Ausgabe 
14.9.1895
 
Einzelbild herunterladen

L8V5.

F:

S>

*V*

HntrrhMWgMM Mm Gießener Anrriger (General Anxeiger).

Ihr Vermächtniß.

Roman von Maximilian Moegrli«.

(Fortsetzung.)

Herr Baumeister," begann der alte Förster,ich kenne unseren Herrn Oberförster schon fünfundzwanzig Jahre und Gott weiß, welch' ein braver Mann er ist. Ich habe seine Tochter auf den Händen getragen, als sie drei Tage alt war und hatte immer meine Freude daran, so oft ich sie sah und auch heute noch. In ihr vereinen sich ihr guter Vater und ihre edle Mutter. Ich habe dar Kind mehr geliebt als meine Tochter, denn diese hatte eine Mutter, und wenn ich daran denke, daß es der Hertha, diesem engelgleichen Wesen, einmal schlecht ergehen könnte, Herr Baumeister, mein Inneres könnte sich umdrehen. Und meine Befürchtungen waren nicht grundlos, denn als der Lieutenant von Walten ihr Verlobter wurde, da war mein Herz voll banger Ahnung und ich be­greife nur nicht, wie das Mädel diesen Mann erwählen konnte, dessen Wesen das strikte Gegentheil von dem ihrigen ist. Schon als Knabe habe ich diesen Menschen nicht leiden mögen, denn sein unstetes, herrisches Benehmen behagte mir nicht. Aber jetzt muß es anders werden, denn, hören Sie, der Baron ist ein Spieler ein großer Spieler, der mehr ver­spielt hat, als fünfzig Menschen meines Schlages ihr Leben lang ersparen können- Denken Sie nur, Herr Baumeister, in zwei Monaten soll die Hochzeit sein o, ich kann es mir gar nicht ausdenken, in welch' namenloser Elend sie kommt, denn mit Schloß Walten geht es stark herab. Ja, ich bin besser informirt, als mein guter Herr Oberförster. Aber Ordnung muß fein und so hören Sie denn weiter," und er hob seinen Finger, als wollte er abzählen,zwänzig- tausend Mark bekommt der Silberstein in Danzig, zwanzig­tausend Mark der der, nun, ich habe er ja ausgeschrieben."

Er griff hastig in seine Westentasche, brachte einen Zettel hervor und las:Zwanzigtausend in Dirschau, zehntausend iu Graudenz, fünftausend in Thorn, fünftausend in Bromberg, wacht sechzigtausend Mark, sage und schreibe sechzigtausend Mark Himmelelement, und das ist nur, was ich in Er­

fahrung bringen konnte, doch da kommt der Herr Ober­förster."

Der Baumeister dankte dem Alten für die freundliche Belehrung und gratulirte dem Oberförster zu seinen schönen Eichen.

Danke, danke, Herr Baumeister, aber diese Bäumchen sind auch ausnahmsweise gut gewachsen. Doch nun kommen Sie. Waren Sie schon einmal an dem großen See?"

Nein, Herr Oberförster, ich ging meistens auf dem Berge bei Jagen vierzehn und fünfzehn, von wo aus man eine herr­liche Fernsicht hat."

Ah so nun, am großen See dürste es Ihnen auch gefallen. Sehen Sie, Herr Baumeister, hier war mein erster Holzschlag, als ich einst nach Lindenheim kam und nun kommt es bald wieder herunter. Das ist der ewige Wechsel auf unserer Erdenrunde: Kommen und Gehen, Werden und Ver­gehen."

Werden und Vergehen," wiederholte der Baumeister, das ist nun einmal der Welten Lauf."

Ruhig schritten sie weiter.

Hier," sagte der Oberförster nach einer Weile,hier können Sie auch den gefürchtetsten Feind unserer Nadelwälder sehen. Diese Kiefernschonung von zwei Jahren begrenzt dieser schmale Graben, in dem sich wiederum in bestimmten Ent­fernungen Fanglöcher befinden. Geht nun der Rüsselkäfer so heißt dieser Bösewicht nach seiner Nahrung und fällt in solch' ein Loch, dann ist er gefangen. Hier sehen Sie auch frisch geschälte Holzkloben systematisch liegen, an deren Säst sich der Käfer gütlich thut, man kann ihn hier mit leichter Mühe nehmen."

Der Oberförster nahm eine solche Fangklobe auf und zeigte dem Baumeister diesen Käfer, den er dann unschädlich machte.

Heyd, der ein großes Interesse verrieth, war ein auf­merksamer Zuhörer.

Auf dieser Stelle pflanzte ich vor Jahren den Samen verschiedener amerikanischer Baumarten, den ich seiner Zeit drüben gesammelt; leider hat es der Mühe nicht gelohnt, denn unser Boden eignet sich nicht dazu."

Und doch gibt es recht starke und schön gewachsene