alarm schlagen und wir könnten diese Weißröcke in bett Rücken bekommen. Ich sage das nicht meinetwegen."
„Du fürchtest Dich also nicht mehr?"
„In ber Nacht niemals, bas sagte ich Ihnen ja. Vorwärts, Mabame Lefebvre!"
„La Violette, Du bist ein tapferer Junge!"
„Spotten Sie nicht über mich, Madame Lefebvre. Ich weiß wchl, daß ich ein Hasenfuß bin und ich weiß auch, daß ich Sie riestg liebe."
„La Violette, ich verbiete Dir, so zu sprechen!"
„Schön, ich schweige schon; aber vorwärts, Madame Lefebvre, jetzt, wo das Terrain reingefegt ist."
Catherine betrachtete ihren Gehilfen mit erneuter Ueber- raschung. Er zeigte sich ihr von ganz unerwarteter Seite. La Violette lief nicht vor dem Feuer davon! La Violette stürzte sich mit dem Säbel in der Hand auf zwei im Hinterhalt liegende Oesterreicher! War ihr Gehilfe denn vertauscht worden? Einen Augenblick kam ihr der Gedanke, ihn in's Lager zurückzuschicken, aber da sie ihn so kriegerisch, so martialisch sah, fürchtete sie, ihn zu kränken, und außerdem konnten Zwei sich bester aus der Affaire ziehen.
„La Violette," sagte sie mit sanfter und freundschaftlicher Stimme, „ich muß Dich warnen. Dort, wohin ich gehe, ist's gefährlich, sehr gefährlich. Du bestehst also darauf, mich begleiten zu wollen?"
„Ich folge Ihnen in's Feuer, Madame Lefebvre!"
„Gut, dann fange damit an, mich in's Master zu begleiten, denn wir müssen durch diesen Bach, um in das Schloß, das Du dort siehst, zu gelangen. Dorthin will ich gehen."
„Wollen wir gehen! Vorwärts, Madame Lefebvre, ich folge Ihnen."
„Schön, dann schweige und mache die Augen auf!"
Beide stiegen in das Bett des kleinen Baches, der Wssme, hinab und durchschritten es, bis an's Knie im Wasser. Bald befanden sie sich vor den Ställen des Schlosses. Vorsichtig ging Catherine die Mauer entlang, eine Stelle suchend, wo sie leicht in den Garten dringen konnten. Als sie eine solche bemerkte, wo die Mauer theilweise verfallen war, machte sie La Violette ein Zeichen, er möge ihr beim Hinaufklettern helfen.
„Mit Vergnügen, Madame Lefebvre," sagte der naive Liebende, indem er sich bückte und ganz glücklich war, seiner Begleiterin in dieser Weise helfen zu können.
Einige Augenblicke später befanden sich Beide im Garten und schlichen vorsichtig, sich hinter den Bäumen haltend, auf einen Saal im Erdgeschoß zu, aus dem helles Licht glänzte.
XVII.
Die Hochzeitsmesse.
Baron Lowendaal und Marquis von Lavaline waren in einer entscheidenden Unterredung miteinander einig geworden.
Der Generalpächter hatte seine Bedingungen gestellt: Entweder würde Blanche noch in dieser Nacht seine Frau oder er reiste sofort nach dem Elsaß und ließ die Güter Lavalines unter Sequester setzen, ohne von anderen Maßnahmen zu sprechen, die er gebrauchen würde; er konnte den Marquis für immer zu Grunde richten.
Dieser hatte sofort den lebhaften Wunsch an den Tag gelegt, den Baron zum Schwiegersohn zu erhalten-
Den Marquis blendete nicht nur der Glanz dieser Heirath, auch seine eigene Ehre stand auf dem Spiel und ließ ihn innig wünschen, daß Blanche zur Vernunft komme und in die Wünsche Lowendaals einwillige.
Der Baron übte auch hier einen Zwang aus so wie damals, als er Leonard bestimmt hatte, ihn von Beaurepaire zu befreien.
Er hatte den immer geldbedürftigen Marquis in eine scandalöse und gefahrvolle Angelegenheit verwickelt. Als Freund des Prinzen von Rohan war Lavaline an der kläglichen Halsbandgeschichte betheiligt gewesen. Er war den Ver
folgungen entgangen, aber bet Baron besaß ben Beweis seiner Antheilnahme an bett betrügerischen Manöver» ber Urheber biefes ungeheuren Schwindels, bei dem die Rolle ber Königin Marie Antoinette mehr als zweideutig gewesen.
Sollte ber Marquis, um dem Baron zu entgehen, aus Frankreich flüchten? Der österreichische Hof würde ihn gefangen nehmen, ihm den Prozeß machen und so die Ehre ber Königin, der einstigen Herzogin, retten.
Sollte er im Lande bleiben? Der revolutionären Regierung angezeigt, überlieferte ihn seine Rolle bei der Halsbandgeschichte unweigerlich dem Schaffot.
Er war also gänzlich dem Baron auf Gnade und Ungnade überlassen.
Der Vater Blanches befand sich wie das Schloß, das er bewohnte, zwischen zwei Feuern.
Er beschloß also, noch einmal einen entscheidenden Schritt bei seiner Tochter zu unternehmen, fand jedoch Blanche entschiedener als je, den Wünschen des Barons zu widerstehen.
Zuletzt gestand der Marquis die Gefahr, in der er sich befand. Der Baron war Herr seiner Güter, seiner Ehre, seines Lebens. Blanche mußte ihn retten oder es blieb ihm nichts übrig," als zu sterben. Wollte sie, indem sie ihn zu einer verzweifelten That trieb, die ewige Reue über einen Vatermord auf sich nehmen?
Als Blanche dieses Geständniß empfing, konnte sie, erregt und zitternd, nur unzusammenhängende Worte stammeln. Sie erstaunte über die seltsame Beharrlichkeit des Barons. Besaß der Mann, der ihr Gatte werden wollte, kein Mitleid, keine Würde? Trotzdem er wußte, daß sie ihn verabscheute, daß sie einen Andern liebte und daß dieser Liebe ein Kind entstammte ?
Ueberzeugt, daß der Baron den Brief, den sie Leonard übergeben, empfangen hatte, suchte Blanche die Befürchtungen ihres Vaters zu beruhigen. Sie sagte sich, daß Lowendaal, weil er gegen den Marquis Stillschweigen bewahrt hatte, von ihrem Geständniß gerührt sein mußte. Er hatte ihr Gehsim- niß nicht enthüllt, wollte also seinen zweideutigen Einfluß über den Marquis'nicht mißbrauchen. Heftig verliebt, rechnete er darauf, daß Blanche von ihrem Entschlüsse abkommen würde, verzieh den Fehler, den sie ihm gestanden hatte und wollte vergessen, daß ein Anderer vor ihm geliebt worden war. Vielleicht hoffte er nun, seinerseits geliebt zu werden.
(Fortsetzung folgt.)
GeineiirnÄtzrges.
Krebspasteten. Man kocht ein Dutzend Krebse unb schneidet das Fleisch der Scheeren und Schwänze in kleine Würfel. Aus den Schalen bereitet man Krebsbutter, schwitzt einen Eßlöffel Mehl in ebensoviel Krebsbutter, verkocht diese Mischung mit */< Liter kräftiger Auflösung von Liebigs Fleischextract, sowie einigen gehackten Trüffeln, würzt sie mit Salz und Citronensast, rührt sie mit zwei Eidottern ab und mischt unter diese Sauce das Krebsfleisch. Ein Dutzend Blätterteigpastetchen werden kurz vor dem Anrichten mit dieser Mischung gefüllt und dann servirt-
Literarisches
Aus Wiener Fachkreisen wird uns geschrieben: Da die Herbststoffe in starken Geweben erzeugt werden, ist anzunehmen, daß zu» Herstellung der Aermel nicht mehr so viel Stoff verwendet werd« dürfte als bisher und daß dieselben daher an Breite abnehmen werden- Dagegen bleiben die Röcke in ungeschmälerter Weite, nur wird die Faltenglocke momentan nicht mehr rund geschnitten, sondern aus schmalen Zwickelbahnen zusammengestellt. Im Salon werden abfallende Achseln dominiren und auf der Straße als Neuheit empireartige, kurze Promenadejäckchen aus Sammt oder Tuch. Heft 22 der „Wiener Mode" enthält nebst vielen anderen eleganten und praktischen Toiletten eine Anzahl dieser kleidsamen Jäckchen, die gewiß den Beifall der Damenwelt finden werden.
Redaction: A. Scheyda. — Druck und Verlag der Brühl'schcn Universitäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) in Gießen,


