Ausgabe 
12.10.1895
 
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scheu, denn von dem vielen Auswändern hört man jetzt gar nichts mehr!"

Als sich die Wagen dem Schlöffe näherten, hielten die beiden letzten, um die Gäste absteigen zu lassen, die nun zu Fuß gingen.

Am Parkeingange empfing der Forstmeister und seine Tochter ihre lieben Bekannten.

Nun gab es ein frohes Wiedersehen, ein freudiges Be- grüßen und Glückwünschen. Wieder hatte fich die ganze Mittwochsgesellschast eingefunden, auch Hellmuth und Familie fehlten nicht. -

Mein lieber Oberförster," sagte der alte Amtsvorsteher voller Rührung,nun sind wir wieder einmal gesund und froh beisammen"

Und wollen nun auch froh und lustig sein," ergänzte

von Wildenau.

Natürlich, natürlich, und wenn wir Scat spielen dann bleibe ich auch morgen noch hier," meinte Ribold, der inzwischen noch ein wenig an Umfang zugenommen hatte.

Alle fingen laut an zu lachen und Hellmuth wurde am letzten damit fertig.

Nein, diese Beharrlichkeit des Ribold beim Scatspielen I" sagte der Ingenieur und klopfte seinem alten Freund Arthur auf die Schulter.

Und wie sie Alle so wohl aussehen, das ist mir wirk­lich eine große Freude; doch nun laßt uns hineingehen, damit wir uns stärken, denn das Eisenbahnfähren macht Appetit," meinte der Oberförster, seine Gäste vorwärtsdrängend.

Am Eingänge begrüßte Tante Doclor die ganze Gesell­schaft und führte sie dann in den grünen Saal nach der ge­deckten Tafel.

Vordem machten sie aber noch einmal Halt; sie kamen durch das Jagdzimmer, dessen wundervolle Einrichtung der Bauinspector seinem Schwiegervater zum Geschenk gemacht.

Herr von Wildenau war wieder ganz weg das war er immer, wenn er dergleichen auch bei Anderen sah, denn sein Jagdzimmer war ebenfalls großartig eingerichtet. Nun war er als echter Nimrod wieder ganz begeistert, denn er sah mancherlei Neues.

Stylgerecht waren alle Wände mit Jagdtrophäsn und Jagdstücken geschmückt. Das auf der letzten Kunstausstellung so viel bewunderte GemäldeElche beim Morgengrauen" hing in einem kostbaren Rahmen, umgeben von starken Ge­weihen von Damwild und Rothhirschen. Zwei Steinadler breiteten ihre mächtigen Schwingen aus über zwei Achtzehn- ehnder, die wieder einen Theil von Gruppen bildeten, in deren Mitte sich die Auerhahn- und Fasanenjagd, ebensalls kostbare Gemälde, befanden.

Tante Doctor nöthigte wieder und so faßte denn der Forstmeister seinen Freund von Wildenau unter dem Arm und führte ihn zur Tafel.

Mit ausgelassener Fröhlichkeit setzten sie sich zu Tische und Alle waren ein Herz und eine Seele.

Der Ingenieur war heute ganz besonders bei der Sache. Seit seinem letzten Hiersein gab es ja wieder eins Menge interessanter Neuigkeiten und Erlebnisse, und durch alle ging Frohsinn und Humor und es schien wirklich so, als wäre das Leben eine Kette froher und heiterer Stunden.

Al« ältester Gast brachte der alte Thielemann alsbald das Hoch auf den Forstmeister, seinen alten lieben Oberförster, aus, in das Alle mit frohen Herzen einsttmmten und das wohl als ein verabredetes Zeichen nach außen drang; denn als das dritte Hoch verklungen, tönte von unten herauf der treffliche Sang:Gott grüße Dich, kein andrer Gruß."

Mit bewegtem Herzen hörte es der Forstmeister; er lehnte sich in seinen Stuhl zurück und das Herz wurde ihm weit.

Als dann der letzte Vers verklungen war, stand er auf und schritt zum Fenster. Aber welch' freudiges Erstaunen la» man in seinen Augen, als er seine lieben alten Bekannten und seine grüne Farbe erblickte, die Farbe, der er so lange

Jahre angehörte und der sein Herz immer angehören wird, so lange er lebt.

Herzlich begrüßte er nun die Sägner und dankte für die freudige Ueberraschung, die sie ihm gemacht.

Jetzt wurde die Tafel erst vollständig und in ungezwun­gener Fröhlichkeit plauderte man bei Tisch, als wäre es nur eine Familie.

Man erzählte von Wald und Flur, von dem lieben Lindenheim und dem Resultat der letzten Treibjagd im Belauf Birkheim.

Alle waren begeistert bei der Sache, nur der dicke Ribold nicht; er sagte zwar immer Ja und Nein, aber beim Effen zumal wenn es was Besonderes gibt konnte ihn so leicht nichts stören.Wo nur der Steuer diese wundervollen Lachsforellen her hat; das möchte ich wohl wissen," so fragte er sich.Vielleicht hat fich ein Zug aus den Karpathenbächen in unsere Weichsel verirrt, da» kommt ja vor, freilich nur sehr selten. Und diese prächtige Krebsmajonaise, da muß ich mir nachher doch das Rezept ousbitten."

Herr Forstmeister, bet mir stehen jetzt zwei Kapitalböcke, da sollten Sie mich doch wirklich einmal beehren," sagte von Wildenau.

So wohl wieder bei der Eichenschonung an Jagen sechsundachtzig?" entgegnete der Forstmeister lächelnd.Aber das Vergnügen will ich Ihnen schon nicht rauben, mein lieber Wildenau. Aber zur Rebhühnerjagd müssen Sie herüber kommen, denn nirgends sah ich so viele Hühner als hier! Herr Oberinspeetor l" rief er zum anderen Ende der Tafel hinüber.Wie viel Hühner haben wir wohl auf unseren Wiesen und Feldern?"

Nun, es mögen wohl an achtzig Volk sein," gab der Oberinspector trocken zurück.

Nun hören Sie es, mein lieber Wildenau, an achtzig Volk zählte der Herr Oberinspector," sagte der Forstmeister vergnügt.

An achtzig Volk," wiederholte von Wildenau.Um's Himmels willen, heiliger Hubertus, nun ist es aber genug."

Und immer fünf auf einen Schuß fchrumm ist das 'ne Jagd," ergänzte der alte Förster Rudow, der sich laut lachend in seinen Stuhl zurücklehnte und das linke Auge zukniff.

Die ganze Gesellschaft brach in ein homerisches Geläckter aus, denn Alle waren ganz bei der Sache, besonders die grüne Farbe.

So war man in der besten Stimmung und lebhaft Unterhaltung, als der Forstmeister an sein Glas klopfte.

Meine lieben Anwesenden!" begann er.Aus meinem Lebenswege, der ja längst bergab geht, waren mir in den letzten Jahren so viele Freudentage bescheert, wie ich sie nie erwartet und auch nie verdient habe, und ich bin dem Ur- ewigen sehr dankbar für den Segen, den er mir verliehen. Aber von all' den Tagen ist mir der heutige einer, welcher meinem Herzen besonders wohlgethan. Sie Alle hier sind hergekommen, um mich mit Aufmerksamkeit zu überhäufen. Mehr denn jemals empfinde ich heute die Worte:Seid um- fchlungen, Millionen". Ihre Anwesenheit hat mich so freudig gestimmt, daß ich nicht nur Sie, meine Lieben, sondern die ganze Welt umarmen könnte. Nehmen Si- in wenigen Worten meinen innigsten Dank. Der Himmel aber gebe Ihnen noch viele Jahre Gesundheit, er erhalte Sie noch lange zum Segen der Ihrigen, besonders aber Ihrer Nachkommen, die Ihnen Freude machen mögen jetzt und immerdar. Und mit diesen Wünschen erhebe ich mein Glas und trinke auf das Wohl aller Anwesenden, insonderheit aber meiner lieben Gäste!«

Nach aufgehobener Tafel begaben fich die Herren in den Park, die Wirthschaftsgebäude und in den Tannenforst.

Alls Achtung vor Ihrer Wirthfchaft, mein lieber Ober­förster; wahrlich, in solchem Zustande wird man weit und breit keine zweite finden. Wie einfach und dennoch schön die Leutewohnungen aussehen."

Ja, lieber Thielemann, das ist auch meine« Baumeisters Werk. Und Ihnen, meine Herren," sagte er und wendete