- tfe
Nm Lri«mm>- ee tznfessn KlaNe.
Non Garsla Blnckir. (Sottben.)
Rechte Originalität ist da» Urwüchsige einer rücksichtslos kräftig und bestimmt entwickelten Eigenart; was man dagegen heut« noch so nennt, sind meisten» nur die Auswüchse einer geschraubten Sulturleben«. E» fehlt dabei vor allem die Naivetät, »in Original jener echten Sorte war noch der, am 2. Mär» in seinem 85. Jahre verstorbene, John Stuart Blackie, Professor de» Griechische« an der Universität Edinburg. Di« Erscheinung de« alten Herrn gehSrte zu den Wahrzeichen der Stadt und auch in London war er «ine Berühmtheit, nicht nur in wissenschaftlichen und literarischen, sondern kaum »eniaer in Damenkreisen, deren Liebling er war. Da sein Name auch in Deutschland nicht unbekannt ist, darf ich Vielleicht einige kleine Erinnerungen an ihn erzählen.
Ich Kachte seine Bekanntschaft im Frühsommer 1889 in der rosenreichen Villa der Vorstadt Putney bei meiner Freundin, der jetzt auch verstorbenen Dichterin Emily Pfeiffer,*) deren »armer Freund er war. Der Zweck seine» Besuche» war der der Eondolation zu einem schweren Verluste, welchen sie vor Kurzem erlitten hatte. Er war aber seiner jugendfrohen Natur nicht möglich, bei Traurigem lange zu verweilen, und so fand ich ihn auch schon bei meinem Eintreten in da» Zimmer hingegossen in einen tiefen Fauteuil zwischen weichen Kiffen, den kürzlich erschienenen Band Gedichte meiner Freundin in der Hand, mit sonorer Stimme daraus vorlesend, wa» ihm am besten gefallen hatte. Al» er glaubte, jetzt auch der Pflicht der Liebenswürdigkeit genügt zu haben, holte er mit rascher Bewegung au« der Brusttasche ein Päckchen verschiedener Papierfiücke: Annoncen, Briefumschläge, Theaterzettel u. dgl., setzt« sich lebhaft ausrecht und la», mit Begleitung nicht weniger lebhafter Handdewegungen in dramatischem Pathos seine eigene«, darauf htngeworfenen Sonnette- Ihren Werth kann ich nicht mehr beurtheilen; aber e» waren darin kraftvoll empfundene poetische Gedanken, die ihre Wirkung auf mich nicht verfehlten. Sr bemerkte es, und nachdem er bei unserer gegenseitigen Vorstellung kaum Notiz von mir genommen hatte, war ich jetzt mit einem Male in seinen Gesichtskreis getreten, und er richtete sich fortan fast ausschließlich an mich.
»ls Mr». Pfeiffer sich erhob, um uns in den Garten zu bitten, wo der Lunch serviert sei, sagte er zu mir, wie Jemand, dessen Gebote nie in Zweifel gestellt werden: Sie bleiben noch ein wenig bei mir, fetzen Sie sich: „sit ye doon, •ityedoon,“ hieß das gemüthliche Schottisch. Ich verstand da» feine Lächeln meiner Freundin, al» sie da» Zimmer verließ und gehorchte. „My dear,“ redete er mich an, „Sie haben «in warme» poetische» Empsinden; lassen Sie uns noch ein wenig zusammen plaudern," und dabei drückte er mir die Hand. — „Natürlich kennen Sie Burns?" (Er sprach den Namen im breitesten schottischen Accent mit dem rauh ge« schnurrten r.) und nun erzählte er von dem Streben und dem Eharacter de» großen Volkrdichter», von den Schwierigkeiten, die er al» sein Biograph empfunden habe, um dem moralischen Gefühl und dabei doch auch dem hart angegriffenen Poeten gerecht zu sein, erklärte viele» in dessen Leben mit geistvoller Milde de» Urtheil», und recitirte dazwischen mit feuchten Augen die urkräftigen, leidenschaftlichen und rührenden Verse bei Manne», der auf der Berghaide und hinter dem Pflug seine» Genius wartete. Die Begeisterung lag wie Frühlingshelligkeit auf Blackie'» Zügen, fein langes, weiße» Haar schien wie vom Wind getragen; über dem ganzen Manne war eine Art theatralischer Würde, die aber ein so ächte» Element der Wahrheit barg, daß ich glaubte, einen der alten Barden vor mir zu sehen.
*) Wilhelm Jordan hat in seinen Andachten w* «yklu« ihrer Genette au« dem Englischen übersetzt.
AM meldete im Auftrage ihrer Herrin da» Frühstück warte auf un«; aber mein Gefährte hielt mich nochmal» fest: „Ich werbe Ihnen mein Buch über vurn« schenken," sagte er. — Da» freute mich, unb ich bat, er möchte auch einige Worte seiner Hanb hineinschreiben. „Ja, recht gern; dann geben Sie mir jetzt aber auch einen Kuß 1" — „Da» will ich thun, er sei in Ihnen dem Dichter geweiht I"
Im Vorzimmer stand da» Mädchen mit einem Shwal für mich, denn e» sei im Garten kühl. Der Professor schien auch nur leicht gekleidet, und ich wollt« ihm meinen runden Pelzmantel umhängen. ■ Er aber wehrte sich sehr gegen die Verweichlichung, und dazu «och in Form eine« Frauenkleidungsstücke«, beruhigte sich aber, al» ich ihm vor« stellte, wie schön seine rostge Gesichtsfarbe und sein weiße« Haar gegen den grauen Pelz mit der großen silbernen Schließe aussehen würden. Al» wir am Spiegel vorbetkamen, warf er einen zufriedenen Blick hinein, schlug da» Mantelende in verbesserter Weise über die Schulter, steckte dann seinen Arm durch den meinen, und vergnügt maschirlen wir in den Garten. „We love one another, do we notP fragte er, al» wir zwischen Blumenbeeten über den weichen Rasen schritten; und natürlich bejahte ich! (Schluß folgt.)
GEeinnützigss.
ASvbeir de» Osterete». Um die Ostereier schön zu färbe«, sind nachstehende Ingredienzen dem heißen Wasser betzumischen: für Braun Zwiebelschale, für Rot Lochenille, für Blau Indigo, für Gelb Safran, für Grün Spinatmaffe.
,$«« eteite der Weisen.* Das soeben erschienene 7. Heft enthält folgende größere und kleinere Aufsätze (mit zusammen über 30 Abbildungen): „Darwinismus und Sprachwissenschaft" von A. v. Schweiger-Lerchenfeld: „Entwickelung des PanzrrschiffbaueS"; „Die Pressen"; „Die Weinkeller" (Schlußartikel); Zugvögel, Revolverkanonen, Erläuterungen zum Verständnisse der Landkarten, Eleetrotechnische Mittheilungen, Gartenwirthschaftliche Rathschläge, Selbstthätige Bremsen an Winden u. s. ro. Außerdem die Fortsetzung von „Städtepläne aus allen Welttheilen" (Caltutta, Teheran, Bombay, Jerusalem und Mekka), sowie die Liste der mit werthvollen Bücherprämim bedachten Löser der im t. Hefte der Zeitschrift gestellten Preisfragen. „Der Stein der Weisen" (A. Hartlebens Verlag, Wien) ist heftweise in jeder Buchhandlung erhältlich und kostet das reich illustrirte Heft (30 bis 40 Ab bildungen) nur 30 kr., bezw. 50 Pfg.
* *
Bon dem großen nationalen Werke „ LchiUerS Briefe", herausgegeben und mit Anmerkungen versehen von Fritz Jonas (Stuttgart, Deutsche Verlags-Anstalt), sind unS soeben die Lieferungen 47 bis 58 (Band V) zugegangen, welche die Briefe aus der Zeit vom 2. Juli 1796 bis 31. December 1798 enthalten. In diesen Jahren erschienen die Wallenstein-Trilogie, das Lied von der Glocke und die hervorragendsten Balladen Schillers, Goethes „Wilhelm Meister" und „Hermann und Dorothea". Auf alle diese Werke gehen die Briefe Schiller« ausführliis ein; man schaut dem Dichter überall in die Werkstatt und eine Fülle ästhetischer Weisheit offenbart sich auf jeder Seite des stattlichen Bandes. Aber nicht weniger bedeutungsvoll wie für den Dichter und Philosophen sind diese Briefe für den Menschen Schiller. Sein Vater starb, sein Sohn Ernst wurde geboren, seine Schwester Luise verlobte sich — jedes Familienereigniß findet hier einen Widerhall, und zeigt uns Schiller stets als einen aufmerksamen, zärtlich besorgten Sohn und Familienvater. Ein Fremder, dem Schiller als Dichter unbekannt geblieben wäre, müßte aus diesen Briefen den Eindruck einer ganz ungewöhnlichen, geistig ebenso hochstehenden als menschlich liebenswürdigen und anziehenden Persönlichkeit mit hinwegnehmen. Für uns Deutsche aber, die wir in Schiller eine unsere nationalen Größen, einen unserer ersten Volksbildner, den edelsten Führer int Reiche idealen Fühlens und Denkens verehren, sind seine Briefe eine unschätzbare Ergänzung sein« Werke; wer diese besitzt, sollte jene nicht entbehren.. Der geringe Pre» von 25 Pfg. für das Heft gestattet auch dem weniger Bemittelten die Anschaffung dieser Briessammlung, die zudem in ihrer hübschen, eleganten Ausstattung «in« Zierde jeder Büchersammlung darstellt.
griSuNiex: g. Gch«yda. *•> K«ük Mld «Mag b* AmMl-kschex wrü>«ckkA»«uch- unb 0temi>*n4w«i fPtedfch A Gcheyda) in


