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UnIrrhaUungsMatt zum Gießener Anzeiger (Genera!-Anzeiger).
O st H v n!
Es glänzt so weithin durch die Lande Der Ostersonne hehrer Strahl, Er sprengt des Winters letzte Bande Auf steiler Höh', im tiefen Thal. — Und tausendfaches neues Leben Regt sich jetzt froh in Hain und Flur, Erfüllend wie mit Zauberweben Ringsum die hoffende Natur-
O, sei gegrüßt uns. Ostersonne, In deinem hellen Gnadenschein; Wie trägst du doch so sel'ge Wonne Nun in das Menschenherz hinein. — Der winterlichen Trübsal Sorgen, Sie flieh'n vor deinem Angesicht, Und leuchtend kündet's uns dein Morgen Run wiederum: „Durch Nacht zum Licht I“
Willkommen denn im Lenzeswehen Du hochgeweihter Osterkag, Der du beglänzst aus lichten Höhen Verheißungsvoll den jungen Hag; — Laß neuen Frühling auch entsprießen In jeder leidgequälten Brust, Daß frischer Muth sie mag durchfließen Und neuen Hoffens volle Lust!
Benno, Förster.
Am Auferstehungstage.
Von Maximilian Moegelin.
------- (Nachdruck verboten.)
„Nufersteh'n, ja aufersteh'n wirst Du!" Das waren immer die ersten Worte der Osterpredigt, die der Seelsorger seiner Gemeinde an's Herz legte; und wenn er heute hier und dort Thrünen sah und er selbst sich ihrer nicht wehren konnte, so waren Ereigniffe vorangegangen, die wohl dazu angethan
waren, so schmerzliche Erinnerungen am Auferstehungstage wach zu rufen.
Es war im Jahre 1867 und das Cholersjahr vordem hatte im Städtchen X. in der Mark mehr Hügel geschaffen, als viele Jahre vorher.
Auf der Orgelbank saß der Cantor Böring und lauschte andächtig den Worten, die von der Kanzel kamen. Auch an seinem Hause war der Würgengel nicht spurlos vorüber' gegangen, denn von all' dem Glücke, das ihn einst im Häuschen neben der Schule unigab, war nur ein Sohn geblieben und gerade dieser Sohn, der in weiter Ferne weilte, machte ihm viel Kummer und Sorgen.
Wenn Georg in früheren Jahren des Sonntags die Liturgie gesungen hatte, wobei er nie fehlen durfte, dann verschwand er oft während der Predigt hoch hinauf in den Glockenthurm und ließ seine Blicke nach allen Himmelsrichtungen schweifen, in mächtigem Drange die Zeit herbeisehnend, die ihm die ferne, weite Welt zeigen sollte. Er war ein wilder, aber sehr begabter «Knabe, der bald nach seiner Confirmation bei dem Kaufmann Berger in die Lehre trat.
Sehr bald erkannte der gewiegte Handelsmann in seinem Lehrlinge ein besonderes Talent und gar oft prophezeite er dem Cantor Böring eine gute Zukunft für seinen Sohn. Nach beendeter Lehrzeit hielt sich Georg nur einige Jahre in Deutschland auf; sein Ziel, der Drang seines ungestümen Herzens, war der ferne Westen.
An Ermahnungen, immer auf dem rechten Wege zu wandeln in Gottesfurcht und Gottvertrauen, hatte es sein guter Vater freilich nicht fehlen (affen, allein Georg glaubte nicht an den dreieinigen Gott, glaubte nicht den beredten Worte», die von der Kanzel kamen, sondern an ein unumstößliches Naturgesetz, das so regelmäßig arbeitete wie das Uhrwerk im großen Gehäuse, das neben seines Vaters Arbeitstische stand, so lange er denken konnte.
Geraume Zeit war er nun schon im anderen Welttheile, aber nur spärlich liefen Nachrichten von ihm ein, bis auch diese nicht mehr nöthig waren, — er war zur ewigen Heimath gegangen, der alte Cantor, und die halbe Stadt gab dem frommen Manne das letzte Geleit.
Gar manches Jahr ging^dann in's Land und die Erinnerungen an den „wilden Georg" wurden immer schwächer.


