Ausgabe 
12.2.1895
 
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Dürste sie ihm wenigstens entgegentreten unabhängig, auf eigenen Füßen stehend, aber so, Alles, Alles von ihm anneh« wend? Ein heißes Roth stieg in ihr Gesicht, nein, das ging nicht, er durste sie hier nicht finden. Wie eine niedere Magd, wie es so schön int Liede heißt, wollte ste denn auch Nicht vor ihm stehen.

Mit zitternden Fingern griff sie nach einem Packet Zei­tungen, die sie sich unterwegs gekauft, um sich die Annoncen, in welchen Gesellschafterinnen, Bonnen, Vorleserinnen und dergleichen gesucht wurden, zu notiren. Sie war zu Allem bereit und wenn man ihr zumuthen sollte, mit dem Kinder­wagen durch die Straßen zu fahren. Nur irgend eine Thätig- keit, nur nicht länger hier sitzen und die geschmacklosen Tapeten, diese entsetzlichen Oeldruckbilder Tag für Tag anstarren und denken und sinnen, bis dann vielleicht eine Stunde käme, wo er hier etnträte, ein Befreier, ein Erlöser, der sie wieder zurück­geleitete in das verlassene Paradies. Nicht als ein Bittender würde er dann vor ihr stehen, nein, wie einer, der ein Recht hatte zu fordern, ein Recht, ihr ihre Thorheiten und verkehrten Lebensansichtm vorzuhalten, wie es ja schon ihr Schwager ge- than, all' ihr Stolz, ihr Selbstbewußtsein, ihr Vertrauen auf die eigene Kraft, sollte Alles zu Schanden werden? Mit solchen Gedanken durchblätterte Emmy die Zeitungen, notirte sich einzelne Annoncen und am Nachmittag durchwanderte ste wieder die Straßen der Residenz.

Zunächst lenkte sie ihre Schritte nach dem Hause eines Bankiers, wo eine Gesellschafterin und Reisebegleiterin gesucht wurde.

Etwas zaghaft stieg sie die tcppichbelegten Treppen hinauf und ließ sich der Dame des Hauses melden. Welch' ein Luxus hier überall, kostbare Kunstwerke zierten die Wände des Zimmers, in das man sie geführt hatte, die Möbeln, die Teppiche waren von den schwersten modernen Stoffen. Ein prachtvoller Flügel stand in der Mrtte de» kleinen Salons und Emmy erfaßte es wie heißes Sehnen, nur Hnmal die Tasten unter ihren Fingern erklingen zu lassen, eine der süßen Melo­diken von Chopin zu spielen, und die ganze häßliche sorgen­volle Welt, in welcher sie jetzt stand, um ihre Existenz kämpfen mußte, auf Augenblicke wenigstens zu vergessen. Aber wie hätte sie das wagen dürfen, in ihrer Stellung jetzt! Und da wurden auch schon die schweren Portieren auseinander ge­schoben; eine Dame in cremefarbener Spitze, totlette schwebte auf sie zu und Emmy starrte wie geistesabwesend in da» feine Gesicht vor ihr.

War das Sidonie Welten? Nein, unmöglich, es konnte nur eine frappirende Aehnlichkeit fein, wie sollte sie hierher­kommen in diese luxuriöse Umgebung, und daß sie nicht Gou­vernante oder Gesellschafterin war, sah man zur Genüge an der eleganten Toilette.

Mein Goit, Emmy, Du! Du willst doch nicht etwa meine Gesellschafterin werden?"

Diese Anrede riß sie aus allen ihren Zweifeln. Sie stand wirklich vor Sidonie Welten und diese war nicht gestorben an gebrochenem Herzen, wie ste vermuthet, nein, die junge Dame schien sich sogar ganz wohl und glücklich zu befinden, und all' die Schuld, die sie dem Geliebten zur Last gelegt, mußte sie nicht in nichts zerrinnen. O Welt, o Menschen!

Du bist verheirathet? Du bist Frau Bankier Fernau?" Fragend schaute Emmy in das Gesicht der einstigen Freundin.

Allerdings, hast Du etwas dagegen?"

Und er, Schmit Fritz Schmit?"

Erinnere mich doch nicht an diese größte Albernheit meines Lebens; die achtzehn Jahre, sie wollen einmal ihr Recht haben am Schwärmen und Lieben, aber alle solche Liebesschwärmeret beruht nur auf Einbildung; nimmt uns die Wirklichkeit, das reelle Leben erst in die Schule, dann ist's vorbei damit."

Warum konntest Du nicht schon in Langeroge so ver­ständig sprechen, warum gabst Du mir Dein Tagebuch, for­dertest mich auf, Dich zu rächen?"

Und Du hast mich wirklich gerächt?" fragte Sidonie

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j interessirt.Hast ihn tüchtig ablaufen lassen? O, da« freut mich, das kann ihm gar nicht schaden."

Aber ich ich habe ihn geliebt"

Und liebe ihn noch, Und fiele die Welt zusammen, Aus ihren Trümmern schlügen doch Hervor meiner Liebe Flammen!"

fiel Sidonie lachend ein.So singt der Dichter, und thörichte, verliebte Seelen stimmen mit ein. Kind, Kind, mache es wie ich, vergiß ihn und steh' zu, daß Du einen reichen Mann er- oberst. Wenn man das ernstlich will, dann setzt man es auch durch. In Langeroge, an dem einsamen Meeresstrand, neigte ich auch roch etwas zur Schwärmerei, aber dann ging ich mit dem letzten Rest meiner paar hundert Thaler, die mir meine Mutter hinterlassen, nach Wiesbaden, lebte auf großem Fuß, machte interessante Bekanntschaften und eroberte mir schließ, lich meinen Mann, der steinreich ist und mich vergöttert; was will ich mehr!"

Emmy schwindelte der Kopf bei -diesen Reden. War das wirklich dieselbe Sidonie Welten, die einst Fritz Schmit mit solcher Schwärmerei geliebt und beinahe an dieser Liebe zu Grunde gegangen war?

Und Du bist nun ganz gesund wieder?" fragte sie jetzt, um nur etwas zu sagen.

Nur noch ein wenig nervös bin ich," erwiderte die junge Frau,wir wollen darum nach Scheveningen und wenn Du meine Gesellschafterin wirst, kannst Du mich ja begleiten. Aber sag' doch, wie kommt es eigentlich, daß Du eine der­artige Stelle suchst? Du hattest doch Vermögen!"

Emmy wurde der Antwort überhoben. Ein kleiner, dicker Mann mit sehr spärlichem Haarwuchs und nichtssagenden gewöhnlichen Zügen trat plötzlich in das Zimmer und wurde ihr von Sidonie als deren Gemahl vorgestellt.

Tie junge Frau erröthete ein wenig, als ste in Emmys verblüfftes Gesicht blickte, worin deutlich die Frage stand: Wie ist es nur möglich? Wie kann man seine Jugendideale so mit Füßen treten? Sie gewann jedoch vollständig ihre Haltung wieder, als ihr Mann sie fragte, ob sie in dem Lan­dauer zu fahren wünsche.

Sie war die reiche, beneidenswerthe Frau, die im Lan­dauer spazieren fuhr, während hier die schwärmerische Freun­din es glücklich so weit gebracht, eine Stelle als Gesellschaft terin zu suchen.

Herr Doctor Schmit," meldete der Diener jetzt.Er sucht, glaube ich, die Fräulein Gesellschafterin," setzte er mit einem verschmitzten Lächeln hinzu.

Emmy wurde dmkelroth und Sidonien» Gesicht verfärbte sich etwas. 'Sehr angenehm," stotterte sie und dann stürmte er auch schon herein, leidenschaftlich erregt, mit strahlenden Augen, erhitztem Gesicht.

Er sah nichts von all' dem Luxus des eleganten Salons, schien weder den Bankier noch dessen Gattin zu bemerken. Seine Blicke suchten nur das geliebte Mädchen.

Emmy! Gott sei gelobt, daß ich Dich gefunden!" rief er, ihre beiden Hände ergreifend.Ich betrat Deine Woh­nung, als Du ste eben verlassen. Zum Glück konnte mir Deine Wirthtn die Straße nennen, wohin Du gewandert. Ich folgte Dir von weitem, sah Dich dann hier verschwinden. Sie verzeihen, daß ich hier so hineingestürmt," wendete er sich endlich an Herrn und Frau Fernau, und al» er letztere ernannte, zuckte es gar eigen über sein erregtes Gesicht. Sidonie! Sie! Sie leben also, sind nicht gestorben vor Li besleid, wie eine gewisse junge Dame behaupten wollte? Nun wird mir großem Sünder ja wohl gnädig Absolution ertheilt werden?" Schalkhaft lächelnd sah er Emmy an.

Ich möchte aber doch um einige Aufklärung bitten!" rief da Herr Fernau etwas gereizt und blickte mit seinen runden Augen von Einem zum Andern. Die Art und Weise, wie der ihm gänzlich fremde Herr Doctor Schmit seine an- gebetete Gemahlin begrüßte, hatte ihn doch etwa» frappirt.

Es ist nur der Schlußact einer kleinen Liebescomödie,

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