Ausgabe 
11.7.1895
 
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«°» 324

et-Meuss charaeterisirte.

in.

Da« Fräulein von Saint-Cyr.

Nach beendigter Mahlzeit ordneten Mutter Hoche und Catherine aller für die Abreise der kleinen Henriot an. Seine bescheidenen Kleidungsstücke wurden zusammengesucht, und in einen Koffer gepackt, während die Obsthändlerin Gläser mit Eingemachtem, kleine Kuchen und Zuckerwerk hinzusügte.

Da« Kind wohnte diesen Vorbereitungen passiv, sogar befriedigt bei. Die Kindheit liebt die Veränderung und ganz entzückt von der goldenen Quaste des Säbels Hoches, mit dem er gespielt hatte, begann der kleine Henriot an dieser Abreise Vergnügen zu finden. Er sah bereit« die Freuden der Reise voraus, und außerdem hoffte er, dort, wohin man ihn führen würde, Soldaten, sehr viele Soldaten zu sehen, die exerzieren, und mit deren Säbelquasten man ihn gewiß spielen lassen würde. , .

Er vergaß alle Zärtlichkeit und alle Sorgfalt der guten Mutter Hoche. Der Gedanke, weit, sehr weit fortzugehen, betrübte ihn nicht nur nicht, sondern gab seinen jungen Träumen eine gar nicht unangenehme Wendung. Die Kind­heit ist undankbar und ihrer bewunderswerthen Unschuld wird durch einen mächtigen, übrigens nothwendigen und nütz­lichen Egoismus das Gegengewicht gehalten, der da» schwache Geschöpf beschützt und festigt und ihm erlaubt, seine Auf­merksamkeit, seinen Erhaltungstrieb und seinen Willen zum Leben auf fich selbst zu concentrteren.

Hoche und Lefebvre ließen die Frauen schalten und setzten sich rücklings auf ein paar Seffel, indem sie von der bereits grollenden Revolution und von dem Kriege sprachen, der sich an allen vier Ecken der Grenze zu ent- zünden begann. _ _

Später verließen sie den Laden und stellten ihre Seffe vor den Obstladen auf der Straße von Montreuil auf. Boller Leben und Jugendlust, die Seele von Hoffnung ge- schwellt, betrachteten diese beiden künftigen Helden der re- publikanifchen Armee, indem sie das ausgezeichnete Frühstück Mutter Hoches verdauten, rauchend, plaudernd und lächelnd die Vorübergehenden.

Dar Ungeheuer!" rief Catherine wüthend.Wo ist er? Jetzt wird er es mit mir zu thun haben. So sagt mir doch, wo der Elende ist!"

Im Spitale, mit einem Degenstich im Leibe. Für sechs Monate hat er genug," sagte Lefebvre.Wenn er gesund wird, werde ich ihn vielleicht wieder finden und zu gleicher Zeit seine, meine und Hoches Rechnung regeln."

Wir werden andere Gelegenheiten haben, unsere Säbel zu benützen, Freund Lefebvre," sagte Hoche mit Energie. Dar Vaterland ruft uns. Laffen wir diese persönlichen Streitigkeiten. Mein Gegner hat meine Freunde beleidigt und geschmäht und außerdem behauptet, daß ich mich zur Nordarmee schicken ließ, um vor ihm zu fliehen, und da mußte ich trotz meine» Widerwillen» den Säbel in die Hand nehmen und diesem Rausbold zeigen, daß tapfere Männer sich nicht vor ihm fürchten. Ich habe ihm eine Leetion gegeben, die er sich wohl merken wird. Jetzt reden wir von anderen Dingen und wenn da» Fricasise fertig ist, setzen wir uns an den Tisch."

Aber diese Wunde," sagte die Obsthändlerin noch immer zitternd, indem sie die Suppenterine, aus der ein köstlicher Dampf aufstieg, auf den Tisch setzte-

Pah," sagte Hoche heiter, indem er sich niedersetzte und seine Serviette entfaltete,die Oesterreicher und Preußen «erden mir wahrscheinlich noch andere Schmarren versetzen. Eine mehr oder weniger, daran liegt schon nichts mehr. Uebrigens ist fie ja schon trocken, seht nur her."

Und sorglo» nahm er das Taschentuch ab, das ihm als Binde diente und enthüllte die Schmarre, die seither die martialische Physiognomie de» künftigen Generals von Sambre-

Nur nobel! Commercienräthin:Ich möchte meinen Sohn eine fremde Sprache lernen laffen." Sprachlehrer: Bitte, wünschen Sie französisch, englisch, italienisch, spanisch? - Commercienräthin:Welche ist die theuerste?"

Schonend. Junger Ehemann (Mittags):Du hast etwas wenig Salat heute genommen, Frauchen!" Frau (erstaunt):Wenig?" - Männ:Ja, ich meine nämlich, im Verhältniß zum Essig, den Du, dazu gebraucht hast!

Um der leidigen Concurrenz die Spitze zu bieten, erließ ein Geschäftshaus in Regen imRegener Wochenblatt folgendes humoristische Inserat:Wir verschenken von heute ab Zwetschen. Bei Abnahme eine» Viertelcentner» noch billiger."

Immer derselbe. Notar (zu seiner Gattin);Wie kannst Du denn dem Willy Gabel und Meffer wegnehmenr Da» Eßzeug gehört ihm er wurde ihm von seinem Patyen geschenkt. Du bekommst Unrecht, Margarethe, wenn M Willy auf den Rechtsstandpunkt stellt!"

Redaktion: S. Scheyda.- Druck und Verlag der Brühl'schen UniverffkLtS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & ©djefiba) in Gieß

Die Straße von Montreuil, heutzutage Avenue de Saint-Cloud genannt, war der gewöhnliche Weg der Fuß­gänger, die von Paris kamen, der Gemüsegärtner, Soldaten und kleinen Bürger.

Aus Sparsamkeit nahmen viele dieser schlichten Reisenden beim Pont-Neuf das Marktschiff, und gingen vom Pont de Sövres zu Fuß nach Versailles zurück.

Inmitten des Kommens und Gehen« dieser bescheidene« Fußgänger bemerkte Lefebvre plötzlich einen jungen mageren Mann mit langem Haar, dessen verschossene Uniform die eines Artilleristen war.

Dieser Vorübergehende, der e« sehr eilig zu haben schien, begleitete ein junges Mädchen in einem schwarzen Wollkleids, das eine kleine Schachtel in der Hand trug.

Beide wanderten nachdenklich in dem Staube der Land­straße dahin. ,

Plötzlich sagte Lefebvre, indem er fie aufmerksam be- trachtete:Ich täusche mich nicht, das muß Kapitän Bona­parte sein."

Wer ist das, Bonaparte?" fragte Hoche.

Ein guter Republikaner, ein ausgezeichneter Artillerist und ein hitziger Jakobiner," sagte Lefebvre.Er ist ein Corse. Man scheint ihm seinen Rang weggenommen zu haben, weil er dort unten seine Ansichten zu laut werden ließ. Auf dieser Insel gibt es lauter Aristokraten, die von Priestern geleitet werden. Aber ich will meine Frau rufen, die kennt ihn besser als ich."

Er rief Catherine herbei, die ganz überrascht herbeilief.

Was gibt's, Mann?" sragte fie, indem sie beide Fäuste in die starken Hüften stemmte, eine Lieblingsstellung, welche später, als sie Marschallin und Herzogin war, allen Tanzlehrern, Despreaux voran, viele Mühe machte, ihr ad- zugewöhnen.

Ist das dort nicht der Kapitän Bonaparte, der mit dem jungen Mädchen auf der Landstraße geht? fragte ßcfcbvtc»

Gewiß, den würde ich unter Zehntausenden erkennen er schuldet mir ja Geld aber er gefällt mir, der Kapitän Bonaparte! Was kann er doch mit der jungen Dame in Versailles machen. Höre, Lefebvre, ich habe eine Idee"

Sprich, meine gute Catherine."

Wenn wir ihn ohne Umstände einladen würden, mit dem Fräulein eine Erfrischung zu nehmen? Es ist heiß und der Staub trocknet aus." (Fortsetzung folgt.)