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Stirnaber schwoll bedenklich; es war keine günstige Zeit, die sich die Fürstin zum Erneuern ihrer Bekanntschaft ausgesucht.
Der Vorhang fiel und nun mit einem Male wandte fie sich bezaubernd lächelnd zu ihrem Nachbar-
„Sie kennen mich also gar nicht mehr, Graf Wilden» stein?" fragte sie kokett. „Und doch habe ich Sie, auch ohne Vorstellung, auf den ersten Blick wieder erkannt."
„Ich besitze dasselbe gute Gedächtniß, Durchlaucht, Ihr Haar allein schon würde Sie auch solchen Menschen verrathen, die Sie weniger gut kennen, als ich die Ehre habe," erwiderte
Wildenstein kühl.
„O, so müßte ich noch mehr zürnen, Herr Graf, daß Sie nicht zu mir kamen, trotz unserer alten Freundschaft."
„Ich war mehrere Jahre verreist und bin erst seit vier» undzwanzig Stunden wieder hier, Frau Fürstin," entgegnete der Graf ernst und ablehnend, „und will keinerlei gesellige Beziehungen anknüpfen, sondern nur in mein Heim zurückkehren."
Verführerisch schimmerten Melanies dunkle Augen, doch umsonst! Einmal hatte sie ihn bethört und nie wieder; er gehörte nicht zu den Leichtgläubigen, welche rasch vergessen.
Als dann Stetten als Wolfram wieder auftrat, als er mit unendlicher Wehmuth das Lied an den Abendstern fang und Wildenstein tiefergriffen lauschte, da bog sich die Fürstin zu ihm, daß die Spitzen ihres Aermels seine Hand streiften und flüsterte ihm leise zu: „Haben Sie ihn wiedererkannt, den interessanten Mann, der Therese heimführte?"
gestorben!"
Ein scharfer Stich drang durch Wtldensteinr Brust; das war der Ton, den er selbst einst angeschlagen, als das schöne, junge Weib an des Vaters Leiche vor ihm gestanden; denn alle Schuld rächt sich auf Erden-
„Stetten," begann er noch einmal und bot dem Sänger die Rechte, „wollen Sie unversöhnlich sein? Ich komme zu Ihnen, ein Anderer al« der Waldenstein vor Jahren, um mich mit Ihnen und Therese zu versöhnen."
„Es ist — zu spät," murmelte der Angeredete und stöhnte so qualvoll auf, daß Rudolf erstaunt zu ihm aufsah.
„Rein, nicht zu spät," rief er eindringlich. «Nehmen Sie die Hand, welche ich Ihnen biete, lassen Sie mich Ihr Schwager sein um des Herrgottes Willen da droben im Himmel!" , L „
„Nicht doch, Herr Graf," erwiderte der Sänger und blickte finster zu dem Sprecher auf, „Sie haben einst das Tischtuch zerschnitten zwischen der hochgeborenen Grafensamiiie auf dem Wildenstein und der Gattin des schlichten Sängers; der Riß bleibt und läßt sich nie mehr ungeschehen machen. Glauben Sie mir, es ist besser so!"
„Und Therese?" fragte Wtldenstein ganz erschüttert. Wird auch sie des Bruders Bitte abweisen und mich nicht mehr sehen wollen? O, mein Herr, wissen Sie, daß ee erbarmungslos ist, ein solches Verlangen wie das meine schnöde ab,»weisen?" (Fortsetzung folgt.)
tl.... hip, Kttaubernde naive Lächeln — man begreift, e Aber ein Blick unnahbarer Abwehr, schneidender Kälte M S!Mw&rmen" I traf jetzt die Dame, und ohne zu antworten sah der Graf auf
daß die ^^Esi^?at schon mancher Unheil angerichtet; kennen I die Bühne. Doch Melanie ließ sich nicht abschrecken, und Sie nickt die Geschichte jene» spanischen Gesandtschaftsattaches, I schmeichelnd flüsterte sie ihm zu: "Dirnen Sie mir, Herr ®™ ZZ m Ä a«»" I Graf, daß ich diesen wunden Punkt berührte? Sie wissen,
bet ^Still da kommt sie! - Willkommen, Durchlaucht, wir I wie herzlich ich Antheil an 3^em Befinden nehme." , , "TV"! rZrtft hi.f @ie gewartet" I „Ich danke Ihnen, Durchlaucht, aber es gibt angelegen»
$öt"effieä tttde eine ®tege80ötHtt rauschte Fürstin I Helten, an die auch wahre Freundschaft nicht rühren darf." Melanie Vorscu in die Loge, gefolgt von jenem Offizier, der I Kaum war der Vorhang gefallen, so stand Wildenstein ™w lit neffi wm. I auf, verneigte sich leicht vor der schönen Fürstin und eilte,
$eU Lächelnd begrüßte sie jene beiden Damen, und nahm dann I ohne sich weiter um diese zu kümmern, hinaus. Er wollte tbren Sitz ein dicht neben Graf Wildenstein, ihr grauer I und mußte Stetten sprechen. War fragte er letzt «ach dem Atlaskftid streifte ihn, doch keine Muskel zuckte in seinem schönen rothaarigen Weibe, deren vollen Zorn er sich zweimal Antlitz er nahm völlig gleichgiltig den Operngucker auf, um | an einem Tage zugezogen! Nur fort wollte er, ihm schien B bK
^reiUS die alte Bekanntschaft auszufrischen, ließ sich nicht So schritt denn Graf Rudolf wartend hin und her, ohne loaleick aursübren denn die Ouvertüre der Oper „Tannhäufer" I auch nur mit einem Blicke nach den kichernden Schausplele- beaann Wildenst'einr Blick streifte den Theaterzettel und der I rinnen zu sehen, die den ernsten Mann erstaunt anblickten. S J« von Eschenbach sang. Sollte er ein Verwandter von ©tetten
gab seinen Gedanken sogleich eine andere Richtung. Wie hatte I ebenfalls so kühl ablehnend und gar nicht collegialisch zu der Graf sich doch draußen in den Wüsten Afrikas geändert! I ihnen. ,K.
Wo war der starre Stolz geblieben, der unbarmherzig, wenn I Endlich öffnete sich die Thür, der länger erschien im schon unter den bittersten Seelenqualen, die einzige Schwester j Rahmen derselben, fertig zum Fortgehen und Blicks sehr zu verstoßen vermochte, um den Stammbaum tadellos zu er» verwundert auf, als em Sremtier zu ihm trat und mit kalten! I regier Stimme um einige Minuten Gehör bat-
c>ekt verlangte es ihn sehnsüchtig nach Therese und deren | „Ich habe zwar nicht die Ehre, Sie zu kennen , herzigem blonden Kinde, welches er damals so unfreundlich von I meinte Stetten höflich,, „doch bitte ich sehr, hier in meine
sieb gewiesen- kaum konnte er den Schluß der Vorstellung ab» I Garderobe einzutreten.
warten um Stetten aufzusuchen. Hohenthal hatte ihm gleich» I Graf Wildenstein athmete gepreßt, als sich die Thür
falls längere Zeit nichts von Therese mitgetheilt und plötzlich, I hinter ihnen schloß, und feine nächste Frage lautete: „Kennen mitten in der rauschenden Musik, ergriff ihn eine heiße, un» I Sie mich denn gar nicht mehr?
sägliche Angst als ob irgend ein Unglück geschehen sei. I Prüfend schaute der Sängerin das bärtige, gebräunte,
Und ietzt' trat Stetten al» Wolfram auf, er war unver» I zuckende Antlitz des vor ihm stehenden; nur die Augen ändert stattlich und schön wie damals, als er ihn zum ersten | schienen ihm bekannt, doch dann schüttelte er verneinend den Male sah, seine Stimme voll, sympathisch und dabei unend» Kopf. -6
lich schwermüthig. I „34 Bebaute, mein Herr, mein Gedächtniß ist nicht
„Der schöne Mann," flüsterte die Fürstin Porscu ihrem I das beste." , „
Verehrer zu, „er hat eine romantische Lebensgeschichte, denn | „Sie sollten Th"esens Bruder nich- "^derttkennen.
man erzählt sich, seine Gattin sei eine Gräfin, die er ent» | Da veränderte sich Miene und Haltung zur Stettens in
führt habe" I erschreckender Weise; kalt, abstoßend, beinahe feindselig stand
Das 'Theaterflüstern drang auch an Graf Rudolfs Ohr, er da; die Hände sanken schlaff herab und die Stimme klang seine Hand umspannte den Operngucker wie im Krampf, seine I schneidend, als er antwortete: „Meine Frau gat leinen Stirnaber schwoll bedenklich; es war keine günstige Zeit, die ] Bruder- Er ist vor Jahren schon für sie, wie sie für ihn


