Ausgabe 
14.3.1895
 
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Ein paar Augenblicke schaut Röschen zu, wie die schäu­mende Milch in die Eimer fließt; dann schreitet sie dem Hause zu, einem alten, hochgiebeligen Bau, hinter Epheu, Rosen und Schlinggewächsen aller Art halb verborgen.

Du liebe«, alte« Haus!" ruft Röschen laut, während ihr Auge auf den von der Sonne goldenblitzenden Fenstern ruht. Ein alter Hühnerhund, der keuchend auf dem heißen Sande liegt, wedelt, als sie vorüberkommt, lebhaft mit dem Schwänze und fchaut mit seinem treuen Auge blinzelnd zu ihr auf.

Da armer Nimrod, Dir ist gewiß recht warm!" spricht sie, indem sie sich zu ihm niederbeugt und liebkosend über sein schwarzlockiges Fell streicht.

Nimrod scheint sie zu verstehen; langsam steht er auf, geht auf das Hau» zu und beendet sein Schläfchen unter be.it langen Schatten, den die Giebel über den Rasen werfen.

Röschen selbst begibt sich in'» Haus, in das Wohnzimmer, ein niedriges Gemach mit getäfeltem Fußboden, voll alter, halb vergilbter Möbel. Die Fenster sind weit geöffnet und auf den Tischen und Schränken stehen allerhand antike, werth­volle Gefäße von Thon und Porzellan, gefüllt mit köstlich duftenden Rosen.

Achtzehn junge Hühnchen sind heute ausgekrochen! Ist das nicht nett, Lucy?" ruft sie mit heller Stimme.

Lucy, Röschens Schwester, hat wie diese blaue Augen und hellbraunes Haar; doch während die Eine kräftig und gesund ist, muß die Andere ihr ganze» Leben aus dem Sopha verbringen, eingehüllt in Kiffen und Decken. Ihr Gesicht ist bleich und zart, aber der Ausdruck von Frieden und Geduld verleihen den traurigen Augen und dem noch traurigeren Munde einen besonderen Reiz.

Es ist tüchtig heiß!" seufzt Röschen, indem sie ihren Hut auf den nächsten Stuhl wirft.Ich bin aber überall gewesen: im Hof, im Garten, in den Ställen überall! E» ist heute ein köstlicher Tag! Du kannst Dir gar nicht denken, Lucy, wie schön e« ist!"

Der Schwester Augen schweiften sinnend durch da» weit geöffnete Fenster nach der Wiese, wohin die Sonne ihre schrägen Strahlen wirft, und dann weiter nach den purpurnen Spitzen der fernen Berge. Einst war auch sie kräftig und gesund; aber nie kann sie wieder die Freuds eine» freien

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Mrrhaltungsblatt zum Mrßrner Anzeiger (Ornrral-Aiyeiger).

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Der rechte Erbe.

Novelle von A. Nikola.

------- (Nachdruck verboten.)

I.

Cs ist ein warmer Juni-Nachmittag.

Der Gutshof liegt in Hellem Sonnenschein. Neugierig gucken die goldenen Strohs ime und Heuschober über die Mauer nach den fetten Schweinen, den wohlgenährten Hennen und den flaumigen Küchlein hin. Die Kühe und Kälber schauen mit ihren braunen schläfrigen Augen behaglich um sich; das Blöken und Grunzen, das Girren und Krähen, all' die ländlichen Laute paffen herrlich zu dem warmen Sommer­wetter und den noch ungemähten Wiesen voll Klee und Butterblumen.

Inmitten auf dem Gutrhof steht Röschen Lorring, die Herrin und Eigenthümerin von dreihundert Acker Lande» in der Runde. Sie streut den jungen Hühnern, welche sich in großer Menge zu ihren Füßen fchaaren, ihr Futter hin. Sie ist groß und schlank und au» dem von der Sonne gebräunten hübschen Gesicht schauen ein Paar liebe veilchenblaue Augen heraus. Welch' allerliebstes Bild: die junge Maid in dem leichten Sommergewand, dem großen Stro'zhut mit blauem Bande und dem Korb am Arm, aus dem sie die Hühner füttert! Dies junge edle Gesicht kennt noch keine Sorge; aus diesen sanften Augen mit den langen Wimpern schaut nur froher Sinn heraus.

Der Herrin von Lorringrhöhe ist das Leben noch leicht und süß; sie ist voll Kraft, Gesundheit und guten Muths und Alles scheint zu gedeihen, was ihre Hand berührt.

Ein Flug weißer Tauben wetteifert mit den Küchlein um den gequetschten Mais. Nachdem Röschen ihnen die letzten Körner au« ihrem Korbe hingestreut, stattet sie den Kälbern einen Besuch ab und streichelt deren weiche Nasen mit ihrer kleinen braunen Hand.

Die schon im Untergehen begriffene Sonne scheint ihr voll in die dunkelblauen Augen, als sie den Hof und die Tauben, die sie girrend umflattern, verläßt und langsamen Schrittes nach den duftenden Wiesen wandert, wo die Kühe, bi» an die Kniee im hohen Grase, gemolken werden.