Ausgabe 
10.10.1895
 
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KMW

öe». Orkoöek,

Igligg»

Ihr Vermächtniß.

Römern »on Maxirnili-rn M-egcli»

(Asrtsrtzmlg.)

Hertha blickte zur Erde, aber sie sah und hörte nichts, denn vor ihren Augen flimmerte es und vor ihren Ohren schwirrte es, und dennoch war ihr nun so leicht um's Herz, als hätte sich eine Centnerlast davon gewälzt.

Ruhig stand Heyd auf. Er legte seinen Arm um ihren Nacken und sah auf ihr starkes, welliges Haar-KJhm war es, als klang in seinem Innern die Stimme wieder, die er einst so oft, so gern gehört, es waren dieselben Töne, dieselben Worte, die sein Herz einst mit namenlosem Weh erfüllten. Wie ein heiliges Vermächtniß klang es:Sei glücklich, mein guter Arthur."

Hertha," sagte er und zog sie an sich, und zwei thränen- feuchte Augen blickten ihn an so selig, als strahlte ihm ein ganzer Himmel entgegen. Es war das erste Mal, daß sie ihren Namen von seinen Lippen hörte. Durch ihre Thränen sah er auf den klaren Grund ihrer reinen Seele, der so klar war wie der Grund des Baches im Sonnenschein.

Murmelnd drängten die Wellen vorwärts, als eilten sie, das Liebesglück weiter zu erzählen den Wellen des Flusses und des Meeres. Durch das dichte Laub fielen Sonnenstrahlen auf zwei glückliche Menschen und unsichtbare Strahlen gingen zurück aus ihrem Herzen zum Dom des Himmels.

Langsam ließ Heyd seine Hand über ihr Haar gleiten und küßte ihre Stirn.

Mein guter Arthur," sagte sie kaum hörbar,könntest Du empfinden, wie unendlich glücklich ich jetzt bin. Die Wirk­lichkeit hat meine schönsten Träume weit übertroffen. Seit Monaten warst Du mein ganzes Sinnen- Mein ganzes Können und mein ganzes Lieben werde ich daran setzen, Dich, Du edler Mann mein guter Arthur, glücklich zu machen und zufrieden zu sehen.

Aber sage mir doch, hast Du mich auch ein wenig lieb?* fragte fie zaghaft mit bittender Stimme.

Seit jenem Tage, Hertha, als ich Dir mein Leben vor die Seele führte, wie er zuvor noch kein Sterblicher erfahren,

dort oben auf der Bank unter Deiner Tanne, mein Lieb, seit jenem Tage hast Du mein ganzes Herz erfüllt. Ja, meine liebe Hertha, Dein Arthur liebt Dich ebenso innig wie Du ihn liebst."

Beide hielten stch fest umschlungen und Arthur hauchte den ersten Kuß auf die Lippen der Rose von Lindenheim.

Lange standen sie so in ihrem Glücks, als wäre die Welt ringsum für sie nicht da. Kein Lüstchen rührte sich, kein Wölkchen stand am blauen Himmelszelt; es schien, als hätte die Schöpfung selbst ihre Freude an diesem glücklichen Paar.

Zwei Ringeltauben zogen über ihren Häuptern dahin, sie kamen aus den Weizenfeldern von Wildenau und flogen nach der hohen Eiche unweit des Kugelfanges, wo sie ihr Nestchen hatten.

Laß uns nun zu unserem guten Vater gehen," sagte Heyd nach einer Weile.

Gewiß, mein guter Arthur; wie wird er sich freuen, wenn er von dem Glück erfährt, das seiner Tochter wider» fahrem ist und das mir erscheint wie der Himmel auf Erden. Du hast mich so namenlos glücklich gemacht und doch bin ich nur ein armes Mädchen."

Sie schmiegte stch an seine Seite und blickte innig zu ihm hinauf.

Meine gute Hertha, einst solltest Du einen reichen Mann heirathen, dessen Geld Dich vor aller Roth schützen sollte; aber wie so ganz anders ist es gekommen, wie wunderbar spielt oft das Schicksal er wurde arm und wohl zu Deinem Heile. Aber bisweilen fügt es auch das Schicksal, daß Men­schen über Nacht reich werden ein Sommernachtstraum.

Dir aber, meine gute Hertha, liegt ja an dem leidigen Gelds ebenso wenig wie mir, und davon soll auch unser ferneres Glück nicht abhängen. In unserer Zeit ist es bei gar vielen Menschen zur Einbildung geworden, daß das Lebensglück einzig und allein von großen Reichthümern abhängt. Sie sehen nicht dis bescheidene Hütte, die Raum genug bietet für glückliche Menschen; ste sehen nur die Welt in Glanz und Wohlleben, an dem ihr Herz hängt, und ihre Liebe wenn von einer solchen überhaupt noch die Rede ist steht dann hinten an.

Wenn wir nun vor den Vater treten, meine gute Hertha, so laß uns nichts von dem Bunde verrathen, den unsere