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thätigen Lebens genießen. „Gehen wird sie niemals wieder," lautete vor fünf Jahren der ärztliche Ausspruch. Seitdem ist der traurige Ausdruck nicht von ihrem Gesicht gewichen und wird nicht eher schwinden, bis der Tod die tiefen Sorgenfalten glättet.
Lucys Stuhl wird in das Speisezimmer gerollt, wo dicht am offenen Fenster das Abendeffen ihrer harrt. Große Sträuße herrlicher Rosen schmücken den Tisch, denn Röschen trägt stets Sorge, daß der Schwester Auge nicht die Blumen vermißt, welche die Jahreszeit mit sich bringt- Die frische Butter ist daheim bereitet, ebenso das schwarze Brod; der goldene Honig kommt von den Bienenstöcken aus Röschens Garten und die frischen Eier ans dem Hühnerhof. Röschen läßt sich von diesem Allen schmecken mit dem guten Appetit, den ihr Leben in der freien Luft mit sich bringt. Wie reizend schaut sie aus in dem lichten weißen Kleis, das nur eine ein« zige dunkelrothe Rose schmückt! Eine Weile ruht der Schwester Blick voll Wohlgefallen auf den lieben Zügen.
„Bist Du auch ganz zufrieden hier?" frug sie alsdann und feufzte leise-
„Zufrieden?" ruft Röschen und schaut verwundert drein. „Nein, glücklich bin ich, völlig glücklich! Was fehlte mir auch | wobl? Bin ich nicht meine eigene Herrin und geht nicht Alles | gut? Ich glaube fast," setzte ste mit einem Blick nach dem friedlichen Bilds draußen hinzu, „viele Leute könnten mich um mein Glück beneiden."
Lächelnd schaut die Schwester in Röschens von Eifer leicht geröthetes Gesicht.
„Hegst Du niemals einen Wunsch nach mehr — nach irgend etwas außerhalb der vier Mauern von Lorringshöhs? Denkst Du nie daran, Dich zu verheirathen?"
„Heirathen!" ruft Röschen mit lachendem Auge- „Aber liebste Lucy, das wäre das Letzte, woran ich je dächte! Um eine» Mannes willen sollte ich mein liebes altes Heim ver» lassen — wo denkst Du hin?"
„Vielleicht bräuchtest Du es aber nicht zu verlassen."
„So käme er hierher? — Das wäre noch schlimmer! Er wollte dann Herr hier sein! — Rein, da» ertrüg' ich nicht! Und," fährt sie lächelnd und erröthend fort, „wie würde es Dir gefallen, wenn eine Schaar Kinder Alles hier im Hause zerbräche?"
„Deine Kinder würde ich lieben," entgegnet Lucy weich.
„Welch' thörichtes Geschwätz! Ich habe nicht Zeit, an derlei Dinge zu denken. Meinst Du, es würde Dir Vergnügen machen und Dich unterhalten, so können wir ja ein Kind annehmen. Doch nach einem Manne zu suchen, kann ich Dir nicht versprechen."
„Wart', bi» einer kommt, dann wirst Du anderer Mei- MU«8 sein."
„Ich glaube wirklich, dort kommt der erste Freier schon," rüst Röschen lachend. „Doctor Sinklar mit einem fremden, jungen Mann. Wer mag er sein?"
Die Nähe eines Fremden ängstigt Lucy; bleich und erschrocken schaut sie drein, al« Doctor Sinklar zwei Minuten später in da« Zimmer tritt.
Lebhaft kommt Röschen ihm entgegen und reicht dem alten Herrn die Hand; seit sie auf Lorringshöhe Herrin ward, ist er ihr Freund, Rathgeber und Geschäftsführer gewesen. „Mein Freund, Herr Walcker," stellte er den Fremden vor- „Ich nahm mir die Freiheit, ihn ungebeten mit hierher zu bringen." Sich zu Röschen wendend, setzt er leise hinzu: „Ein junger Mann, der mir bei meiner Arbeit hilft."
Doch Röschen wundert sich, daß er dies so seltsam ernst und zögernd sagt.
„Sie essen doch ein Butterbrod und trinken einen Schluck stische Milch mit un«?" fragt sie und eilt geschäftig, allerhand Leckeres mehr zu bringen.
Dis ganze Zeit hindurch schaut ihr alter Freund unter seinen dichten Brauen forschend nach ihr hin; auch des Fremden Auge folgte ihr. Und ist das zu verwundern? Ist sie in ihrer Anmuth nicht reizend anzuschauen?
Herr Walcker mit dem wohlwollenden Gesicht und den
offenen grauen Augen ist^ein hübscher Mann- Er weiß durch sein Wesen, sein Lächeln so anzuziehen, daß Röschen bald mit ihm plaudert, als hätte sie ihn ihr Leben laug gekannt. Er scheint gern von Lorringshöhe, von Oeconomie und Allem, was für sie Interesse hat, zu reden. Endlich, nach dem Abendbrod, bittet er, ob sie ihm wohl den Garten und die Felder, Hof und Ställe zeigen wolle. Mit Freuden ist Röschen dazu bereit.
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Sie wandern über die vom Abendthau schon feuchten Wiesen — Röschen mit dem Fremden; den grauen Kopf gebeugt, folgt Doctor Sinklar ihnen Über die Felder, durch den altmodisch angelegten Garten, in welchem es so köstlich nach den hunderterlei Blumen duftet, nach dem Gutshof, wo das Federvieh schläft, und von da weiter die kleine Anhöhe hinauf, welche einen so schönen Blick auf Lorringshöhe gewährt, wie es da im Dämmerlichte liegt, während sich langsam und allmälig die abendlichen grauen Schatten darüber breiten.
„Haben Sie die beiden Fersen verkauft, Röschen?" fragt Doctor Sinklar, während der Fremde sinnend den im Dunkeln noch weidenden Schafen zufchaut.
„Roch nicht; Montag kommen sie auf den Markt."
„Was ist das — Fersen?" fragt der Fremde schnell.
Da erklingt Röschens glockenhelles Lachen.
„Hören Sie, Doctor Sinklar?" spricht sie munter, „y Herr Walcker, ich fürchte, es ist vergebliche Mühe, Ihnen da» Gut zu zeigen."
„Richt doch; wenn ich auch nichts davon verstehe, so will ich doch gern lernen," entgegnete er lächelnd.
Als sie unter Plaudern und Lachen heimkehren Über die Felder, zeigt Röschen auf einen silbernen Streifen, der durch dis Bäume schimmert.
„Unser Fluß dort," bemerkt sie, „ist er nicht hübsch? Er bewässert unser Wiesenland."
Der Fremde blickt von dem Fluß zu des Mädchens ernstem Gesicht,
„Wie Sie Lorringshöhe lieben müssen!" spricht er weich.
Röschen versetzt mit leicht erregter Stimme: „Ja, ich liebe es sehr. Lorringshöhe ist mein Heim, mein Freund, mein Ein und Alles!"
„Und wenn See es verlassen sollten?" fragt er weiter- „Lorringshöhe verlassen?- — Richt eher werde ich es verlassen, als bis man mich nach dem alten Friedhof drüben trägt."
„Sagen Sie das nicht!" versetzte er schnell. „Aufrichtig wünsche ich Ihnen, daß es nie dazu kommen möge; aber es wäre doch vielleicht gut, sich mit der Möglichkeit vertraut zu machen."
„Sie machen es ja gerade wie meine Schwester Lucy; sie sagte mir schon dasselbe und war verwundert, daß ich mich nicht umschauen mag nach einem Mann." Bei den letzten Worten blickt e» wie munterer Spott aus ihren blauen Augen.
„Wie glücklich machte es mich, wenn Sie verheirathet wären, Röschen," wirft Doctor Sinklar mit einem Ernst ein, der schlecht am Platze scheint-
„Weshalb?" fragte diese, mit lächelndem Gesicht sich zu ihm wendend.
Alle Drei lehnten gegen die Umzäunung eines Kornfeldes. Ein sanfter Windhauch streicht über da« Getreide hin. Mehrere Secunden lang spricht Keiner. Röschen erwartet eine Antwort auf ihre Frage. Herr Walcker blickt, den Arm auf das Gitter gestützt, in die dunklen Schatten der hereinbrechenden Abends. Doctor Sinklar thut ein paar Schritte und kehrt zurück. Röschen wartet noch immer; aber ihre Augen sind ernst geworden, und ihre Lippen lächeln nur noch gezwungen.
„Wollen Sie es ihr nicht sagen?" dringt e« gepreßt von des Fremden Munde.
„Kind, wie soll ich^es Ihnen sagen?" spricht Doctor Einklar, Röschen« Hand erfassend, mit halb erstickter ©ttaM
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