Ausgabe 
10.9.1895
 
Einzelbild herunterladen

5?«

Nr. T7 iLm

Ms

.'!'l'^^^^- ..£,JvL^j \

^V VV amtltöolaner

t

MR3

w«

XfX'

r\<-7

KHM

MWMH- D^M^WUHM MMMß JWw M-rZ^dMÄM; ü-sÄÄKT-iv.-'A-rw. vM

UnterhaUungsblatt ;um Gießener Amriger (Orneral-AHeiger).

Ihr Vermächtniß.

Roman von Maximilian Margeli».

(Aortsrtzung.)

Sag' einmal, Curt," begann Hertha nach einer Weile, wonach ich Dich schon damals fragen wollte: Was hattest Du denn mit Tante Doctor so viel zu verhandeln, als wir in Danzig waren? Es schien ja von besonderer Wichtigkeit zu sein."

Besondere Wichtigkeit!" sagte Curt fragend.Ach, nun fällt mir's ein; Tante Doctor fragte mich wegen ihrer Geld­angelegenheit nämlich wie man Geld am besten anlegt und so weiter

So so!" erwiderte Hertha gedehnt.Ich denke, sie hat ihr Geld auf der Sparkasse sicher angelegt!"

So ist ee auch, Coustnchen! Aber die Zinsen müssen doch erhoben werden und eben deshalb informirte ich sie."

Curt summte seinen Marsch weiter und seine Gedanken waren nicht bei seiner Verlobten, die schweigend neben ihm ging und Parallele zog zwischen ihrem Bräutigam und dem Baumeister Heyd, sondern sie waren im Clubhause zu Danzig.

Schweigend kehrten sie um, denn Curts Ruhe war schon längst dahin; er dachte an das Spiel, bei dem er heute Abend nicht dabei sein konnte, und wie er morgen Nacht wiedergewinnen wollte, was er kürzlich verloren.

Nach einer Weile legte Curt seinen Arm auf Herthas Schulter und zog sie an sich.Finde, flehst heute angegriffen aus, Schatz, hattest doch nicht wegen Eures Patienten zu leiden?"

O nein, Curt, der Vater und der Secretär theilten stch die Sorgen um diesen edlen Mann."

Hm," sagte Curt,scheint recht stiller Mensch zu sein."

Ein Mann, der für sich spricht," erwiderte Hertha, ernst und gesetzt, von tmponirender Ruhe und von größter Bildung."

Ach, was Du sagst! Das hätte ich kaum geglaubt," sagte Curt überrascht.

Als sie am Hause ankamen, trieb Curt bald zur Abfahrt,

derrn^er durste den Zug nicht versäumen, and wiewohl es noch lange Zeit war, so ließ der Oberförster doch anspannen.

Curt verabschiedete sich dann bald, winkte noch einmal zurück, pfiff dann halblaut etwa« aus der Ouvertüre zur OperLeichte Cavallerie" und nahm ein froheres Herz mit auf den Weg, als er heute nach Lindenheim gebracht.

Sechstes Capitel.

Als der Baumeister in seine Wohnung trat, fand er unter anderen Briefen auch einige Zeilen von seinem Freunde Hellmuth, der ihm seinen Besuch zum Mittwoch anmeldete.

Dann machte sich Heyd fertig und inspizirte sofort seine Bauten. Er fand alle Arbeiten zu seiner Zufriedenheit und wenn er auch überall vermißt wurde, so glaubten doch die Meisten, daß er anderweit dienstlich beschäftigt war. Als er am Brückenbau eintraf, ging eine freudige Bewegung durch die Arbeiter. Heyd war erstaunt über die Riesenarbeit, die in so kurzer Zett geleistet war. Auf allen Gesichtern la» er Zufriedenheit und es war ihm unklar, einen Grund dafür zu finden. Da trat der alte Maurer an ihn heran, drehte ver­legen seine Mütze und sprach:Herr Baumeister, wir Alle haben erfahren von der guten That, die Sie vollbracht und wir Alle, die Zimmerleute, die Maurer und die Arbeiter, wären Ihnen einmüthig gern zu Hilfe geeilt. Wir haben daher diesen Tag herbeigesehnt, an dem wir Sie gesund Wiedersehen; daher ist uns dieser Tag ein Freudentag und unser Herrgott nehme Sie in seinen Schutz jetzt und immerdar."

Der Baumeister, der am liebsten gesehen, daß von dieser Sache Niemand Notiz genommen hätte, war tief gerührt. Er reichte dem Alten die Hand und dankte ihm:Sagen Sie auch, bitte, all' den Anderen meinen herzlichsten Dank."

Und Heyd entfernte stch, aber wa» ihm am wohlsten that, das war die Zufriedenheit, die er hier erblickte, denn gerade sie ist die Eigenschaft, die man doch so selten im Leben und besonders bei den Arbeitern in unseren Tagen findet.

Al« der Ingenieur Hellmuth zu seinem Freunde kam, fand er diesen vor einem großen Reißbrett. Beide begrüßten sich nach alter Weise und Hellmuth sah Arthur prüfend an.

Siehst noch etwa» angegriffen au», lieber Sohn, mußt Dich mehr schonen, mir scheint, Dein ganzes Sinnen und