Ausgabe 
10.9.1895
 
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Trachten ist einzig und allein auf Arbeiten gerichtet, aber sage mir, Arthur, leidest Du öfter an diesen Anfällen?"

Heyd lächelte.Nun, so schlimm ist es nicht, lieber Karl, ich hoffe, es wird nicht wiederkommen; jetzt hatte ich mich auch wohl ein wenig erkältet, die Weichsel mußte wohl schuld daran sein, aber sage mir, Karl, wie lange hast Du Zeit?"

Bis morgen Mittag, Arthur. Ich dachte, wir streifen einmal nach alter guter Weise durch die Felder, durch die Wälder, wo das frohe Echo schallt."

Und das dachte ich auch, Karl, und am Nachmittag kommst Du mit nach Lindenheim; ich habe nämlich dem Herrn Oberförster meinen Besuch versprochen."

Ei, seht doch, seht doch l" sagte Hellmuth.Ich dachte, Du arbeitest von früh bis spät und nun hast Du schon ordent­lich Bekanntschaften in der Umgebung gemacht."

So ist es, Karl, doch Du weißt ja wohl am besten, wie man im Leben mit den Leuten bekannt wird."

Heyd bestellte zur bestimmten Stunde einen Wagen, der sie zur Oberförsterei bringen sollte und dann machten die Freunde einen Spaziergang nach dem nächsten Dorfe. Zur rechten Zeit waren sie wieder zurück und bestiegen den Wagen, der bald den herrlichen Buchenwald erreichte. Hellmuth war wieder ganz ausgelassen, was auch wohthuend auf Heyds Stimmung wirkte.

Warst Du lange nicht mit dem Baron von Walten zu­sammen, den ich damals zwar flüchtig, aber doch genügend kennen gelernt?" fragte Arthur, als die Braunen den Wagen nur langsam emporzogen.

Nein, Arthur, aber im Clubhause soll kürzlich eine selige Nacht gewesen sein. Ganze Batterieen von Sect sollen auf­gefahren worden sein, wie der dicke Doctor sagte, und hernach wurde haarig gespielt. Aber Fortuna war nicht auf Waltens Sette. Fünfzigtausend Mark hat ihn der Spaß gekostet und wo er es nur hernimmt? Mir ist es schleierhaft, doch die Mama Baronin soll sehr reich fetal Aber was kümmert das uns und wie kommst Du nur darauf?"

Nun siehe, Karl, der Baron von Walten ist nicht meta Mann und würde mich auch gar nicht interefsiren, aber ich bedauere feine Braut." ___

Seine Braut, Arthur? Kennst Du sie vielleicht?

Ja, Karl, und auch Du wirst sie heute kennen lernen, sie ist die Tochter des Oberförsters Steuer auf Lindenheim, dessen gastliche» Dach wir bald sehen werden. Vater und Tochter find aus einem Holz, selbstlos und ehrenwerth. Ich bin den Leuten zu größtem Danke verpflichtet, denn ihnen danke ich es, daß ich jetzt an Deiner Sette sitze."

Aber Arthur, davon hast Du mir ja nichts gesagt! So bitte, erzähle doch!" bat Hellmuth, auf's Höchste überrascht.

Und Heyd erzählte ihm nun den Vorfall, aber er sprach von seiner Person al» Retter der Knaben in so bescheidener Weise, als handelte er sich um das Herausholen einer Klobe Holz, die von ungefähr nahe dem Ufer schwamm.Und als ich mich auf Lindenheim wiederfand, waren es eben jene braven Menschen, die mich pflegten und mich dem Leben Wiedergaben."

Also das hat Dir die Weichsel angethan, freilich, nun verstehe ich, von alledem hat man kleine blaffe Ahnung. Nun Gottlob, daß es so gekommen, aber jetzt sei wenigstens so gut und laß Deine Privatarbeiten ruhen. Morgen werde ich die Sache in die Hand nehmen, damit Du es auch erhältst," und er zeigte auf das unscheinbare Bändchen im Kopfloche.

Nein, Karl, laß das, ich bitte Dich darum; Du weißt, daß ich dafür nicht bin, habe ich doch drüben sogar meinen Baronstitel abgelegt."

Nun, so will ich wenigstens ein kleines Ding darüber schreiben, und da Du das Menschenretten so harmlos hinstellst, als wäre dasselbe eine Plötze aus dem Wasser zu ziehen, so weißt Du, werde ich es ein wenig humoristisch schreiben."

Arthur lachte.Du bist doch immer derselbe, aber bitte, laß auch dieses sein."

Langsam fuhr der Wagen den Berg hinauf und an der Stelle, wo de» morschen Wegweisers Arme nach Finkenstein

und Hägermühle zeigten, trat der alte Förster Rudow au» dem Gehölz und rief dem Kutscher zu:Laß die Pferde erst ver- chnaufen, Kerl, Du schaffst den Berg ja doch nicht und her­nach schrumm, dann geht es besser. Und guten Abend auch, meine Herren, guten Abend, Herr Baumeister!"

Guten Abend, Herr Förster, aber ich habe nicht die Ehre, Sie zu kennen."

Mein Name ist Rudow."

Heyd stieg vom Wagen und Hellmuth that mit einem Satz dasselbe. Nun begrüßten sie sich mit einem kräftigen Händedruck und Arthur stellte seinen Freund vor-

Ich habe Ihren Namen da unten oft gehört, Herr Förster, und freue mich sehr, Sie kennen zu lernen; in den nächsten Tagen hätte ich Sie ausgesucht, um Ihnen Dank zu

agen für

Fehlte auch noch," unterbrach ihn der Alte.Sehen ja Gottlob ganz munter aus, aber so was" und er ahmte ,as Schwimmen nachwollen wir nun vorläufig bleiben lassen, denn hätte der Himmel nicht Einsehen gehabt, dann schrumm na, ich danke schön," und er zeigte mit dem

Finger auf die Erde-

Karl bestärkte den Förster in seinen Worten und befreun­

dete fich bald mit ihm-

Sehen Sie einmal da» Gestell hinunter, meine Herren," sagte der Alte,da wo die beiden Baumkronen hervorsehen und der Rauch gerade emporsteigt, dort ist Forsthaus Birk» heim und da wohnt der alte Rudow. Und nun Gott besohlen, meine Herren, und auf Wiedersehen."

Auf Wiedersehen, Herr Förster, in Birkheim."

Hertha kam aus dem Walde und brachte ihrem Vater den ersten Waldmeister.

Ah das ist ja schön, meine Tochter, den können wir heute gut gebrauchen, denn zu was ließ auch der Herrgott diese edlen Kräuter wachsen!"

Der Herr von Wildenau war der erste, der mit seiner Familie eintraf. Gertrud von Wildenau und Hertha begrüßten sich herzlich, denn sie waren die besten Freundinnen.

Gertrud, die in Bekanntenkreisen nur diewilde Trude" hieß und im gleichen Alter mit Hertha Steuer stand, war ein heiteres, lebenslustiges Mädchen, und wenn sie auch nicht ihrer Freundin an Schönheit gleichkam, so war sie immerhin schön und nicht minder geistreich und liebenswürdig.

Wie herrlich Euer Garten schon ausfieht, Hertha, und natürlich wieder vorherrschend Schneeglöckchen, Deine Lieb­lingsblumen." Gertrud pflückte einige, sang vor sich hin: Nur einmal blüht im Jahr der Mai, nur einmal im Leben die Liebe" und steckte die Blumen an ihren Busen.

Trude, Du wirst heute noch eine Ueberraschung haben, wir bekommen noch Extrabesuch!"

So 1" sagte Gertrud neugierig.Ach, wohl Dein Bräu­

tigam, Hertha?"

Nein, Trude, ein freundlicher Herr und da bin ich auf Deine Kritik gespannt."

Ach! Es kommt wohl der Herr Baumeister, der als Patient in Euer» Mauern war?" fragte Gertrud lächelnd.

Ja, Trude aber woher weißt Du nur davon?" fragte Hertha überrascht.

Nun, Hertha, Wildenau liegt doch nicht so weit von hier, als daß es nicht die Spatzen hinüberpfissen. Also heute Abend! Nun, das macht mich neugierig," erwiderte Gertrud und sah ihre Freundin schalkhaft an.

Und was gibt es bei Euch Neues, Trude?"

Nichts von Bedeutung, Hertha 1 Doch ich erhielt einen Brief von der Clara Reinhard, die, wie Du Dich wohl erinnern wirst, vor vier Jahren bei uns auf Besuch war. Denke Dir nur, sie hat sich vor drei Wochen verheirathet!

Ach, was Du sagst! Haben es ihre Eltern also zu­gegeben ?" fragte Hertha erfreut-

Ja, aber wie sie schreibt, soll es noch ein großer Krieg gewesen sein; und natürlich nur des leidigen Geldes wegen, doch jetzt ist sie um so glücklicher leider vergaß ich de» Brief mitzunehmen, nun, Du kannst ihn ja am nächsten Mitt-