Ausgabe 
13.7.1895
 
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verlieren, wenn sie das Marktschiff nach SSvres, das in einer Stunde abging, erreichen wollten.

Pah, um fünf Uhr geht ein anderes," sagte Lefebvre. Das Fräulein wird vielleicht nichts dagegen haben, sich einen Augenblick auszuruhen," fügte er hinzu, indem er sich zur Begleiterin Bonapartes wendete.

Dar junge Mädchen entgegnete, daß sie gern ein Glas Wafler annehmen wolle.

Bonaparte folgte also Lefebvre. Ein Tisch und Stühle wurden herbeigebracht, die auf der Landstraße in den Schälten gestellt wurden, dann Gläser und zwei Flaschen eine» guten säuerlichen Weines, der von den Hügeln von Marly her» stammte.

Man stieß auf die Nation an, und Bonaparte, etwas heiterer geworden, stellte seine Schwester Marie-Anne vor, bester bekannt unter dem Namen Elisa, die in der Folge Felix Bacciochi heirathen und nacheinander Fürstin von Piombino und Lucca, später Großherzogin von Toscana werden sollte-

Elisa, deren beständige Streitereien einst gleich denen ihrer Schwester die Geduld Napoleons erschöpfen sollten, die inmitten seiner Galanterien widerspenstig war und sich höchst eifersüchtig auf ihre jüngeren Schwestern, die Könige geheirathet hatten, erwies, war damals sechzehn Jahre alt. Sie ahnte nicht ihre zukünftige Größe, noch die neidischen Gelüste, die deren Folge sein sollten.

Sie war ein großes, braunes und magerer Mädchen, mit mattem Teint, sehr schwarzen und sehr üppigen Haaren, starken, Sinnlichkeit verrathenden Lippen, etwas vorstehendem Kinn, mit einem Gesicht von vollkommenem Oval und einem tiefen und intelligenten Blick. Ihr ganzes Aussehen war von Hochmuth getränkt, und ihr Auge ruhte verächtlich auf den kleinen Leuten, mit denen sie sich vor dem Laden der Obsthändlerin zu Tische setzen mußte.

Elisa war eines jener Fräulein von Saint-Cyr, deren nach den Regeln der Madame de Maintenon geleitete Er­ziehung aus der königlichen Schatulle bestritten wurde, und die sich Alle als dem Schädel Jupiters entsprungen hielten. Ein Decret vom 16. August hatte das Erziehungshaus von Saint «Cyr als einen royalistischen Herd unterdrückt. Die Eltern waren genöthigt worden, ihre Töchter so rasch als möglich zurückzuholen, und die Anstalt leerte sich schnell.

Bonaparte hatte aus Mangel an Geld lange gezögert, seine Schwester aus dem aufgehobenen Kloster abzuholen. Das Haus mußte jedoch im September vollständig geräumt sein, und Elisa richtete daher auf den Rath ihrer» Bruders eine Bitte an das Directortum von Versailles, man möge ihr die nothwendige Summe geben, damit sie zu ihrer Familie zurückkehren könne-

Aubrun, damals Bürgermeister von Versailles, stellte ihr ein Zeugniß aus, welches constatirte:das Fräulein Marie- Anne Bonaparte, geboren am 3. Juni 1777, am 22. Juni 1784 als Zögling in die Erziehungsanstalt von Saint-Louis eingetreten, sich dort noch befinde und die Summe von 352 Livres erbat, um sich nach Ajaccio, dem 352 Meilen entfernten Wohnort ihrer Familie zu begeben."

Laut dieser Autorisation war Bonaparte am Morgen »ach Versailles gekommen, um seine Schwester abzuholen. Er führte sie mit sich nach Paris und begab sich von dort nach Corsica.

Lefebvre und Hoche beglückwünschten den Kapitän, daß es ihm aus diese Weise gelungen sei, die zarte Familienan­gelegenheit zu erledigen.

Bonaparte theilte ihnen gleichzeitig mit, daß die Ver­pflichtung, seine Schwester nach Hause zu bringen, ihm er­laubt hatte, seine eigene Wiedereinsetzung in die Armee mit größerer Energie zu verlangen.

Sie werden also bald wieder zu Ihrem Regiment stoßen?" fragte Hoche mit Jntereffe.

(Fortsetzung folgt.)

machen!"

Der Kriegsminister hat mich mit meinem Kapitän»- rang dem 4. Artillerie-Regiment zugetheilt; aber ich gehe nach Corsica, um meine Schwester zu begleiten," antwortete Bonaparte.Ich bin autorisirt, dort wieder da» Kommando meines Freiwilligen-Bataillons zu übernehmen."

Viel Glück, Kamerad," sagte Hoche.Geht es vielleicht dort auch los?"

Es geht überall los."

Wie schade, daß man sich nicht zu gleicher Zeit auf zwei Stellen tödten lassen kann," sagte nun mit Enthusiasmus Catherine, deren Zünglein schon brannte.

Ah, meine Freunde, wenn das Glück mir günstig ist," rief Bonaparte mit Ueberzeugung,dann werde ich Euch schon Gelegenheiten geben, mit Ehren zu fallen oder Ruhm, Titel, Würden und Reichthum in der Furche des Siege» zu finden! Aber entschuldigt meine Schwester und mich, es wird spät und wir müssen uns zu Fuß nach Ssvre« be­geben."

Und wir, ehe wir uns auf den Weg machen, um dar von den Preußen bedrohte Verdun zu befreien, müssen nach Paris zurück und diesen künftigen Husaren mitnehmen," sagte Catherine fröhlich, indem ste auf den bereits ganz reisefertigen, kleinen Henriot deutete.

Das Kind betrachtete ungeduldig alle diese Leute, die plauderten und gar nicht daran zu denken schienen, sich auf den Weg zu machen.

Vielleicht sehen wir uns wieder, Kapitän Bonaparte," sagte Hoche, seinem Kameraden die Hand drückend.

Auf dem Wege de» Ruhmes," fügte Lefebvre hinzu-

Um dahin zu gelangen, müssen wir da» Marktschiff beim Pont de Sovre» besteigen," sagte Bonaparte lächelnd. Kommen Sie, Fräulein von St Loui»," fügte er, gegen seine Schwester gewendet, hinzu.

Unterwegs plauderten sie miteinander.

Wie findest Du diesen Kapitän?" fragte Bonaparte die Pensionärin.

Den Kapitän Lefebvre?"

Rein der ist ja verheirathet. Seine Frau ist diese gute Seele von Catherine. Aber der andere, Lazare Hoche."

Er ist nicht Übel."

Würde er Dir als Mann gefallen?"

Die künftige Großherzogin erröthete und machte eine abwehrende Bewegung. , t m .

O, er paßt Dir also nicht," sagte lebhaft der Bruder, ihre Bewegung als Weigerung auslegend.Das ist schade. Hoche ist ein guter Soldat, er hat eine Zunkunft vor sich.

Ich habe nicht gesagt, daß Hoche mir mißfällt," mur> melte Elisa-Aber, lieber Bruder, ich bin zu jung, um ans Heirathen zu denken und dann . . ."

Und dann?" L .

Möchte ich nicht einen Gatten, der nicht dem Kon g ergeben ist. Nein, einen Republikaner werde ich niemals heirathen."

Du bist also Royalistin?"

In Saint-Cyr waren es Alle."

Nun, da« rechtfertigt ja das Aufhebungsdekret," sagt Bonaparte lachend.Seht mir diese Fräulein von St- Lom» an. Solche Aristokratinnen. Es wäre vielleicht nothwendtg, einen neuen Adel zu schaffen, um Gatten für sie zu finden.

Und warum nicht," antwortete die hochmüthige EM

Bonaparte runzelte die Stirne. Die Antwort Elisa» choquierte ihn nicht, aber ihre hohen Ansprüche beunruhigten $Nun, da wird es ja leicht sein, ihr einen Mann zu verschaffen," dachte er.Meiner Treu, diese kleinen Mädchen haben von nichts eine Ahnung. Ohne Mitgift, m Brüdern ohne Stellung und das will noch Schwierigkeit

Redaction: A. Scheyda. Druck und Verlag der Brühl'schen Universttäts-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Scheyda) ttt