Ausgabe 
10.10.1895
 
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Mi!L Sauberkeit und Läßt auf eine Musterwirthschaft LSer Herr ist mein Hirte, mir wird nichts

in des Oberförsters Hände überging, I Thränen glänzten in vieler Augen.

In den Hinteren ^bäuden und' Stallungen waren nur BauAettor^ £

wenige ganze Fensterscheiben, und Spinnen und Fledermäuse Dankbarkeit gebracht wurde. , , öw*

Wten sich hier sehr behaglich. Gar viele Reparaturen und I , Die dreißig Mann, die in dieser feierlichen Stunde den

Veränderungen mußten ausgeführt und verfallene Häuser I Psalm sangen, bildeten keinen ständigen Gesangverein durch neue ersetzt werden Seit zwei Monaten kamen sie wöchentlich zweimal im

ß m,ber Oberförster seine Erbschaft angetreten, ließ I Schulhause beim Lehrer Hoffmann zusammen und übten es

er sich pensioniren und zog als Forstmeister a. D. mit schwerem I waren die Unterbeamten der Oberförsterei Lindenheim' die

f°,n* ^e nem lteben Lindenheim, wo er einst zu sterben | Lehrer aus dem Dorfe und die Gutsbesttzersöhne jener Um»

gehofft hatte. g gegend. y 1

Noch einmal durchstreifte er vorher seine Forsten. t Wenn Menschen friedlich beieinander wohnen, wenn sie

Von dem moosigen Boden der Tannenecke auf dem Berge j gesund sind und Alles haben, was ihr Herz begehrt, dann schritt er in's Thal hinab durch die dichten Brombeersträucher I sogen sie wohl zuweilen: Wir haben den Himmel auf Erden- im Laubwalde bis zur Grenze von Wildenau und von dem I ,, Unb f° war es auch jetzt auf Schloß Walten. Es blieb rauschenden Mühlbache bei Heidenfließ bis zur Schwedenschanze I ^nen nichts zu wünschen übrig und sie konnten sich nicht bei Strakowo. Noch einmal begrüßte er seinen Culturgarten I senken, daß es in einer anderen Welt noch besser fein könnte, und verweilte lange bei seinen selbstgezogenen Eichen, von dem als ihrer Zufriedenheit und Glückseligkeit.

Fenster seiner Kanzlei sandte er noch stumme Abschiedsgrüße I . , W und feine junge Frau standen am Erkerfenster und hinauf zu den Wipfeln der alten Buchen und Eichen den I 'a*en über ben großen Park hinweg in das stille Thal.

Vertrauten so vieler, vieler Jahre. I »Du hast mich so unendlich glücklich gemacht, mein lieber

Aber noch schwerer schied der Bauinspector aus seinem I Arthur, mein guter Mann. Gebe der Himmel, daß es unser Dienst und nur durch Bitten seiner Braut und ihres Vaters | ^°enlang so bleibe," sagte sie und legte ihren Kopf an seine ließ er sich endlich zu diesem Schritte bewegen. Schulter.

Ein reiches Feld der Thätigkeit blühte Arthur ja auch I r , "?Ier ^,ittntie£ 9e6e t6" wiederholte Arthur und nahm hier, denn an Arbeit war kein Mangel und nach Erledigung I ,te tn x t t

der dringendsten Geschäfte verweilte er lange auf seinem I n * ®uw, meine gute Hertha, das wir in unserer Studierzimmer, um unverdrossen an einem neuen Werke zu I gefunden, ist das Schönste und Edelste, was uns die arbeiten. I Schöpfung gegeben, und genau so wie wir es empfinden, so

Aber auch dem Forstmeister, der ebenfalls an rüstiges I L?»»/8 Himmel jedem Menschen zugedacht von der kleinsten

Schaffen gewöhnt war, kamen hier seine reichen Kenntnisse I rum größten Palasi. Ader wie der Mensch meist

sehr zu statten; freilich war es hier anders als auf Linden- I S*SS A?»8 Eigenen Glückes lst, so führt er auch ost

heim, denn während er dort eine sehr große Forst und ver- I E? ®ott feiä geklagt, es gibt

hältnißmäßig kleine Landwirthschaft hatte, war hier das Um- I 8» S6 ?°,^un£8^' in benen Friede und Eintracht im gekehrte der Fall. y Eheglück gänzlich fehlen. Dort herrscht die Unzufriedenheit,

Unter Heyds Leitung wurde bald tüchtig gearbeitet, als I b?rt l» ?a9n nur,. bie !snnliche Begierde ihr Scepter und er hier einzog. Wohl an hundert Handwerker waren allent- I ® wehr zu finden, als in den großen Städten, halben thätig. Laß uns, meine gute Hertha, unsere Liebe pflegen, laß

Prächtige Anlagen wurden hergestellt und im umgebauten E e! SnEen Kräften steht, laß uns

Palmenhause waren bald wieder die verschiedensten Palmen I roo ,nott) rtbut und ich glaube, wir werden in unserer und seltensten Orchideen. Brauchbare, fleißige Leute wurden I Umgebung, in unserer Umgegend und besonders im Dorfe in den Dienst gestellt und bezogen ihre einfachen, aber freund- I ""^neingroßes Feld finden." lichen Wohnungen. I @r stnch feiner Frau das starke Wellenhaar und küßte

Als dann endlich diesegensreiche heilige Ordnung" ein- I t0r b

gekehrt, klangen eines Tages die Glocken der kleinen Dorf- I re°9t' wein guter Arthur, es sei, wie Du

kirche zum Schloß hinauf und tn die Ebene; es war der Tag, I »T* s. nJ u te herab auf den grünen Wald­au dem sich Arthur und Hertha am Altäre Treue vor Gott I 7? an b^ Sabn entlang und weit hinüber hinzog.

und den Menschen geloben wollten. I ., oär Watten und dessen Umgebung begann nun eine fegens»

Das kleine Gotteshaus, das am Ende der Dorfstraße wa?2 wirk?/ in ei0en

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bet lebe» Schmuckes entbehrt, ein Aussehen so feierlich und lich die höchste 8eit - ZttM S/ l 2/L9Ä' beweiben, wie bas Leben des Heilandes selbst. tnunb spr§. ^Denn schon ^dasFuAwerk kostet rsiel Geld

aber S e nem freundlichen Septembertage fand diese einfache, das nach dem zwei Meilen entfernten Städtchen fährt, um den aber würdige Feler statt, der ganz den Seelen dieser Menschen I Arzt zu holen, das schieben auch weniger Unbemittelte bis entsprach. Bis auf den letzten Platz war die Kirche gefüllt. I zum letzten Augenblicke auf und der Jünger Aeskulaps kommt

ersten Reihen saßen der Forstmeister mit dem Bau- I dann in vielen Fällen nur zur rechten Zeit, um den Tobten» rath Wiebe und Tante Doetor; dann folgte der Marine- schein auszustellen. ö ' "

nebS serE Fräulein Wiebe mit Unter dem hohen Tannenbaum, der strahlend am Weih- '§ew Verlobten, dem Baumeister Wlllmanns. Auch sah man I nachtsabend das große Schulzimmer erleuchtete, versammelten b ? doetor Lenzmann nebst Frau und die ganze Mittwochs- I sich die Armen des Dorfes und der Abbauten in freudiger g sellschaft von ehedem. I Aufregung. Der alte Prediger, die Lehrer, der Schulze und

und Gesang leiteten die Feier ein, dann | einige Dorfältesten fanden sich dort ein. Die Weihnachtsfeier SJ®1Je «rnfteStebe: bes alten Predigers uno als dieser sein I wurde eingeleitet mit ernsten, ergreifenden Worten und Stille unb Ämen gegeben, ertönte von dem Chor herab der ' Nacht, heilige Nacht" klang es zum Sternenzelt ober" durch