6**#«gk*llCd«6tt
1895
Lmiliekßlättsk
WNAÄDm dd^k^MLKsS
^K v.
MnterhMWgMM zum Gießener Anzeiger (General-Anzerger).
-«an
Ihr Vermächtniß.
9tom«» ven Maximilian SSeegelte.
(Schluß.)
Ein Jeder ging von der Weihnachtsbescheerung beglückt nach Hause, aber vom Geber war keine Spur und nur die Wenigsten wußten, woher der Segen kam.
Wenn Heyd durch da« Dorf ging oder fuhr, so war ihm am wohlsten, wenn ihn Niemand beachtete. In der ersten Zeit war e« auch theilweise der Fall. Nur wenige Leute eilten verschämt zum Fenster oder nach der Thür und blickten ihm neugierig nach. Im zweiten Jahre war e« aber schon anders; wenn er dann durch'« Dorf kam, wurde er ehrfurchtsvoll von allen Bewohnern ohne Unterschied begrüßt und diese Ehrerbietung kam au« dankbarem Herzen — e« ging ihm so wie einst dem seligen Sandow, wenn er durch die Stadt ging, die er zum Wohle vieler Menschen gebaut. Mit wehmüthigem Herzen mußte Heyd an ihn denken- —
Der Frühling war wieder in'« Land gezogen und die erwärmende Sonne sandte ihre Strahlen in dar Zimmer de« Forstmeister«, al« wollte sie sagen: Steh' auf, steh' auf, mein Lieber; die Lerche steigt schon hoch. Sieh' nur, wie gut ich'« mit Dir meine. Froher Sonnenschein sei Dir noch viele Jahre beschieden, aber ob Du diesen Tag noch oft erleben wirst — da« können wir Dir freilich nicht sagen, aber der Himmel gebe es.
, Auf seinem Tische fand der Forstmeister eine Menge Briefe; sie kamen von Nah und Fern, um ihm die Glückwünsche darzubringen zu seinem 60. Geburtstage.
... Leise öffnete Arthur die Thür; er schob die dicken Por- twren zur Seite und er und seine Familie brachten nun dem Alten ihre Segenswünsche. Einen Veilchenstrauß hielt der netae Karl in seinen Händen, und wenn er auch noch keine Wünsche sagen und nichts zum Großpapa sprechen konnte, al«
„Komm', lieber Mai, und mache Die Bäume wieder grün,"
fo nahm ihn doch der Alte auf seine Kniee und drückte ihn an sich. Ihm schlug da« Herz höher und freudig sah er auf
den jüngsten Sproß des Hauses. In des Forstmeister« Augen konnte man es lesen — er hatte den Himmel auf Erden.
Friedlich sahen wieder die schrägen Sonnenstrahlen durch die hohen Bogenfenster, als wollten sie noch einmal sagen: diesen Tag noch oft erleben wirst, das können wir Dir freilich nicht sagen.
«Nun, mein lieber Vater, werde ich zur Bahn fahren, um unsere Gäste zu holen, die Wagen sind schon fertig," sagte Heyd nach einer Weile und verabschiedete sich.
. Und als er dann längst fort war, ging der Forstmeister in den Wirthschaftshof. Er ging nicht, um Ovationen zu empfangen zu diesem Tage - nichts lag ihm ferner al» das. Aber feine Leute konnten eine Nichtachtung darin erblicken, wenn er sich gerade heute von ihnen fern hielt.
In ihrem besten Staate traten ihm die beiden Jnfpec- toten und die Vögte entgegen und brachten ihm ihre Glückwünsche und die der ganzen Leute. Herzlich dankte der Forstmeister Allen und reichte den Anwesenden freundlich die Hand.
Von vielem Arbeiten wäre ja an diesem Tage so wie so nichts geworden, aber heute, an einem Sonntage, da sollten auch Alle diesen Tag festlich begehen.
Auf der kleinen Station, die nur eine Haltestelle war, stiegen heute viele Leute au«, wie es sonst nur im Frühjahre "ach dem Eisgange geschieht, wenn au« allen Dörfern die Flößer herbeikamen und an ihre Arbeit gehen, oder im Herbst, wenn sie wiederkehren nach den Stätten, wo inzwischen die Frauen für ihr bischen Land und die Erziehung der Kinder gesorgt haben.
Heute war wieder ein lebhafter Tag und verwundert schaute der Telegraphist und der Bahnwärter der Gesellschaft nach, die auf den Wagen nur langsam den sandigen Weg zur Höhe fuhren.
»Auf dem Schlosse muß heute etwa» Besonderes los sein," sagte der Rothbemützte zu dem Bahnwärter, der noch immer an seiner zurück geschobenen Barriere stand.
„Seit der neue Herr dort eingezogen ist, hört man nur Gute» von da oben. Stolz scheint er nicht zu sein, denn e« waren auch einfache Leute bei der Gesellschaft — ja sogar ein Bahnwärter oder Weichenstelleri" erwiderte der Andere.
„Und drüben im Dorfe scheint nun auch Ruhe zu Herr»


