Mississippi, war er im „Beben auf dem Mississippi" schilderte. Der Ausbruch de» Bürgerkriege« machte dieser Laufbahn ein Sude. Nun wurde er Goldsucher in Califvrnien, von wo au« er Skizzen für verschiedene Blätter schrieb und später eine Redacteurstelle erhielt, wa« ihm so wenig behagte, daß er wieder Lotse werden wollte. Der ihm befreundete General Mc Comb redete ihm die« au«, weil er Mark Twain» großes Talent erkannt hatte. Er blieb also der Feder treu und entschloß sich zur Herausgabe de» „Salifornier'; da aber das Blatt trotz der prächtigen Skizzen nicht ging, ging er selbst und zwar wieder nach den Bergen als Goldgräber. Dies Geschäft glückte nicht und Mark Twain ging al» Berichterstatter nach den Sandwich-Jnseln. Aber schon nach zwei Monaten war er wieder in San Francisco. Hier verlebte er bi« 1867 ein wahres Hungerdasein. Dann begab er sich auf Reisen, um Vorlesungen zu halten, wobei er vielen Anklang fand. In demselben Jahre erschien der erste Band seiner Skizzen, der in Amerika wie in England begierig gelesen wurde. Er kam wieder nach New-Dark, dann nach Washington. Mit Hllfe seine« Freunde» Mc Cvmb konnte er sich hieniächst einer Reisegesellschaft auf ihrer Fahrt nach Europa anschließen, von wo er Berichte an eine califv mische Zeitung schrieb. Nach der Rückkehr war er wieder in Washington, 1868 wieder in San Francisco, 1869 wieder in New-Dark, wo er vergeblich einen Verleger für sein neue» Werk „Harmlose auf Reisen" (Innocents abroad) suchte. Endlich druckte e» die Verlagsgesellschaft in Hartfort, e» wurden 200,000 Exemplare davon verkauft und 75 000 Dollars Reingewinn gemacht, wovon der Verfasser die Hälfte erhielt. Damit war sein Ruhm gegründet, er wurde ein gesuchter Autor- Ein großer Theil des Stoffes, den die „Harmlosen auf Reisen" behandeln — die Reise ging nach Frankreich, Italien und Palästina — ist natürlich der Veraltung unter- worfen, und die Lutz'sche Verlagshandlung hat demnach sehr wohl daran gethan, dieses Buch nicht vollständig in ihre neue deutsche Twain-Ausgabe aufzunehmen, sondern sich mit dem Abdruck einiger der gelungensten Skizzen (im sechsten und letzten Bande) zu begnügen.
Mark Twains größere Schriften, welche den „Harmlosen auf Reisen" folgten, zerfallen in zwei Gruppen; die erste Gruppe schildert da» Leben im fernen Westen zur Zeit de» Edelmetall-Fieber» („Roughing it“, 1871) und da» Leben auf dem Mississippi (ersch. 1883), die zweite umfaßt die Jugendstreiche de» Tom Sawyer (1876) unr> de» Hackleberry Finn (1886). Bei Lutz füllen diese Arbeiten die Bände IV und V, bezw. I und II. Die Stoffe selbst geben er an die Hand, welche Seiten seiner schöpferischen Kraft der Autor in beiden Gruppen vorzüglich entfaltet: In der ersten spenvet er mit vollen Händen au» dem reichen Schatze seiner Erfahrungen und der Humor tritt ein wenig zurück; in der zweiten zeigt sich da» umgekehrte Verhältniß. Welcher Gattung man den Vorzug einräumen will, da» ist Geschmackssache. Die Welt von heute fühlt vor Allem das Bedürfniß, sich zu erheitern, und es wird deshalb Niemand Wunder nehmen, daß „Tom Sawyer" und „Huck Finn" ein wett glänzendere» finanzielles Ergedmß hatten, als die ernsteren Bücher. Aber gerade darum sei der hohe Werth dieser belehrenden, der Wirklichkeit abgelauschten Darstellungen besonder» nachdrücklich hervorgehoben. E» find hochinteressante Blätter der Eultur« geschichte, die man da zu lesen bekommt, und auch in Natmschilderungen — wir erinnern nur beispielsweise an va» Capitel vom Mono-See in Ealisornien — leistet Twain Vortreffliches. Den „specifisch-amerikantschen" Witz, welcher in Deutschland nicht allenthalben Cours hat, braucht der Leser wenig zu fürchten. Ersten» ist jener Bursche gar nicht so schlimm.
Zum Zweiten aber darf man nicht glauben, daß ein echte» und vielseitige« Talent wie Twain mit fernem W tze auf diese Paradoxa beschränkt sei oder selbige auch nur begünstige. Man darf im Gegentheil sagen: Sein Witz im
Besonderen ist ebenso vielseitig wie seine schriftstellerische Veranlagung im Allgemeinen. Darum find auch seine vorzug«- weife humoristischen Schriften „Tom Sawyer" und „Huck Finn" von überwältigender Wirkung bei Lesern aller Nationen. E« wäre höchst müßig, Untersuchungen darüber anzustellen, ob Twain hier und da die Farben zu dick aufträgt oder nicht. Mag das z. B. bei der famosen „Befreiung" de» Neger« Jim im „Hackleberry Finn" reichlich der Fall sein — dem Werthe de« Buche» geschieht dadurch kein Eintrag, diese» erfüllt seine Aufgabe als Sorgenbrecher in de» Wortes bester Bedeutung. Und ebenso steht es mit „Tom Sawyer", ein Buch, das nebenbei gesagt durch geschickte« Einstreuen rührender kleiner Züge in das sprudelnd heitere Ganze den Erfolg auf« glücklichste steigert.
Wir schließen, indem wir nochmals die Hoffnung äußern, daß die neue, wirklich schön ausgestattete und dabei sehr wohlfeile Lutz'sche Ausgabe dem größten Humoristen der neuen Welt auch in Deutschland ein weitere« Publikum erobern werde.
VeviiMehtes.
Zweideutig. Vater, ein Viehhändler ist draußen! Er will den großen Ochsen mal sehen." — „Ja, sag ihm nur, ich komme gleich I" *
Aus der Schule. „Weißt Du, Max, da sitzt man nun und büffelt und schwitzt, — weißt Du — e» gibt doch keine Gerechtigkeit auf der Welt! Die Lehrer werden bezahlt und wir müssen die Arbeit machen."
Gut abgefertigt. Student: „Mein Fräulein, ich finde Sie wirklich reizend---." — Backfisch (schnippisch):
„Leider kann ich da« nicht von Ihnen sagen." — Student: „O da« könnten Sie ebenso gut, wenn Sie sich, wie ich, einer Höflichkeitslüge bedienen."
Sicherheit. Bankier:*„Wenn ich diese große Summe hergeben soll, müssen Sie mir selbstverständlich Bürgschaft stellen!" — Kunde: „Ich könnte ja zur Sicherheit Ihre Fräulein Tochter heirathen!" *
Der BegrifssstÜtzige. Bräutigam: „Mit diesem Kusse, Engel, hab ich Dir alles gesagt." — Braut: „Ich hab'« nicht recht verstanden; bitte sag' mit’» noch einmal."
Literarisches
Mit Aufdruck ihres Namens ist für Hans und Grete, Fritz und Franz und rote sonst immer unsere Lieblinge heißen mögen, ein reizendes neues Märchendnch mit sieben entzückenden Märchen »on Lucie Jdeler und mit ebensovielen prachtvollen großen bunten Bildern nach Aquarellen von Fritz Bergen in der Schwabacher'schen Verlagsbuchhandlung in Stuttgart soeben erschienen.
Martha Dienst «nd Maria-Sinn. Ein Leitstern auf dem Lebenswege für confirmierte Töchter aller Stände. Von BerthaMathö, geb. Hüff-ll, Verfasserin von „Jungfrauenb evier, Gebete in Freud' und Leid" rc. Neue, verbesserte Auflage. Eleg. geb. mit Goldschnitt Mk. 3. — Schwabacher'sche Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. Wir wollen dieses, Carl Gerok gewidmete, schon viel verbreitete Buch bcn Müttern an's Herz legen. Es ist ein wahres Schatzkästlein für alle jungen Mädchen, die sich sowohl zu einem weiblichen Berus als für eine glückliche Ehe heranbilden wollen. Eine erfahrene Frau, die sich um die Herzensbildung der weiblichen Jugend schon so viele Verdienste erworben hat, giebt hier edle Mahnungen, nützliche Rathschläge und Winke in klarer, kurzer und faßlicher Weise. Wir führen von den zahlreichen, in herzigem Tone behandelten Themen folgende an: Ehre Vater und Mutter! — Verträglichkeit unter Geschwistern. — Verhältniß zu den Dienstboten. — Thätigkeit im Hause. — Am Nähtisch. — Kochkunst. — Seetüre. — Halte dich rein! — Sparsamkeit. — Eitelkeit und Putzsucht. — Wahrheitsliebe u. s. ro. Es wird jedermann inniges Vergnügen machen, dieses auch von Gerok und Fromme! in seinem Werte anerkannte kleine „Buch der Weisheit" zu lesen. „ Möge es als eines der vortrefflichsten Geschenkbücher für Mädchen bestens empfohlen sein!
RedaNion: 8. Schehd». — Druck und »wieg der Brühl'schm UniverMtS-Buch- und Steindruckerei (Pietsch & Tchetzd«) in ®ie»ett.


