Ausgabe 
15.1.1895
 
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SS

Etwas vom Heirathen.

Unter vorstehender Ueberschrift bespricht ein Mitarbeiter der Kölnischen Volkszeitung die heutige Ehescheu der Männer und kommt dabei zu folgenden Betrachtungen:

Unwillkürlich fragt man sich, wie die auffallende Be­denklichkeit der Männer zu erklären sei. Sind sie etwa von Hause aus Hasenfüße oder schwerfällige Tröpfe? W:e? Oder sind sie frivole Naturen, verstockte Ehefeinde? Möglich, daß der traurige Schlag der letzteren da und dort zugenommen hat. Im Allgemeinen halte ich die Junggesellen für ebenso heirathslustig als heirathsscheu und wenn diese über jene Eigenschaft lange Zeit den Sieg davonträgt, so muß das trotz allen Ermunterungen an den Damen liegen. Die Sache verhält sich vielleicht so: Jeder Beruf erfordert bekanntlich eine eigene Vorbildung. Wie steht es nun mit der Vor­bildung mancher Mädchen zur Ehe, die ja die meisten von ihnen als ihr künftiges Hauptfach betrachten? Prüft man ihre Erziehung und ihren Unterricht, so kommt man auf den Gedanken, die Ehe müffe ein Institut sein, worin vorzugs­weise gemalt, gesungen, Klavier gespielt, französisch und englisch gesprochen wird, worin alle möglichen schönen Dinge s fabrizirt, die verschiedensten Fragen aus den verschiedensten - Wiffenschaften mit seltener Gründlichkeit verhandelt werden, kurz, worin alles das Hauptsache ist, was thatsächlich in den l meisten Ehen Nebensache ist. Ich bin gewiß ein schlichter Mann und traue mir in der höheren Töchter-Pädagogik kein Urtheil zu. Ich meine bloß, praktischer wäre es vielleicht, wenn manche jungen Damen praktischer erzogen würden. Vielleicht lebt man auf weiblicher Seite in dem schönen Glauben, sämmtltche Herren, die einen Frack besitzen, seien Millionäre. Sehr schmeichelhaft für die Herren. Allein nicht Wenigen geht es dabei wie einem Schriftsteller, der zufällig kein Docter ist, aber von jedemHerr Doctor" ge­nannt wird: wehrt er bescheiden ab, so verliert er seinen ganzen Nimbus, läßt er sich ruhigDoctor" schimpfen, so setzt er sich der Gefahr einer Blamage aus.

So gerathen manche Herren in ihrer Verzweiflung auf den Einfall, eine sogenannte gute Parthie zu machen, d. h. nicht eine Frau, sondern viel Geld zu heirathen. Diese ver­dienen nun Prügel. Sie bekommen sie auch im Laufe ihres ehelichen Lebens, wenn auch nur moralische. Andere, bei denen das Herz doch stärker als der Verstand ist, zaudern eben- Sie hoffen im Geheimen auf da» große Loos, auf den Tod eines unbekannten Erbonkels oder auf andere > Glücksfälle, die nicht so leicht eintreffen.

Nun, meine Freunde, ein Wort unter uns. Ihr unter- i schätzt die Mädchen. Wißt nämlich, in jedem Mädchen steckt ; eine wahre Zauberkünstlerin. Was sie nicht kann, lernt sie schon mit der Zeit. Ich kannte eine Dame, der soll folgendes : artige Stücklein passirt sein. Es war der erste Morgen nach \ der Hochzeitsreise. Sehr vergnügt saß sie mit dem Gemahl ; in ihrem neuen Heim. Auf dem blitzblank gedeckten Frühstücks- 5 tische stand eine Wiener Kaffeemaschine, darunter schon eine gute Weile eine Spiriturflamme munter brannte. War das gemüthlich! Ab und zu guckten sie durch die Glasglocke, in Erwartung des braunen Kaffeegebrodels. Doch es wollte und wollte sich nicht zeigen. Der Mann, der gerade am ersten Morgen nicht gern zu spät aufs Bureau kommen wollte, rückte unruhig auf seinem Stuhle, das Frauchen aber beschwichtigte ihn:Schatz sei doch nicht so ungeduldig! Bei einer neuen Maschine geht das noch nicht so schnell." Schließlich wurde auch sie unruhig. Sie wollte den Glasdeckel auf- heben, um einmal nachzusehen, schrie aber laut auf, denn sie hatte sich die Fmgerchen verbrannt. Ueberhaupt was war das? Die ganze Maschine schien zu glühen, ja bei näherm Zusehen entdeckten sie, daß gewiße Metallcheile schon zu schmelzen begannen. Rasch löschten sie bte Flammen und sahen sich sprachlos an, bis plötzlich der Gatte bemerkte:

Herzchen, Du hast am Ende kein Waffer hineingethan." Das Herzchen bekam einen rothen Kopf und machte große Augen.Waffer?" sagte es im Tone höchsten Erstaunens -- in der That, daran hatte es nicht gedacht. Was war zu machen? Dem Manne blieb eben noch Zeit zu einem eiligen Frühstück im nächsten Cafö. Unglücklicher Weise sah ihn dort ein Bekannter, der natürlich nachher Jedem, der es hören wollte, erzählte, der junge Ehemann habe schon am ersten Morgen ins Restaurant flüchten müffen. Das Frauchen nahm sich jedoch das kleine Malheur zu Herzen und ist nach und nach eine vorzügliche Hausfrau geworden.

Das ist ein einzelmr Fall, aber er ist lehrreich. All­mählich werden sie alle vorzügliche Hausfrauen. Also was zögert ihr? Seid doch nicht solche Hasen! Denkt ein Mal, wie hübsch es sein wird, wenn ihr Euch übers Jahr nicht mehr selbst die Knöpfe anzunähen braucht. Vorwärts, die Gelegenheit ist jetzt besonders günstig. Schickt Euer» Frack zum Schneider, daß er ihn hübsch aufbügele. Kruft Euch ein Paar schöne weiße Handschuhe, steckt Euch zur Vorsicht ein zweites Paar ein und dann entschloffen an» Werk. Nur nicht mehreren zu gleicher Zeit den Hof machen das ist nichts! Einer allein, der aber gründlich. Sollt sehen, da wird Euch aus dem Kranze der älteren Damen eine mit besonderem Wohlwollen mustern das ist die Mama- Wenn Ihr dann nach Mitternacht, erschöpft von der unge­wohnten Springbewegung, einen Augenblick an einer Säule lehnt, wird Euch ein würdiger Herr freundlich auf die Schulter klopfen und etwas von einer Abendgesellschaft murmeln, wo er das Vergnügen zu haben hoffe das ist der Papa- Nicht wahr, da fangt Ihr schon an zu schmunzeln. --Der Tausend! ich bin doch neugierig, wie viele Dank­schreiben mir meine Schreiberei eintragen wird!"

VevnMehtes.

Belohnte Geduld. Anna:Ich höre, daß Du, Gottlob! jetzt endlich auch heirathest; hast aber lange warten müffen!" Toni:Dafür werd ich aber auch gleich die dritte Frau meines Zukünftigen."

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Grobheit per Telephon. Jemand unterhielt sich mit einem Anderen per Telephon und empfing eine verkehrte Antwort.Mit welchem Esel glauben Sie denn zu sprechen?" rief Jener ärgerlich.Mit Ihnen, Herr Müller," war die prompte Antwort.

Echt bayrisch. Nach einer Schlacht 1870/71 sagte ein bayrischer General:Soldaten, Ihr habt Euch brav ge- halten, Ihr habt ja gerauft, wie die Löwen!" Ein Soldat:Ja, Herr General, es ist aber a wahre Freud, z' raufen, wenn oan koa Landrichter genirt."

Zerstreut. Amme (den Profeffor auf der Kegelbahn aufsuchend):Herr Profeffor, es ist ein Junge angekommen!" Profeffor:Er soll gleich Herkommen, die Kegel auf- setzen!" u

Höchste Devotion. Medicinalrath: Daß Hoheit etwas gegen die Neurasthenie thun, ist die höchste Zeit!" Ober- hofmarschall (entsetzt dem Arzte zuflüsternd):Allerhöchste, allerhöchste!"

Dunkle Ahnung. Unteroffizier (zu dem neueinge­tretenen Rekruten):Wie heißen Sie?"Rubens!" Was sind Sie?"Anstreicher!"Erinnere mich; find Sie Derjenige, der die Sixtinische Capelle in Rom angestrichen

Redactiou: A. Echcyda. Druck und Verlag der Brühl'schr» Druckerei (Fr. Ehr. Pietsch) in &