Ausgabe 
11.7.1895
 
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bas wichtigste Geheimniß seines Leben« anvertraute, da« ich ° auch bis zu dieser Stunde getreu in meiner Brust bewahrt habe."

Wo Sie es mir anvertrauen wollen," sagte sie schmeichelnd.

Ja, ja," erwiderte er etwa« ungeduldig,aber auch jetzt noch scheue ich den Schritt, den ich zu thun im Begriff stehe. Nun es ist nichts mehr und nichts weniger, als daß Mylord, als er noch jung und unerfahren war, den tollen Streich be- aina. sich heimlich zu verheirathen."

B Wie? Sie nennen eine Heirath einen tollen Streich?"

Nicht immer . . . aber bei meinem Herrn war es der Fall, wie Sie gleich sehen werden, denn er traf eine sehr un­glückliche Wahl, die, glaube ich, bis auf den heutigen Tag wie ein Fluch auf ihm gelastet hat- Eine schöne Spanierin, die er im Süden sah, wurde sein Ruin. Er wagte nie, seine Vermählung einzugestehen, und so lange er das nicht that, konnte die Ehe nicht als legal betrachtet werden. Wie es heißt, ist ein Kind da und die Mutter wurde der Obhut einer jetzt in Bremen lebenden Frau anvertraut. So hieß es wenigstens, obgleich ich glaube, daß die ganze Angelegenheit ein großes Geheimniß umgibt und diese Frau will nun nicht etngestehen, wann, wie und wo die Spanierin ihrer Obhut übergeben wurde. Ebensowenig will sie sagen, ob das Kind ein Knabe oder ein Mädchen war und ob es überhaupt noch am Leben ist."

Jene müssen sehr einfältig gewesen sein, die das Räthsel nicht rathen können," sagte Susy.Ich würde gern die Hälfte meines Lohne« darauf wetten, daß ich sagen könnte, wer e« war und ob sie lebt und wo."

Sie! ... So glauben Sie, daß e« eine Tochter ist?" entgegnete der Diener.

Vielleicht bin ich dessen gewiß. Jedenfalls können Sie sich darauf verlassen, daß ich Sie nicht irre führe," sprach sie.

Ich will Ihnen vertrauen, wie Sie mir vertraut haben, Susy," erwiderte der Diener.Es ist ja auch noch sehr ungewiß, ob es besser ist, die Wahrheit zu sagen oder dar Geheimniß zu bewahren. Aber nicht wahr, unter allen Umständen halten wir zusammen?"

Vielleichti" erwiderte ste . . .Nun, ich darf wohl sagen: ja, wenn alles klar zwischen uns ist. Ich gestehe, ich wünschte Miß Netta, daß ste zu ihrem natürlichen Recht gelange, und ich muß sagen, es wäre sehr hart, wenn e« ihr genommen würde."

Sie haben ganz Recht, wenn auch Mylord die Sache von einer andern Seite betrachtet, und gern die Hälfte seines Vermögens hergeben würde, wenn ihm damit sein Sohn oder seine Tochter zurückgegeben werden könnte. Außerdem hat er Miß Netta auch nie aufrichtig lieb ge­wonnen, was mich allerdings meinestheils nicht so sehr wundert."

Und warum?" fragte Susy.

Weil ste für die Erbin einer alten vornehmen Familie etwas leichtfertig ist," lautete die Antwort.

Und wenn die Erbin nun ein anderes Mädchen wäre? Was würden Sie dann sagen,, Ponaford?" fragte ste.

Es thäte mir leid, aber vielleicht besäße die Andere etwa» mehr Verstand und Ernst als diese," entgegnete der Diener kühl.

Jedenfalls ist sie sehr klug," bemerkte die Jungfer, und hat bereits sehr viel Unheil angestiftet, wenn es nämlich Jene ist, die ich meine, denn sie war schuld am Tode ihre» eigenen Onkels und war der Grund, daß ihre Cousine ihren Verlobten verlor . . . vorausgesetzt, daß ich Recht habe, woran ich jedoch nach dem Gehörten kaum noch zweifle."

Erzählen Sie mir, was Sie wissen . . . dann kann ich leicht urthetlen," sprach Ponsford entschlossen, und Susy berichtete von Coras Ankunft und Aufnahme in der Villa Faro und von den darauf folgenden Ereignissen.

Ponsford erwog das eben Gehörte mit ernster Miene.

Und dieses Mädchen halten Sie für Graf Trevilles Tochter?" fragte er daun mit erstauntem Gesicht.

Ich weiß es nicht, doch scheint es fast so," antwortete sie.Sie kam von Bremen, und wenn ich mich nicht sehr irre, hieß die Frau, von der sie erzogen worden, auch Falkner."

Sie haben Recht, Susy!" sprach Ponsford nach kurzem Bedenken.Es wäre unvorsichtig, dieses Mädchen, außer unter ganz besonderen Umständen, in Miß Nettas Nähe zu bringen. Wissen Sie, wo sie jetzt ist?"

Ich hörte, sie fei mit dem jungen Lord Belford ent­flohen, der Miß Netta heirathen sollte, wenn er ihren Vater nicht erschossen hätte. Da sehen Sie, daß sie die rechte junge Dame sür eine Grafentochter ist!"

Ponsford nickte.

Sie wäre nicht die erste, die fo etwa» thut," sagte er ruhig.Doch wir wollen un» nicht übereilen, und vor Allem wollen wir bei der Sache an unsere eigenen Interessen denken."

Sie wechselten noch einige Worte, dann trennte sich das Paar, vielleicht fest überzeugt, daß Cora eine Lady Cora Treville sei und doch entschlossen, tiefe» Schweigen über dieses Geheimniß zu beobachten. (Forts, folgt.)

Madame Sans Gdne.

Roman «ach Victorten Satbou und F. Morr«««. Deutsch von »del« Bor«««.

(Fortsetzung.)

Hoche antwortete nicht. Er war damit beschäftigt, seine gute Adoptivmutter zu beruhigen, indem er dabet Wasser verlangte, um eine rothe tiefe Schramme zu waschen, welche seine Stirn theilte und gerade bei der Nasenwurzel endigte.

Hoche war immer tapfer," sagte Lefebvre.Stellt Euch vor, da stand ehemals in der Garde und zuletzt noch in der Miliz ein Lieutenant Namens Serre, den ärgsten Taugenichts, den es je auf der Welt gegeben. Er trug Hoche immer einen Groll nach wegen eine» Streites, der in der Schänke stattgefunden und bei dem Lazare für die ein­fachen Garden, feine ehemaligen Kameraden eingetreten war. Der Elende hatte ihn denunziert und ihm drei Monats Gefängniß eingetragen, weil er sich geweigert hatte, die Namen von Verdächtigen anzugeben. Als Lazare au» dem Gefängniß kam, wurde zwischen ihm und Serre ein Duell verabredet. Ihr müßt wissen, daß Serre sür eine ausge­zeichnete Klinge gilt; er ist der Schrecken des ganzen Stadt­viertel« und hat bereits Mehrere im Duell getödtet oder ver­wundet."

Und mit einem solchen Raufbold hast Du Dich ge­schlagen?" sagte Mutter Hoche, ganz bewegt über die Gefahr, in der sich ihr lieber Lazare befunden hatte.

Aber das Duell konnte nicht stattfinden," fuhr Le­febvre fort,Lazare war nur Lieutenant und Serre bereit« Kapitän."

Er hat sich trotzdem geschlagen?"

Ja, nachdem er seinem Gegner gleich geworden war." Aber wie konnte er, der so tapfer und geschickt ist, einen so furchtbaren Hieb bekommen?"

Auf die einfachste Weise, Mama," sagte Hoche lächelnd. Wenn ich auch kein Anhänger der Einzelkämpfe bin, denn ich bin der Meinung, daß ein Soldat desertirt, wenn er sein Leben für einen besonderen Streit einsetzt, war es mir nicht möglich, den Drohungen und den Beleidigungen diese» Narren ruhig standzuhalten. Die Rekruten zitterten vor ihm und außerdem hatte er die Fra« eines abwesenden Freunde» beleidigt."

Lefebvre ergriff die Hand Hoche» und drückte ste warm, mit thränenden Augen.

Um meinetwillen, um unseretwillen hat er sich geschlagen," sagte er, sich zu Catherine wendend.Hatte doch dieser Serre behauptet, daß Du am 10. August einen Liebhaber in Deinem Zimmer verstecktest."