Ausgabe 
12.10.1895
 
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stch zum Bühnenmeister und zum Bahnwärter von Bude 114, »Murn möchte ich noch die Mittheilung machen, daß stch Ihre Söhne sehr wohl befinden. Beide sandten mir ihre Glück- wünsche zum heutigen Tage. Sie sind nach Tertia versetzt, was Sie wohl schon erfahren; und ich hoffe, sie werden Ihnen noch viele Freude machen."

Das ist auch unsere Hoffnung, Herr Forstmeister, aber wie sollen wir Ihnen nur dar Alles danken," entgegnete der Bühnenmeister.

Viel sprechen kann ich nicht," ergänzte dann der Bahn- Wärter von Bude 114 und er legte seine Hand auf's Herz, aber meine Frau läßt Ihnen auch vielmals danken."

«Nun, meine Lieben, der Dank gebührt ja meinem Schwiegersohn; doch gebe Gott, daß wir noch einige Jahre leben und immer Freude an unseren Kindern haben."

Als die Gesellschaft aus dem Walde zurückkehrte, fing es gedeckt °B' bunteI werden und der Abendtisch war schon

In heiterer Weife verging nur zu schnell die Zeit und die Stunde des Aufbruches mahnte, denn der Zug durfte nicht versäumt werden.

»Herr Forstmeister," sagte der Lehrer Hoffmann,wir haben Sie heute mit Gesang begrüßt und wir möchten auch so von Ihnen scheiden."

Freundlich nickte der Forstmeister und ließ sich im Kreise seiner alten, lieben Freunde nieder.

Lautlose Stille trat nun ein und froh bewegt erschallte in dem weiten Saal:Das theure Vaterhaus".

Hertha, die an der Seite ihres Mannes P' *<> mit inniger Rührung der Stunde, in welcher ? .<

heim Abschied nehmen wollte. Wieder f ..olick

vor ihrer Seele, in dem ihr Herz ihr sagte.«r nicht Des Seemanns Abschied von seinem Lieb", , auch nicht «Das theure Vaterhaus", auchDein Lied" nicht, aber bleib bet mir. Mit ihren treuen Augen sah sie hinauf zu ihrem Gatten, dem wieder ein ganzes Himmelreich entgegen» strahlte wie zu jener Stunde, da sich ihre Herzen fanden.

Zwei Monate nach dieser Zeit erhielt der Forstmeister >er Lmdenheim einen Brief aus Australien von Curt Walten - wie er jetzt hieß.

Bittere Reue empfand er über seinen Leichtsinn, den er s.r gar zu schwer hatte büßen müffen. Es waren ihm nicht trübe Erfahrung en, bittere Stunden und schwere Tage harter Arbeit erspart geblieben; ja, er hatte den Kelch leeren müffen bis auf die Neige. Nach unsäglichen Mühen und anstrengen­den Arbeiten beim Löschen der Schiffe im Hafen von Victoria gelang es ihm endlich, in Crafton in New-Südwales als Comptoirist im Hause Stevenson u. Co., einem großen Woll- exportgeschäft, Stellung zu finden. Curt bat den Onkel in- ständigst, ihn wieder mit seiner Mutter zu versöhnen und bat auch ihn um Verzeihung für die bitteren Stunden, die er ihm bereitet.

Der Forstmeister sandte seinem Neffen sogleich die Ant­wort, aber nach kaum drei Monaten empfing er abermals einen Brief aus Crafton, in dem Curt tiefe Reue und bitteren Schmerz über den Tod seiner Mutter empfand. Er sehnte stch nicht mehr zurück nach dem Lande, wo seine Wiege stand, denn er hatte ein zweites Vaterland gefunden. Durch seine Begabung und sein Wesen gelang es ihm bald, das Ver­trauen seines Herrn Stevenson zu erwerben, mit dessen zweiter Tochter er zum Weihnachtsfeste die Hochzeit zu feiern gedenkt.

Er bat seinen Onkel nochmals um Beleihung und schloß mit den aufrichtigsten Grüßen und Wünschen für den Onkel und sein Haus.

Das Gymnasium zu Marienwerder besuchen zwei Freunde, des Bauinspectors Heyd Schützlinge.

Emil Winter ist ein stiller Mensch, der unverdrossen bei seinen Arbeiten fitzt und sich kaum die nöthige Ruhe gönnt. - Aus seinem Bücherregal stehen verschiedene Werke, die ihm

Heyd gesandt. Nach Absolvirung dieser Schule wird er stch dem Baufache widmen, wozu er grobe Lust hat.

Friedrich Weidner ist auch ein fleißiger Schüler, auch ein guter Mensch, aber einer von den Wilden, der zur Marine gehen will, sobald er erst die Schule hinter sich hat.

Seit jenem Tage, an dem er dem Tode in's Auge ge­schaut, hat er noch öfter in dem Fluß gelegen und unfreiwillig Wasser getreten, aber es hat ihm nichts mehr geschadet. Sein Vater war ein strenger Mann, der ihm schön heimgeleuchtet bätte, würde er öfter von dem Treiben seines Erstlings er* «ähren haben.

Aber unser Friedrich kam dann immer von hinten herum in's Haus und meistentheils war ja auch der Bühnenmeister abwesend. Sobald die Schulstunden vorbei waren, war Fried­rich stets mit einigen Gleichgesinnten am Wasser zu finden. Mit besonderem Vergnügen sprang er im Sommer vom Buhnenkopf in die Tiefe, schwamm unter dem Flößholz hinweg j und tauchte in ziemlicher Entfernung wieder auf; oder wenn im Frühjahre das Eis kam, schwamm er auf demselben den Strom hinab und sprang mit großer Kühnheit von einer Scholle zur anderen. Das Wasser war sein Element, seine Freuds war die Weichsel und sein Sinnen und Trachten dar weite, wette Meer.

*

Auf ihrem Zimmer sitzt Tante Doctor nunmehr eine alte Matrone, deren Thätigkeit auf Walten nicht mehr in Anspruch genommen wurde. Täglich zählte sie ihr Geld und zählt es immer wieder. Aus ihren Händen hat sie es nie mehr gegeben, das sie an dem Tage, als sie es wieder er­halten, hocherfreut an ihr Herz gedrückt. In ihrer weiten Tasche verbirgt sie ängstlich den Schlüssel, sobald sie ihr Zimmer verläßt, das sie stets gewissenhaft verschließt.

Ja, dieses Geld, das ist ihr Glück, ihre Freude, ihr Leben fie wird es bald nicht mehr brauchen.

Im Mittelzimmer des rechten Parterres saß der Forst­meister in seiner Sopha-Ecke, er rauchte seine Pfeife und lauschte den Klängen des Lieblingsliedes seiner Tochter.

Die laue Abendluft strömte durch die offenen Fenster und Sterne glänzten am hohen Himmelszelt.

Wieder sind es vier Hände und zwei Stimmen eine« glücklichen und zufriedenen Paares, dieSein Lied" heraus­schwingen:

Was das Meer erzählt und uns die Welle sagt, Wie viel Schmerz und wie viel Leid ist Dir geklagt; Trägst im Sturme stolz Dein schaumgekröntes Laupt, Dein schaumgekröntes Haupt.

Speist verderbenbringend Noth und Trübsal aus, Noth und Trübsal aus.

Was gleicht Dir in stiller Sternennacht?

In der Tiefe Deines Reichthums Pracht?

Wenn die Sonne majestätisch untergeht, Dann ladet Gott der Herr uns zum Gebet. Wenn die Sonne majestätisch untergeht, Dann ladet Gott der Herr uns zum Gebet."

Das Geschichtliche der Kochkunst

(Schluß.)

"Sn dieser Entwickelung der Kochkunst haben nicht nur die Köche und Köchinnen gearbeitet; in frühem Zeiten nahmen die großen Herren selbst ebenso wie auch Dichter und Philosophen thätigen Antheil an der Förderung dieser Kunst. Richelieu, Marzarin, der Conno-table Montmorency erfanden neue Ge­richte, die heute noch deren Namen führen, und d r Philosoph Montaigne (1533 bis 92) hielt es nicht unter seiner Würde, ein Buch über die Wissenschaft des Essens (Science de \a gueule) zu schreiben. Papst Pius V. ließ durch seinen Leibkoch Bartolommeo Scuppi ein Kochbuch des Papste« publizieren (1570), und Ludwig XIII. legte besonderen Werth auf seinen Ruhm als Verfertiger feinerer Confitüren. Unter' Ludwig XIV. erfand Conde die berühmte, nach ihm benannte Bohnensuppe und der Minister Colbert die vortreffliche Sauce